Skydiving: Das Skydiving-ABC – alle Fachbegriffe erklärt

Arch, AAD, Flare, AFF: Alle Skydiving-Fachbegriffe locker erklärt – dein Cheat-Sheet, bevor die anderen Guides einfach Vorwissen voraussetzen.

Sportart: Skydiving · Level: Anfänger

Einleitung

„Was zum Teufel ist ein AAD, und warum reden alle von 'Arch', als wäre das selbsterklärend?" Wenn du gerade erst ins Fallschirmspringen reinschnupperst, stolperst du in den anderen Skydiving-Guides schnell über Begriffe, die einfach vorausgesetzt werden. Deshalb gibt's hier das Skydiving-ABC: alle wichtigen Fachbegriffe kurz und locker erklärt — damit du ab jetzt jeden Guide auf Anhieb verstehst, egal ob es um deinen ersten Tandemsprung oder später um Freefly und Wingsuit geht.

Ausrüstung & Sicherheitssystem

Hauptkappe: Dein "normaler" Fallschirm, der bei jedem Sprung zuerst gezogen wird — heute fast immer eine Ram-Air-Kappe: Luft strömt in Zellen und formt ein Tragflächenprofil wie ein Flugzeugflügel, das echten Auftrieb erzeugt. Sie wird nach jedem Sprung neu gepackt und ist dein Standard-Werkzeug für Schirmfahrt und Landung.

Reserve: Dein zweiter, komplett unabhängiger Schirm im selben Rucksack, gepackt von einem zertifizierten Rigger und behördlich geprüft. Kommt nur zum Einsatz, wenn die Hauptkappe nicht sauber öffnet — dein Backup fürs Backup. Anders als die Hauptkappe, die du irgendwann selbst packen lernst, bleibt das Reserve-Packen strikt Rigger-Sache.

AAD (Automatic Activation Device): Ein kleines Gerät, das Höhe und Fallrate misst und die Reserve automatisch auslöst, falls du selbst nicht rechtzeitig reagierst. Wie ein Rauchmelder, der im Ernstfall selbst den Feuerlöscher zieht — dieses Schutznetz hat die Todesfallrate im Sport über Jahrzehnte massiv gedrückt.

Gurtzeug: Das Trage- und Verbindungssystem, das dich mit Haupt- und Reservekappe verbindet — beim Tandem zusätzlich mit dem Tandemmaster. Jeder Karabiner wird vor dem Sprung mehrfach geprüft.

Drogue: Ein kleiner Bremsschirm beim Tandemsprung, der die gemeinsame Fallrate von zwei Personen im gewohnten Bereich hält — ohne ihn würdet ihr zu zweit spürbar schneller fallen als eine Einzelperson.

Slider: Ein kleines Stoffstück auf den Leinen der Hauptkappe, das die Öffnung dämpft — es rutscht beim Öffnen langsam nach unten und macht aus einem harten Ruck einen geschmeidigen Übergang.

Toggles: Die beiden Griffe an den Steuerleinen deiner Kappe. Ziehst du einen, drehst du in diese Richtung; ziehst du beide gleichmäßig, wird die Kappe langsamer — bis hin zum Flare kurz vor der Landung.

Freifall & Körperhaltung

Freifall: Die Phase zwischen Absprung und Schirmöffnung, bei einem Standardsprung aus rund 4.000 Metern etwa 50 bis 60 Sekunden lang. Statistisch der harmloseste Teil des Sprungs — fast alle Verletzungen passieren später, bei Schirmfahrt und Landung.

Terminal Velocity: Die konstante Endgeschwindigkeit, ab der du nicht mehr beschleunigst, weil Schwerkraft und Luftwiderstand sich exakt die Waage halten. In Bauchlage rund 193 bis 200 km/h — und genau diese Konstanz nimmt dir das Sturzgefühl, weil das Achterbahn-Kribbeln vom Beschleunigen kommt, nicht von der Geschwindigkeit.

Arch: Die Grundhaltung im Bauchflug — Hüfte nach vorn, Brust und Becken zur Erde, Kopf hoch, Arme und Beine leicht nach hinten. Diese Form stabilisiert dich automatisch, nach demselben Prinzip, das einen Federball immer mit der Kappe voran fliegen lässt.

De-Arch: Der häufigste Anfängerfehler im Freifall — wenn du unter Stress das Hohlkreuz aufgibst, die Schultern hochziehst oder dich zusammenrollst. Das kehrt die stabile Form um und lässt dich trudeln; die Korrektur ist immer dieselbe: bewusst zurück in die Arch.

Head-down / Head-up: Zwei fortgeschrittene Freifall-Lagen — kopfüber (Head-down) oder aufrecht mit dem Kopf nach oben (Head-up), statt in klassischer Bauchlage. Weil viel weniger Körperfläche dem Wind entgegensteht, geht's deutlich schneller — bis zu 240 bis 290 km/h.

Öffnungsschock: Die kurze, kräftige Verzögerung beim Öffnen der Kappe, die dich von rund 200 km/h auf Schirmfahrt-Tempo bringt. Moderne Kappen dämpfen das über den Slider, sodass sich eine saubere Öffnung eher wie ein fester Ruck anfühlt als wie ein Schlag.

Schirmfahrt & Landung

Schirmfahrt: Die ruhige Phase nach der Schirmöffnung, in der du unter der offenen Kappe zur Landefläche gleitest — bei einem Standardsprung rund fünf Minuten. Der Lärm des Freifalls verstummt, und du fliegst statt zu fallen.

