Skitouren: Aufstiegstechnik — Spitzkehre, Spur, Fellwechsel

Warum fast jeder Anfänger bei der Spitzkehre umfällt, ab welcher Steilheit du sie brauchst und wie du sie in klaren Schritten sauber lernst.

Sportart: Skifahren · Level: Anfänger

Einleitung

Warum fällt fast jeder Anfänger bei seiner ersten Spitzkehre um? Die ehrliche Antwort: weil die Spitzkehre eine der technisch anspruchsvollsten Bewegungen im gesamten Skitourengehen ist — ein fast vollständiger 180-Grad-Richtungswechsel auf zwei parallelen, glatten Brettern, oft an einem Hang, an dem Ausrutschen unangenehme Folgen hat. Die gute Nachricht: Sie ist erlernbar, und du brauchst sie ab einer Hangneigung von rund 30 Grad — dem Punkt, an dem eine gerade Spur einfach zu steil zum Gehen wird [1].

Aufstiegstechnik ist der unterschätzte Teil des Skitourengehens. Während alle über Lawinen und Abfahrt reden, entscheidet die Aufstiegstechnik darüber, ob du überhaupt entspannt und mit Kraftreserven oben ankommst — oder erschöpft und frustriert. Wer die Spitzkehre nicht beherrscht, vermeidet unbewusst steile Passagen, verschwendet Energie in unnötigen Umwegen oder rutscht im schlimmsten Fall aus der Spur.

Was du brauchst

Schritt für Schritt

1. Lerne zuerst die Grundgeh-Technik in der Spur

Bevor die Spitzkehre kommt: Geh in der bestehenden Spur mit kleinen, gleichmäßigen Schritten, das Gewicht zentral über dem Ski, die Skier so flach wie möglich zur Falllinie. Große Schritte kosten mehr Kraft als viele kleine.

2. Verstehe, wann die Spitzkehre nötig wird

Ab ungefähr 30 Grad Hangneigung [1] wird eine gerade Spur zu steil zum Gehen — genau hier beginnt der Zickzack-Aufstieg mit Spitzkehren. Das ist keine Ausnahmesituation, sondern der Normalfall auf jeder steileren Skitour.

3. Übe die Spitzkehre in Einzelschritten

Setz den Bergstock unterhalb der Bindung deines Talskis auf, den anderen Stock so weit oben wie möglich [2]. Verlager dein Gewicht komplett auf den Talski, hebe den Bergski an und drehe ihn mit einer „Scheibenwischer"-Bewegung um etwa 180 Grad [2] — als würdest du mit dem Fuß einen Halbkreis in die Luft zeichnen. Setz ihn ab, verlagere das Gewicht, wiederhole mit dem zweiten Ski.

4. Wähle die passende Variante für dein Material

Wie leicht sich die Skispitze beim Drehen anhebt, hängt von Bindung und Montagepunkt ab [1] — bei manchen Ski „pendelt" die Spitze fast von selbst hoch, bei anderen musst du mit der Ferse nachdrücken, die eigentliche Kickkehre. Übe beide Varianten, damit du wechselndes Material sicher beherrschst.

5. Meistere den Fellwechsel effizient

Am Umkehrpunkt ziehst du die Felle ab, faltest sie leimseitig zusammen (warmhalten in der Jacke bei Kälte) und stellst die Bindung auf Abfahrtsmodus. Übe das zu Hause, bis es unter fünf Minuten dauert — jede Minute am kalten Umkehrpunkt kostet Energie und Körperwärme.

Häufige Fehler

Sicherheitshinweise

Spitzkehren finden oft genau dort statt, wo der Hang schon steil genug für Lawinen ist. Übe die Technik deshalb zuerst in flachem, sicherem Gelände, bevor du sie im steilen Ernstfall brauchst — eine wackelige Spitzkehre am falschen Hang kann zum Sturz führen, und ein Sturz an exponierter Stelle kann eine Kettenreaktion bis zum Absturz auslösen. Mit zunehmender Steilheit gehört auch die Gruppenaufstellung zur Sicherheit dazu, dazu mehr im nächsten Guide. Bleib bei unsicherem Stand einfach kurz stehen und atme durch, statt hektisch weiterzumachen.

Pro-Tipp

Übe Spitzkehren bewusst auf beiden Seiten gleich oft. Fast jeder hat eine „gute" und eine „schlechte" Drehrichtung — meist die, die der eigenen Standbeinseite entspricht. Wer nur eine Richtung trainiert, gerät auf langen Spitzkehren-Passagen irgendwann ins Straucheln, weil die schwächere Seite überproportional oft gefragt ist.

FAQ

Ab welcher Steilheit brauche ich Spitzkehren?

Ab etwa 30 Grad Hangneigung wird eine gerade Spur zu steil zum sicheren Gehen [1] — das ist der Punkt, an dem der Zickzack-Aufstieg mit Spitzkehren beginnt.

Warum falle ich bei der Spitzkehre immer wieder um?

Meist, weil das Gewicht nicht vollständig auf den Talski verlagert wird, bevor der Bergski angehoben wird. Ohne diese Gewichtsverlagerung fehlt dir die stabile Basis für die Drehung.

Was ist der Unterschied zwischen einfacher Spitzkehre und Kickkehre?

Bei manchen Bindungen und Skiern hebt sich die Skispitze beim Drehen fast von selbst, bei anderen musst du mit der Ferse nachdrücken — das ist die Kickkehre [1]. Beide Varianten lohnt es sich zu üben.

Wie lange sollte ein Fellwechsel dauern?

Geübte Tourengeher schaffen den kompletten Wechsel (Felle ab, Bindung umstellen, Stöcke anpassen) in unter fünf Minuten. Das lohnt sich zu trainieren, denn am kalten Umkehrpunkt kostet jede zusätzliche Minute Körperwärme.

Schritt für Schritt

  1. Grundgehtechnik üben: Kleine, gleichmäßige Schritte in der Spur, Gewicht zentral, Skier so flach wie möglich zur Falllinie.
  2. Spitzkehren-Schwelle kennen: Ab ca. 30 Grad Hangneigung wird eine gerade Spur zu steil — hier beginnt der Zickzack-Aufstieg.
  3. Spitzkehre in Schritten üben: Bergstock unter der Bindung, Gewicht auf Talski, Bergski mit Scheibenwischer-Bewegung um 180 Grad drehen.
  4. Fellwechsel trainieren: Felle ab, Bindung umstellen, Stöcke anpassen — unter fünf Minuten, sonst kostet der kalte Umkehrpunkt Körperwärme.

Key Takeaways

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