PAVED erklärt: Progression, Amplitude, Variety, Execution, Difficulty - so bewerten sechs Richter deinen Slopestyle- oder Big-Air-Run.
"Warum bekommt der mit dem größten Sprung nicht automatisch die höchste Wertung?" Weil Größe nur eins von fünf Kriterien ist. Bei Slopestyle und Big Air bewerten Richter nach dem international genutzten PAVED-System [1]: Progression, Amplitude, Variety, Execution, Difficulty - zu Deutsch etwa Innovation, Höhe/Weite, Vielfalt, Ausführung und Schwierigkeit.
Amplitude bedeutet dabei nicht einfach "so hoch wie möglich" - Richter bewerten, ob du konstant im optimalen Höhenfenster landest [1]. Ein Fahrer, der beim ersten Sprung 6 Meter Höhe zeigt, aber beim letzten nur noch 3, bekommt eine niedrigere Wertung als jemand, der durchgehend rund 4,5 Meter konstant hält [1] - Konsistenz schlägt Einzel-Spektakel.
Execution prüft, wie sauber die Kontrolle vom Absprung bis zur Landung durchgehalten wird, inklusive wie lange und wie exakt Grabs gehalten werden [1]. Difficulty honoriert mehr Rotationen und Inverts (Corks, Flips) [1] - aber nur, wenn Execution und Amplitude mithalten. Variety verlangt unterschiedliche Trick-Typen, Rotationsrichtungen (Frontside, Backside, Switch, Regular) und verschiedene Grabs statt derselben Kombination viermal in Folge [1]. Und Progression ist das Kriterium, das Wettkampf-Freestyle so schnelllebig macht: Richter honorieren explizit Tricks, die für das jeweilige Niveau neu, einzigartig oder innovativ wirken [1].
Bewertet wird von sechs Richtern auf einer Skala von 0 bis 100 [1]. Die höchste und die niedrigste Einzelwertung werden gestrichen, die verbleibenden vier gemittelt [1] - ein System, das einzelne Ausreißer-Bewertungen (bewusst zu hart oder zu wohlwollend) neutralisiert.
Der strukturelle Unterschied zwischen den beiden Formaten wirkt sich auch auf die Kriterien aus: Bei Big Air zeigst du mehrere Sprünge an ein und demselben Feature, bei Slopestyle bewertest du einen kompletten Lauf über mehrere unterschiedliche Features hinweg. Genau deshalb wiegt Variety bei Slopestyle spürbar schwerer - du musst über den ganzen Parcours hinweg Abwechslung zeigen, während es bei Big Air eher um die Perfektionierung eines einzelnen, hochkomplexen Tricks geht.
In vielen Wettkämpfen zählt außerdem nicht der erste Versuch allein: Athleten bekommen mehrere Läufe, von denen der beste in die Endwertung einfließt - das erlaubt dir, im ersten Lauf ein Risiko einzugehen und im zweiten sicherer zu fahren, falls der erste nicht aufgeht.
Frag dich vor einem Wettkampf-Run bei jedem Feature: Trägt dieser Trick zu Variety oder Difficulty bei, oder wiederholt er nur einen vorherigen? Ein Run mit fünf ähnlichen Spins scort schlechter als einer mit fünf unterschiedlichen Rotationsrichtungen und Grabs.
Da Richter Konsistenz über die gesamte Sprungserie bewerten [1], lohnt sich ein Run mit gleichmäßig hoher Amplitude mehr als einer mit einem spektakulären Ausreißer-Sprung und drei mittelmäßigen.
Execution belohnt sauber und lange gehaltene Grabs [1] - ein kurz angetippter Grab wertet schlechter als einer, den du über einen Großteil der Flugzeit hältst.
Ein Trick, der für dein Niveau neu oder ungewöhnlich ist, wird explizit anerkannt [1]. Überlege gezielt, welche Kombination aus Grab, Rotation und Feature du noch nicht standardmäßig zeigst.
Der Drang, für höhere Difficulty-Werte neue, riskantere Tricks in den Wettkampf-Run zu packen, ist real - aber ein Trick, der nicht zuverlässig sitzt, senkt durch schlechtere Execution oft mehr Punkte, als die höhere Difficulty bringt. Zeig Wettkampf-Tricks erst, wenn du sie im Training konstant sauber landest.
Schau dir Wettkampf-Videos gezielt mit den fünf PAVED-Buchstaben im Kopf an, nicht nur als Unterhaltung. Du wirst schnell erkennen, warum ein technisch "kleinerer" Run manchmal höher scort als ein spektakulärerer - die Antwort liegt fast immer in Execution oder Variety.
Progression, Amplitude, Variety, Execution, Difficulty [1] - fünf gleichwertige Kriterien, nach denen Slopestyle- und Big-Air-Runs bewertet werden, nicht nur die Sprunghöhe oder Rotationszahl.
Sechs Richter vergeben je eine Wertung von 0 bis 100. Die höchste und niedrigste Einzelwertung fallen weg, die restlichen vier werden gemittelt [1].
Nein. Amplitude bewertet Konsistenz über die ganze Sprungserie, nicht nur den größten Einzelsprung [1]. Ein gleichmäßig hoher Run scort oft besser als einer mit einem Ausreißer und mehreren schwächeren Sprüngen.
Difficulty bewertet technische Komplexität wie Rotationszahl und Inverts [1]. Progression honoriert zusätzlich, wenn ein Trick für das jeweilige Niveau neu, ungewöhnlich oder innovativ wirkt [1] - unabhängig von reiner technischer Schwierigkeit.