Retiré (Passé): Die Position, die jede Drehung trägt

Retiré lernen: Fußspitze ans Knie des Standbeins, Hüfte ruhig, Rücken lang. So baust du die Position auf, die Pirouetten und Balancen trägt.

Sportart: Tanzen · Level: Anfänger

Einleitung

Die ehrliche Antwort auf „Wie mache ich ein sauberes Retiré?": Fußspitze an der Seite des Standbeins, Knie nach außen geöffnet, Becken ruhig – und das Standbein trägt dich, nicht der Arbeitsfuß. Das klingt nach einer Pose, ist aber die Grundform für Pirouetten, Balancen und viele Übergänge. Auch „Passé" genannt: Je nach Schule ist die Position leicht verschieden (Fußspitze am Knie, an der Wade, hinter dem Knie) – deine Lehrkraft sagt dir, welche gilt.

Warum lohnt es sich, hier genau zu sein? In einer Befragung von 108 Tänzerinnen und Tänzern zu Pirouetten nannten sowohl Amateure als auch Profis die stabile Achse und die Passé-Position als zentrale Zutaten einer schönen Pirouette; Profis betonten zusätzlich Standards wie Turnout [4]. Die Studie ist eine Meinungsumfrage, kein Experiment – aber sie zeigt, worauf Tänzer selbst achten.

Wie schwer ist es wirklich? Ein wackeliges Retiré hast du in der ersten Stunde, ein stabiles meist nach Wochen regelmäßigen Übens, ein sauberes mit Relevé und ohne Hilfe der Stange eher nach Monaten (Erfahrungswerte, ohne Studienbeleg). Gerade weil die Position so einfach aussieht, lohnt Geduld: Sie ist die Basis für alles, was sich dreht.

Was du brauchst

Schritt für Schritt

1. Standbein aufbauen

Steh in erster Position an der Stange, Gewicht auf dem Standbein, Becken gerade. Das Standbein ist lang und aktiv, das Knie nicht durchgedrückt. Meilenstein: Du stehst zehn Sekunden stabil, bevor das andere Bein überhaupt losgeht.

2. Vom Tendu nach oben

Aus einem Tendu zur Seite oder aus Cou-de-pied ziehst du den Fuß am Standbein entlang nach oben, bis die Zehen am Knie ankommen. Das Knie des Arbeitsbeins öffnet sich zur Seite. Die Hüfte bleibt gerade. Meilenstein: Du schaffst fünf Retirés pro Seite, ohne dass das Becken kippt.

3. Halten, ohne zu hängen

Halte das Retiré zwei bis drei Zählzeiten. Das Arbeitsbein „hängt" nicht, sondern wird leicht gegen das Standbein gedrückt. Atme weiter.

4. Mit Relevé (Passé-Relevé)

Wenn Stufe 1–3 stabil sind, gehst du auf die halbe Spitze des Standbeins. Gewicht über dem Ballen, Fersen nicht nach hinten ziehen. Eine Studie zum Lernen eines Passé-Relevé (15 Übungsdurchgänge, Test nach 48 Stunden) ergab, dass häufiges Ansehen eines Vorbildes das geistige Bild der Bewegung verbesserte, aber nicht unbedingt Balance und Ausführung [3] – also nicht nur Videos gucken, sondern selbst üben.

5. Zur Mitte

Löse eine Hand von der Stange, dann beide. Wenn du in der Mitte zwei Sekunden im Retiré stehst, hast du die Basis für Pirouetten.

Häufige Fehler

Sicherheitshinweise

Turnout nicht über die Hüfte erzwingen: Wenn du dir den Fuß „hinzudrehst", verlagerst du die Last auf Knie und Fuß. Bei 17 Balletttänzerinnen war die Beweglichkeit des ersten Fußwurzel-Mittelfuß-Gelenks im Demi-Plié mit erzwungenem Turnout am größten – ein Faktor, der mit der Entstehung eines Hallux valgus (Schiefzeh) in Verbindung gebracht wird [6]. Ein systematischer Review fand dagegen keine eindeutige Evidenz, dass erzwungenes oder kompensiertes Turnout Verletzungen verursacht – die Studien waren zu schwach [5]. Fazit: Sicher ist nur, dass du nichts erzwingen musst. Spitzenschuhe sind kein Teil dieses Guides; Retiré auf Spitze nur nach Freigabe durch deine Lehrkraft. Dieser Guide erklärt und motiviert, ersetzt aber kein betreutes Training.

Pro-Tipp

Übe das Retiré in schlechtem Licht, nicht für die Show, sondern fürs Gefühl: In einer Studie mit Tanzstudierenden war die Kontrolle im Retiré-Relevé bei schwachem Licht schlechter (der Druckschwerpunkt bewegte sich schneller) als bei gutem Licht, und ein Spiegel brachte dabei keinen Vorteil [2]. Es zeigt, wie sehr dein Gleichgewicht vom Sehen abhängt – und warum es hilft, die Position innen zu spüren.

FAQ

Wie hoch muss das Retiré sein?

Es gibt kein universelles „so hoch". Sauberkeit schlägt Höhe: Ein etwas tieferes, stabiles Retiré mit gerader Hüfte ist besser als ein hohes, bei dem das Becken kippt. Die Befragung [4] nennt neben der Passé-Höhe ausdrücklich die stabile Achse.

Was ist der Unterschied zwischen Retiré und Passé?

Meist ist es dieselbe Position: Beim Retiré steht der Fuß am Knie des Standbeins; „Passé" nennt man oft den Durchgang des Fußes am Standbein vorbei. Je nach Schule werden die Begriffe aber anders verwendet. Frag deine Lehrkraft.

Warum wackle ich im Retiré?

Meist liegt es an Standbein, Becken oder Blick. Prüfe: Steht dein Gewicht über dem Ballen? Bleibt das Becken gerade? Hast du einen festen Punkt vor Augen? Die Lichtstudie [2] spricht dafür, dass auch das Sehen eine Rolle spielt.

Kann ich Retiré allein zu Hause üben?

Ja, an einem festen Möbelstück oder Türrahmen. Achte besonders auf ein gerades Becken und gib dir regelmäßig Rückmeldung (Video, Spiegel). Ersetzen kann das den Unterricht nicht.

Schritt für Schritt

  1. Standbein aufbauen: In erster Position stehen, Standbein lang und aktiv, Becken gerade; zehn Sekunden stabil.
  2. Vom Tendu nach oben: Fuß am Standbein entlang bis zum Knie ziehen, Knie des Arbeitsbeins seitlich öffnen.
  3. Halten ohne Hängen: Zwei bis drei Zählzeiten halten, Arbeitsbein drückt leicht gegen das Standbein, weiteratmen.
  4. Mit Relevé: Auf die halbe Spitze des Standbeins gehen, Gewicht über dem Ballen.
  5. Zur Mitte: Erst eine Hand, dann beide von der Stange lösen; zwei Sekunden Retiré in der Mitte.

Key Takeaways

Nächster Guide

Glissade: Der Gleitschritt, der jeden Sprung vorbereitet — [object Object]

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