Hochsprung: Der J-förmige Anlauf

Warum läufst du im Bogen an? Der J-förmige Anlauf erklärt: gerade Beschleunigung, Kurvenradius und wie viele Schritte du wirklich brauchst.

Sportart: Leichtathletik · Level: Anfänger

Einleitung

Die Frage, die sich fast jeder Einsteiger stellt: Warum läufst du nicht einfach gerade auf die Latte zu? Die Antwort ist simpler, als sie klingt: Der gebogene Anlauf erzeugt eine Fliehkraft, die dich automatisch von der Latte weg nach innen kippen lässt [1] — genau die Schräglage, die du für den Rückwärts-Absprung brauchst.

Dieser Anlauf hat eine feste Form und heißt deshalb J-Curve: ein gerades Teilstück zum Tempoaufbau, gefolgt von einem gebogenen Bogen zur Latte. Die Form erinnert an den Buchstaben J — daher der Name. Der gerade Teil sind meist 4–6 Schritte, der gebogene Teil noch einmal 4–6 Schritte [2].

Der Radius dieser Kurve ist erstaunlich klein: Bei Männern liegt er im Schnitt bei rund 8,3–8,6 m, bei Frauen bei 9,5–10 m [2] — kaum länger als ein Stadtbus. Genau dieser enge Bogen ist es, der die Fliehkraft erzeugt, die dich am Ende der Kurve so schräg stehen lässt, dass die Rückwärtsdrehung über die Latte fast von selbst passiert.

Was du brauchst

Schritt für Schritt

1. Markiere deinen Anlaufpunkt

Beginn mit dem letzten Schritt: Steh an der Stelle, wo du absprigen willst (leicht seitlich versetzt zur Latte), und geh von dort rückwärts deine Schritte ab. So findest du deine persönliche Startmarke, statt sie zu erraten.

2. Der gerade Teil: Tempo aufbauen

Die ersten 4–6 Schritte laufen komplett gerade und dienen nur dem Beschleunigen. Hier zählt nicht Technik, sondern kontrolliertes Tempo — zu schnell losgesprintet, und die Kurve wird instabil.

3. Der gebogene Teil: die eigentliche J-Curve

Ab der Markierung beginnst du die Kurve zu laufen, als würdest du um eine unsichtbare Tonne herumlaufen. Dein Oberkörper lehnt sich dabei natürlich nach innen — das ist die Fliehkraft, kein bewusstes Reindrücken. Wichtig: Der Radius ist individuell und muss durch Ausprobieren gefunden werden [2], nicht kopiert von einem anderen Athleten.

4. Der vorletzte Schritt: die Schlüsselstelle

Der vorletzte Schritt vor dem Absprung ist mechanisch der wichtigste der ganzen Anlaufphase [2]. Er ist bewusst etwas länger als die anderen, senkt deine Hüfte leicht ab und lädt dein Absprungbein wie eine Feder — ähnlich wie beim Einknicken vor einer Kniebeuge. Ist dieser Schritt genauso lang wie alle anderen, fehlt die Ladung und der Sprung wird flach.

5. Der letzte Schritt: flach und aktiv

Der letzte Schritt vor dem Absprung landet flach und dorsalflektiert — also mit angezogenem Fuß, nicht auf Zehenspitzen [2]. Dein Oberkörper bleibt dabei aufrecht, nicht nach hinten gelehnt. Diese Kombination aus flachem Fußaufsatz und aufrechtem Oberkörper ist es, die den Absprung im nächsten Guide überhaupt erst möglich macht.

Häufige Fehler

Sicherheitshinweise

Ein instabiler Anlauf ist eine der häufigsten Ursachen für verdrehte Sprunggelenke noch vor dem eigentlichen Absprung. Lauf die Kurve deshalb erst langsam und in Schuhen mit gutem Grip ein, bevor du das Tempo steigerst.

Wärm Hüfte und Sprunggelenke gezielt vor jedem Anlauf-Training auf — die seitliche Belastung in der Kurve ist ungewohnt für Körper, die sonst nur geradeaus laufen.

Pro-Tipp

Leg dir mit Kreide oder Klebeband feste Markierungen für Start, Kurvenbeginn und vorletzten Schritt. Die meisten Hochspringer justieren ihre Markierungen über Wochen immer wieder nach — das ist normal und kein Zeichen von schlechter Technik.

FAQ

Warum läuft man beim Hochsprung im Bogen an?

Der gebogene Anlauf erzeugt Fliehkraft, die den Körper automatisch von der Latte weg nach innen kippen lässt [1]. Diese Schräglage ist die Grundlage für die Rückwärtsdrehung im Absprung — ohne Kurve fehlt dieser Effekt komplett.

Wie viele Schritte braucht ein Anlauf beim Hochsprung?

Einsteiger starten meist mit 6–8 Schritten, Weltklasse-Athleten nutzen 8–13 Schritte [2]. Wichtiger als die genaue Zahl ist, dass die Schrittzahl konstant bleibt — so wird der Anlauf reproduzierbar.

Was ist der vorletzte Schritt und warum ist er so wichtig?

Es ist der Schritt direkt vor dem Absprungschritt. Er ist bewusst länger, senkt die Hüfte ab und speichert elastische Energie im Absprungbein [2] — die mechanisch am stärksten belastete Phase der gesamten Anlaufphase.

Wie finde ich meinen persönlichen Kurvenradius?

Durch Ausprobieren, nicht durch Kopieren [2]. Als Richtwert liegt der Radius bei Männern bei rund 8,3–8,6 m, bei Frauen bei 9,5–10 m — dein Trainer hilft dir, die für deine Größe und Geschwindigkeit passende Kurve zu finden.

Schritt für Schritt

  1. Anlaufpunkt markieren: Rückwärts vom Absprungpunkt abzählen, um die persönliche Startmarke zu finden statt sie zu erraten.
  2. Gerade beschleunigen: 4–6 Schritte komplett gerade laufen und nur Tempo aufbauen, keine Kurve.
  3. Die J-Curve laufen: Um eine unsichtbare Tonne herumlaufen, der Oberkörper lehnt sich durch die Fliehkraft natürlich nach innen.
  4. Vorletzten Schritt verlängern: Bewusst etwas länger laufen, um die Hüfte abzusenken und das Absprungbein zu laden.
  5. Letzten Schritt flach setzen: Dorsalflektiert und aktiv aufsetzen, Oberkörper bleibt aufrecht.

Key Takeaways

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