Abklettern beim Bouldern lernen: Ausstieg planen, über alle Griffe und Downclimber runterklettern und nur aus Absprunghöhe landen. Mit DAV-Landetechnik.
Abklettern heißt: Du kletterst den Boulder oder die Wand wieder nach unten, statt abzuspringen. Die ehrliche Antwort auf „Warum soll ich runterklettern, wenn die Matte weich ist?“: Weil die Matte härter ist, als du denkst, und weil der Absprung der Moment ist, in dem sich die meisten Boulderer verletzen. Der Deutsche Alpenverein (DAV) sagt es in seinem Boulderschein-Heft ohne Umschweife: Runterklettern ist immer sicherer als hinunterzuspringen [1].
Die Zahlen sprechen dieselbe Sprache. In der DAV-Kletterhallen-Unfallstatistik 2025 gab es beim Bouldern 174 Unfälle mit Rettungsdiensteinsatz oder mindestens mittelschweren Verletzungen, davon 155 (89 Prozent) Stürze auf die Matte. Der DAV zieht daraus den Schluss: Wo möglich, ist Abklettern dem Abspringen vorzuziehen [2]. In einer prospektiven Studie mit 507 Boulderern verletzten sich 44 Prozent innerhalb von zwölf Monaten. Verletzungen der unteren Extremität machten 23 Prozent aus, waren aber häufiger schwerer und häufiger durch Fallen und Abspringen verursacht [3]. Von 245 Boulderern mit einer Sturzverletzung gaben 85 Prozent an, unfreiwillig gefallen zu sein, 74 Prozent landeten zuerst auf den Füßen [4].
Rechne damit, dass es ein paar Sessions dauert, bis du automatisch zuerst an den Abstieg denkst (ein Erfahrungswert, keine Messung).
Eingangs-Kriterien (Praxis-Standard):
Der DAV empfiehlt, vor dem Bouldern mit dem Boulder-Buddy alles Wichtige zu besprechen: Wo wird gebouldert, wo sind schwierige Stellen, und wie kommt man wieder runter [1]. Das ist keine Pedanterie, sondern der wichtigste Schritt.
Meilenstein: Bei fünf Bouldern benennst du vor dem Start den Abstieg.
Zum Abklettern darfst du alle Griffe und Tritte benutzen, auch die der anderen Routen. Downclimber sind meist grau und immer gleich geformt [1].
Meilenstein: Du kletterst einen leichten Boulder komplett wieder ab, ohne abzuspringen.
Klettere so weit runter, wie es geht, und schau, ob die Landefläche frei und sicher ist [1]. Je tiefer du fällst, desto eher verletzt du dich [1]. Üb aus Knie- bis Hüfthöhe.
Meilenstein: Du springst aus Hüfthöhe kontrolliert ab, nachdem du die Landezone geprüft hast.
Der DAV lehrt die Landung so: Beine hüft- bis schulterbreit, Knie beugen, als wolltest du dich hinsetzen, nach hinten abrollen, Arme gebeugt und nah am Körper, Hände zu Fäusten [1]. Lass dir die Technik am besten von einer Trainerin oder einem Trainer zeigen.
Meilenstein: Fünf kontrollierte, angeleitete Landungen aus Knie- bis Hüfthöhe.
Oben nicht ausruhen und abspringen, sondern gleich den Weg zurück suchen. Laut DAV-Prüfung kletterst du nur bis zum Top-Griff, es sei denn, ein Topout ist erlaubt [1].
Meilenstein: Du kletterst einen leichten Boulder bis zum Top und über die Griffe wieder hinunter.
Das ist ein sicherheitskritischer Guide. Die typischen Folgen eines Mattensturzes sind in den Daten gut zu sehen: Bei 21- bis 40-Jährigen dominiert das Umknicken mit Verletzung der unteren Extremität [2], und nach Stürzen aus geringer Höhe auf Crashpads kommt es zu Ellbogenverrenkungen. In einem Münchner Klinikkollektiv mit 30 Patienten war genau dieser Sturz der häufigste Mechanismus, und die Autoren warnen vor einem falschen Sicherheitsgefühl bei diesem Unfalltyp [5]. Auch das Spotten ist kein Ersatz fürs Abklettern: Der DAV schreibt, dass in der Halle die Person sicher auf die Matte fallen sollte und dass du eine fallende Person nicht auffangen kannst. Spotten heißt, auf die Landung mit den Füßen zuerst zu achten, und richtig spotten ist etwas für Erfahrene und vor allem draußen am Fels wichtig [1].
Dieser Guide erklärt und motiviert, ersetzt aber kein betreutes Training. Falltechnik, Landung und Matten-Regeln lässt du dir von einer Trainerin oder einem Trainer zeigen, besonders wenn du Kinder begleitest.
Nimm das Abklettern als Fußtraining mit: Wenn du beim Runterklettern jeden Tritt siehst und präzise setzt, trainierst du genau das Blickfeld, das dir beim Klettern nach oben fehlt, weil dein Körper die Tritte verdeckt. Das ist Praxiserfahrung und nicht belegt, aber es ist ein Bonus, den du kostenlos bekommst.
Wenn möglich, klettere runter. Der DAV schreibt, Runterklettern sei immer sicherer als Abspringen, weil die Matte härter ist, als du denkst [1]. Spring nur, wenn Abklettern nicht geht, und dann aus möglichst geringer Höhe.
Landen mit beiden Füßen, Beine hüft- bis schulterbreit, Knie beugen, als wolltest du dich hinsetzen, nach hinten abrollen, Arme gebeugt am Körper, Hände zu Fäusten. Der DAV nennt diese Technik „Babyboxer“ [1].
Downclimber sind meist graue Griffe, die in der Halle zum Abklettern dienen und immer gleich geformt sind [1]. Du kannst zum Abklettern aber auch alle anderen Griffe und Tritte der Wand benutzen.
Beginn mit leichten Routen. Der DAV empfiehlt, am Anfang nur leichte Boulder ganz nach oben zu klettern und bei einer schweren Stelle oben lieber wieder runterzuklettern [1]. Springe nur aus Höhen, in denen du sicher landest.
Kreuzzug: Über und unter dem Griffarm greifen — [object Object]