Flare: Der entscheidende Bremszug kurz vor dem Boden — du ziehst beide Toggles tief, der Auftrieb steigt kurz, die Geschwindigkeit fällt ab, und du setzt weich auf. Timing ist alles: zu früh, und du steigst kurz und fällst dann durch; zu spät, und du bist noch zu schnell. Ein falsch getimtes Flare ist die häufigste Ursache für Landeverletzungen im ganzen Sport.

Landemuster: Die geplante Anflugkurve, die dich sauber gegen den Wind auf die Landefläche bringt — vergleichbar mit dem Landeanflug eines Flugzeugs, nur mit Fallschirm statt Fahrwerk.

PLF (Parachute Landing Fall): Die Rückfalltechnik für harte Landungen — mit leicht gebeugten Gelenken landen und über die Seite abrollen, um die Energie zu verteilen statt sie voll in die Knöchel zu leiten. Lernst du in der Ausbildung, brauchst du beim Tandem aber nicht selbst.

Ausbildung, Lizenz & Szene

Tandemmaster: Der erfahrene, lizenzierte Springer, an dem du bei deinem ersten Sprung fest hängst und der die komplette Prozedur — Absprung, Freifall, Öffnung, Landung — für euch beide steuert. Dein Job dabei: entspannen und den Ausblick genießen.

Dropzone: Der Flugplatz oder Verein, von dem aus gesprungen wird — deine Anlaufstelle für Tandemsprünge, Ausbildung und später eigene Sprünge. Jede seriöse Dropzone arbeitet nach den Regeln eines Verbands wie DFV oder USPA.

AFF (Accelerated Free Fall): Der moderne Standardweg zum Solospringer — "beschleunigter Freifall". Anders als bei alten Methoden springst du vom ersten Ausbildungssprung an aus voller Höhe im echten Freifall, begleitet von Lehrern, die neben dir fliegen.

Bodenkurs: Die Theorie- und Praxis-Simulation am Boden vor deinem ersten AFF-Sprung, in Deutschland rund 1,5 Tage lang. Hier lernst du Körperlage, Höhenbewusstsein und die sicherheitskritischen Handgriffe, bevor du sie unter echtem Stress brauchst.

DFV / USPA: Die Dachverbände für Ausbildung und Sicherheitsstandards — DFV in Deutschland, USPA in den USA. Beide zertifizieren Sprungschulen, Lehrer und Lizenzen.

Lizenz: Der offizielle Nachweis, dass du selbstständig springen darfst — in Deutschland der Luftfahrerschein für Sprungfallschirm, in den USA die A-Lizenz der USPA. Beide setzen mindestens 25 Sprünge plus eine bestandene Theorieprüfung voraus.

Windkanal: Auch Tunnel genannt — eine vertikale Anlage mit starkem Luftstrom, in der du die Arch gefahrlos mit sofortigem Coach-Feedback üben kannst, ganz ohne zu springen. Viele Sprungschulen empfehlen ein paar Tunnelminuten vorab.

Pro-Tipp

Häng dir diesen Merksatz an die Wand: „Form hält dich, nicht Kraft." Ob Arch, Flare oder Landemuster — fast jeder Begriff hier dreht sich am Ende darum, eine stabile Form einzunehmen und ruhig zu halten, statt gegen Wind oder Kappe anzukämpfen. Stolperst du in einem anderen Guide über ein unbekanntes Wort, komm einfach hierher zurück — das Glossar läuft nicht weg.

FAQ

### Was ist die Arch-Position beim Skydiving? Die Arch ist die stabile Grundhaltung im Bauchflug: Hüfte nach vorn, Brust und Becken zur Erde, Kopf hoch, Arme und Beine leicht nach hinten. Sie macht dich automatisch bauchseitig stabil — nach demselben Prinzip wie ein Federball, der sich im Flug immer selbst ausrichtet.

### Was bedeutet AAD beim Fallschirmspringen? AAD steht für Automatic Activation Device, ein kleines Gerät, das Höhe und Fallrate misst und deine Reserve automatisch auslöst, falls du selbst nicht rechtzeitig reagierst. Es ist Teil des doppelten Sicherheitsnetzes, das die Todesfallrate im Sport über Jahrzehnte massiv gesenkt hat.

### Was ist ein Flare bei der Fallschirmlandung? Das Flare ist der Bremszug kurz vor dem Boden: Du ziehst beide Toggles tief, der Auftrieb steigt kurzzeitig, die Geschwindigkeit fällt ab, und du setzt weich auf. Ein falsch getimtes Flare ist die häufigste dokumentierte Ursache für Landeverletzungen im Sport.

### Was ist der Unterschied zwischen Hauptkappe und Reserve? Die Hauptkappe ist dein Standard-Schirm, den du bei jedem Sprung zuerst öffnest. Die Reserve ist ein komplett unabhängiger zweiter Schirm, gepackt von einem zertifizierten Rigger, der nur zum Einsatz kommt, wenn die Hauptkappe nicht sauber öffnet — dein Backup fürs Backup.

### Was ist AFF und wie unterscheidet es sich vom Tandemsprung? AFF ist die Standardausbildung zum Solospringer: Nach einem Bodenkurs springst du ab dem ersten Ausbildungssprung selbstständig, begleitet von Lehrern. Der Tandemsprung dagegen hängt dich fest an einen Tandemmaster, der alles für dich steuert — ideal als erste Erfahrung ohne Vorwissen.

Key Takeaways

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