Sprungaufschlag im Volleyball lernen: Wurf mit Drall, Anlauf, Absprung hinter der Grundlinie und Topspin-Schlag. Mit Aufbau, Regeln, Fehlern und Schulterschutz.
Ist der Sprungaufschlag wirklich der beste Aufschlag? Die ehrliche Antwort: Er ist der härteste, aber nicht automatisch der wirksamste. Bei einem Olympia-Qualifikationsturnier der Männer waren 84,9 Prozent der 377 gemessenen Aufschläge Sprungaufschläge. Ihr Tempo lag im Mittel bei etwa 23 Metern pro Sekunde, rund 83 Kilometer pro Stunde, also Landstraßentempo. Float-Aufschläge kamen nur auf rund 12 Meter pro Sekunde. Trotzdem fanden die Autoren keinen Zusammenhang zwischen Aufschlagtempo und Wirkung [6]. Nur 25,3 Prozent der Sprungaufschläge konnten so angenommen werden, dass ein Angriff im ersten Tempo möglich wurde [6].
Das ist die ehrliche Zahl hinter dem Spektakel: Ein Sprungaufschlag lohnt sich, wenn er kontrolliert kommt, nicht wenn er nur hart kommt.
Der Wurf ist die Basis. Du wirfst den Ball mit einer Hand nach vorn oben, der Ball bekommt Rotation. Das Regelwerk lässt genau einen Wurf zu, der Ball darf in den Händen bewegt oder getippt werden, aber du darfst ihn nicht mehrfach hochwerfen [1]. Meilenstein: 10 Würfe in Folge landen in einem Zielkreis von etwa einem Meter vor der Grundlinie.
Nun schlägst du den Ball nach dem Wurf im Stand mit Topspin. Der Ball wird mit einer Hand oder einem Teil des Arms geschlagen [1]. Die Hand rollt über die Oberseite des Balles. Meilenstein: 8 von 10 Bällen landen im gegnerischen Feld.
Jetzt mit Absprung. Die Absprungstelle muss hinter der Grundlinie liegen, im Moment des Aufschlags oder des Absprungs darf der Aufschläger weder das Spielfeld noch den Boden außerhalb der Aufschlagzone berühren. Nach dem Schlag darfst du im Feld landen [1]. Meilenstein: 7 von 10 Aufschlägen aus dem Zweischritt gelingen, ohne dass dein Fuß die Linie berührt.
Jetzt kommen Dreischrittanlauf und Armschwung. Wichtig ist, was zwischen Absprung und Schlag passiert. In einer Studie mit 17 männlichen Profis hing die Geschwindigkeit der Schlaghand mit der Vorneigung des Beckens und der Hüftbeugung des Nicht-Schlagbeins zusammen [4]. Das heißt: Dein Becken kippt kurz nach vorn, das freie Bein zieht mit. Eine zweite Studie derselben Gruppe fand, dass Armschwunggeschwindigkeit mit dem Drehimpuls von Schlagarm, Nicht-Schlagarm und Hand zusammenhängt. Gleichgewicht und kontrollierte Kraft von Ellbogen und Handgelenk spielen eine Rolle [2]. Meilenstein: 6 von 10 Aufschlägen mit vollem Anlauf landen im Feld.
Diagonal und gerade verlangen unterschiedliche Körperdrehung. In einer Untersuchung mit gerade und diagonal gespielten Sprungaufschlägen war bei der diagonalen Ausführung die Handgeschwindigkeit höher, 17,0 gegenüber 16,4 Meter pro Sekunde, was etwa 61 gegenüber 59 Kilometern pro Stunde Handtempo entspricht. Dazu waren Becken und Oberkörper stärker nach vorn gedreht [3]. Wähle dein Ziel nach der Annahme des Gegners, nicht nach dem Ego. Was dem Gegner das Leben schwer machte, zeigen Weltcup-Daten: Der Tennis-Sprungaufschlag, tiefe Aufschläge und Annahmen nahe Grund- oder Seitenlinie zwangen den Zuspieler öfter in eine nicht akzeptable Zuspielzone [7]. Meilenstein: In 10 Aufschlägen triffst du 6 Mal die vereinbarte Zone.
Der Sprungaufschlag belastet die Schulter. In einer Laborstudie mit 14 Collegespielerinnen waren Kräfte und Drehmomente bei harten Schlägen deutlich höher als beim Float-Aufschlag. Die Daten des Sprungaufschlags (nur fünf Spielerinnen, nicht ausgewertet) ähnelten denen der harten Angriffsschläge [5]. Die Autoren empfehlen, bei Beschwerden die Wiederholungen zu reduzieren und Sprungaufschläge zu begrenzen [5]. Ein Übersichtsartikel nennt Überlastung der Schulter als eines der drei großen Verletzungsthemen im Volleyball neben Knöchel und Patellasehne [8]. Das Aufbauprinzip: erst Wurf, dann Stand, dann Zweischritt, dann voller Anlauf. Der Guide erklärt und motiviert, er ersetzt kein betreutes Training und keinen Trainer.
Zähle deine Sprungaufschläge im Training. Anfänger neigen dazu, zu viele zu machen. Statt 50 harter Aufschläge nacheinander: 3 Serien à 10, dazwischen Pause und Float-Aufschläge zur Entlastung. Die Laborstudie zu Schulterlast empfiehlt, bei Beschwerden die Zahl der Sprungaufschläge zu begrenzen [5]. Das ist eine Ableitung, keine Dosis-Wirkungs-Empfehlung.
Du musst im Moment des Absprungs hinter der Grundlinie stehen: Weder Spielfeld noch Boden außerhalb der Aufschlagzone dürfen berührt werden. Nach dem Schlag darfst du im Feld landen [1].
Acht Sekunden nach dem Pfiff des ersten Schiedsrichters [1].
Nein. In einer Analyse von 377 Aufschlägen fand sich kein Zusammenhang zwischen Aufschlagtempo und Wirkung [6]. Gezielte Platzierung ist wichtiger.
Er belastet sie stark. Die Daten eines Labors mit nur fünf Spielerinnen ähneln denen harter Angriffsschläge [5]. Mit Aufwärmen und Dosierung kannst du die Belastung steuern.
Volleyball: Das Volleyball-ABC – alle Fachbegriffe erklärt — [object Object]