Practice Touches im AFF: Wie du den Griff zum Hilfsschirm im Freifall übst, ohne die Lage zu verlieren, und warum Langsamkeit hier der ganze Trick ist.
Die ehrliche Antwort vorweg: Eine Practice Touch (in der DFV-Sprache: Scheingriff oder Aufziehübung) ist ein gespielter Pull im Freifall, bei dem du den Griff berührst, aber nicht ziehst [1]. Du übst damit genau die Bewegung, die du später mit echtem Ernst brauchst, nur ohne Folgen. Das Ziel: Der Arm findet den Griff, und dein Körper bleibt dabei stabil [2].
Warum das nicht optional ist? Weil dein Kopf kurz vor dem Sprung schlechter arbeitet, als du denkst. In einer Studie mit Fallschirmspringern war die Arbeitsgedächtnis-Leistung vor dem Sprung messbar eingeschränkt, bei Anfängern auch noch nach der Landung [3]. Die Forscher diskutieren das als möglichen Faktor bei Todesfällen, in denen gar nicht gezogen wurde [3]. Was du dann brauchst, ist keine Überlegung, sondern ein eingeschliffener Ablauf.
Dazu passt der Befund aus Schweden: Bei den Todesfällen von Schülern war oft Instabilität im Freifall der Auslöser, gefolgt von einer unsauberen Aktivierung oder einem Aktivierungsfehler [4]. Practice Touches sind deine Übung gegen genau diese Kette. Der Guide erklärt, was dich erwartet. Er ersetzt keine Ausbildung bei einer zugelassenen Schule.
Nach dem Exit atmest du und prüfst deine Körperposition. Dann folgt der Beobachtungskreis: Horizont (Heading), Höhe, Blick zu den Lehrern, die dir Zeichen geben [1][2]. Erst wenn du stabil liegst, beginnt die Übung. Meilenstein: Du kannst die Arch halten, während du die Höhe liest.
Du drückst das Becken durch (Hohlkreuz), greifst nach dem Griff und kehrst in die neutrale Lage zurück [1]. Die USPA beschreibt es als langsam und bewusst, nur mit den Armen, mit lautem Mitsprechen jeder Aktion und einem kurzen Halt, um den Griff zu spüren [2]. Eine Hand streckt sich zum Ausgleich über den Kopf, während die andere zum Griff geht [2]. Das hilft, symmetrisch zu bleiben.
Im ersten Level machst du drei koordinierte Aufziehbewegungen, in Level II ein bis drei [1]. Die USPA verlangt dasselbe: drei Practice Deployments, dann der zweite Beobachtungskreis [2]. Bei jeder prüfst du vorher, währenddessen und nachher deine Körperposition [2]. Meilenstein: Der Lehrer sieht keinen Drift, keine Drehung und kein Wegkippen, während du greifst.
Die Practice Touch ist der Probelauf für die Auslösung. In der DFV-Fassung läuft sie in Level I so: Abwinken bei 1.500 m über Grund, Auslösen spätestens bei 1.200 m [1]. 1.200 m sind gut dreieinhalb Eiffeltürme übereinander. Die USPA nennt für AFF 6.000 ft (etwa 1.800 m) zum Aufschalten auf den Höhenmesser und 5.500 ft (etwa 1.700 m) zum Abwinken [2]. Wie dein Ablauf konkret aussieht, legt deine Schule fest.
Das hier erklärt und motiviert, es ersetzt keine Ausbildung. Practice Touches übst du immer unter Aufsicht deiner Lehrer, nie auf eigene Faust.
Mach aus der Practice Touch einen Rhythmus, den du im Kopf laut mitsprichst: Becken, Griff, Spüren, Neutral. Die USPA lässt dich ausdrücklich jede Aktion verbalisieren und am Griff kurz innehalten [2]. Das klingt kindisch, schützt dich aber. Wenn dein Arbeitsgedächtnis wegen der Aufregung schwächelt [3], übernimmt der laut gesprochene Rhythmus das Steuer.
Practice Touches sind Scheingriffe im Freifall: Du führst die komplette Zieh-Bewegung bis zum Griff aus, ziehst aber nicht [1][2]. Sie trainieren Griffposition und Körperstabilität. Im Level I machst du drei davon, in Level II ein bis drei [1].
Das DFV-Handbuch sieht in Level I drei koordinierte Aufziehbewegungen vor und in Level II ein bis drei [1]. Die USPA verlangt in Kategorie A ebenfalls drei Practice Deployments [2]. Deine Schule kann den Ablauf leicht anpassen.
Weil dein Arbeitsgedächtnis vor dem Sprung eingeschränkt ist, und bei Anfängern auch nach der Landung noch [3]. Ein eingeübter Ablauf braucht weniger Nachdenken. Auch Todesfälle von Schülern hingen oft an Instabilität und unsauberer Aktivierung [4].
Ja, genau dafür gibt es das Bodentraining mit Höhenmesser und Griffattrappe, bevor du ins Flugzeug steigst [1]. Im Freifall musst du die Bewegung zusätzlich in stabiler Lage ausführen, und das übst du nur mit deinen Lehrern.
Heading Control: Im Freifall die Richtung halten — [object Object]