Attitude lernen: Knie höher als der Fuß, Becken ruhig und Standbein aktiv. Von der flachen Version bis zur Balance auf Demi-Pointe mit Rückenschutz.
Die ehrliche Antwort auf „Was ist eine Attitude und warum wackelt sie so?": Du stehst auf einem Bein und hältst das andere im Knie gebeugt in der Luft – vorn (devant), hinten (derrière) oder seitlich (à la seconde), das Knie höher als den Fuß. Sie wirkt eleganter als Arabesque und Développé, weil das Bein „weicher" aussieht. Aber das gebeugte Bein verlagert Gewicht und Hebel – und genau da fängt der Körper an zu wackeln.
Schwierig ist sie nicht gleich schwierig in jede Richtung. In einer Studie mit 14 Nicht-Profi-Tänzerinnen (mindestens sieben Jahre Ballett) wurden Attitude devant, derrière und à la seconde auf Demi-Pointe vermessen: Attitude à la seconde war am wenigsten fordernd, Attitude derrière am stärksten, und barfuß stand man stabiler als mit Ballettschläppchen [1]. Heißt für dich: Fang mit der Seite an und arbeite dich langsam nach hinten vor.
Wie schwer ist es wirklich? Wer Retiré und Développé beherrscht, kann eine flache Attitude à la seconde in Wochen halten; Attitude derrière und die Balance auf Demi-Pointe dauern Monate (Erfahrungswerte, ohne Studienbeleg). Ehrliche Erwartung: Du wackelst am Anfang – und das ist Teil des Lernens, nicht Versagen.
Wie bei der Arabesque: Standbein lang und aktiv, Becken gerade. Meilenstein: Zehn Sekunden stabil auf einem Bein.
Aus dem Retiré öffnest du das Knie zur Seite und hebst es auf etwa Hüfthöhe oder tiefer. Der Fuß liegt etwas tiefer als das Knie. Brust und Becken bleiben frontal. Meilenstein: Fünf Sekunden Attitude à la seconde mit Hand an der Stange, ohne Rumpfneigung.
Das Knie öffnet nach vorn-außen, der Fuß hängt unter dem Knie. Der Rücken bleibt lang, Rippen über dem Becken. Wenn das Gewicht im Becken nach hinten fällt, senke das Bein. Meilenstein: Fünf Sekunden ohne Beckenkippen.
Hier fordert die Position am meisten: Das Bein geht nach hinten, das Knie ist gebeugt. Die Messung in Studie [1] zeigt, dass es die instabilste der drei Posen war. Zusätzlich wissen wir aus dem Grand Battement derrière, dass sich das Becken bei Fortgeschrittenen nach vorn kippt und mehr Bewegung aus dem Becken kommt als aus der Hüfte [2]. Sorge also besonders für Bauch- und Gesäßkontrolle. Meilenstein: Drei Sekunden, bis das Becken ruhig ist.
Erst wenn du die flache Attitude beherrschst, gehst du auf Demi-Pointe. Beachte, dass Ermüdung die Kontrolle schnell verschlechtert: In einer Studie mit 20 Balletttänzerinnen wanderte der Körperschwerpunkt bei Ermüdung im Relevé stärker zur Seite, und Hüfte und Rumpf mussten mehr kompensieren [4]. Übe Demi-Pointe-Posen also früh in der Stunde.
Besonders die Attitude derrière belastet den unteren Rücken, wenn der Rücken statt der Hüfte die Höhe macht. Eine Studie mit 30 Studierenden verband größere Lordose in Retiré und Développé à la seconde mit späteren Rückenschmerzen [3]; in einer weiteren mit 29 jungen Profis zeigten Tänzer mit Rückenschmerzen in der Arabesque weniger Rumpfkontrolle [5]. Darum: Bein lieber tiefer, Becken ruhig. Pausiere bei Schmerz im Kreuz oder in der Hüfte. Auf Demi-Pointe bitte nur mit sicherem Relevé. Spitzenschuhe sind kein Teil dieses Guides: Attitude auf Spitze nur nach Freigabe durch deine Lehrkraft. Dieser Guide erklärt und motiviert, ersetzt aber kein betreutes Training.
Wenn du wackelst, nimm die Schuhe aus. Die Studie [1] fand barfuß mehr Kontaktfläche und weniger Schwankung als mit Ballettschläppchen. Zum Üben der Balance auf Demi-Pointe kann Barfußtraining also ein gutes Werkzeug sein – gilt für die Posen und Schuhe der Studie, nicht für Spitzenschuhe. Nimm dir dafür einen rutschfesten Boden.
Mini-Übungsplan (Erfahrungswert): Drei Mal pro Woche fünf Minuten: je Seite drei Mal fünf Sekunden Attitude à la seconde an der Stange, dann Attitude devant. Attitude derrière nur mit sehr niedrigem Bein, bis dein Becken ruhig bleibt. Wechsle die Seite nach jedem Durchgang, damit keine Seite ermüdet. Notiere, wann du wackelst – meist verrät der Zeitpunkt die Ursache (Müdigkeit, Becken, Standbein).
Bei der Arabesque ist das hintere Bein gestreckt, bei der Attitude gebeugt. Beide sind Posen auf einem Bein.
In der Studie mit 14 Tänzerinnen war die Attitude derrière die fordernste, die Attitude à la seconde die am wenigsten fordernde [1].
Häufige Ursachen sind ein kippendes Becken, ein weiches Standbein, zu viel Höhe oder Müdigkeit. Bei Ermüdung verschiebt sich der Körperschwerpunkt stärker zur Seite, und Hüfte und Rumpf kompensieren [4].
Beginne mit drei bis fünf Sekunden und steigere, wenn Becken und Standbein ruhig bleiben (Erfahrungswert).
Nicht extrem. Wichtiger sind ein stabiles Standbein, ein ruhiges Becken und Kontrolle. Hüftbeweglichkeit hilft, damit das Knie hoch kommt, ohne dass der Rücken nachhilft – aber du darfst das Knie lieber tiefer halten.
Piqué-Drehung: Aus dem Schritt in die Pirouette — [object Object]