Zug- und Druckphase: Der hohe Ellbogen

Dein Kraulzug bringt dich nicht vorwärts? High Elbow Catch, 90-Grad-Winkel und Body Roll zeigen dir, wie dein Unterarm zum echten Antriebspaddel wird.

Sportart: Schwimmen · Level: Fortgeschritten

## Einleitung Warum ziehst du wie ein Weltmeister und kommst trotzdem nicht vom Fleck? Die ehrliche Antwort: Wahrscheinlich rutscht dein Ellbogen beim Wasserfassen nach unten weg, und du schiebst Wasser statt es zu packen. Das Zauberwort heißt High Elbow Catch – Wasser fassen mit hohem Ellbogen: Du stellst nicht nur die Hand, sondern den ganzen Unterarm als Paddel gegen das Wasser. Genau das trainierst du hier.

Der Unterschied macht sich sofort im Wasser bemerkbar: Ein sauberer Catch fühlt sich an, als würdest du dich an einer Leiter unter Wasser hochziehen, statt planlos durchs Wasser zu rühren. Als Intermediate-Schwimmer hast du die Basics längst drauf – jetzt geht es darum, aus jedem Zug spürbar mehr Vortrieb rauszuholen, ohne mehr Energie reinzustecken.

## Was du brauchst - Pull-Buoy: schaltet die Beine kurz ab, damit du zu 100 % bei der Armarbeit bist - Finger-Paddles (optional): kleine Handbretter fürs Wassergefühl – du spürst sofort, ob dein Catch stimmt - Ein Spiegel oder Handy-Video vom Beckenrand: die einzige Möglichkeit, den eigenen Ellbogen wirklich objektiv zu beurteilen, weil du ihn beim Schwimmen selbst kaum siehst

Schritt für Schritt

### 1. Das Wasserfassen (Catch) Arm taucht vorne ein, du gleitest kurz – und jetzt kommt der wichtige Teil. Lass den Ellbogen knapp unter der Oberfläche "stehen" und klapp nur Handgelenk und Unterarm ab, Fingerspitzen zeigen zum Boden. Hand und Unterarm bilden jetzt eine Wand gegen die Schwimmrichtung. Du spürst sofort mehr Druck auf dem Unterarm – das ist dein Signal, dass es klappt. Viele Schwimmer beschreiben das Gefühl als "über eine Tonne im Wasser greifen", weil die Fläche unter deiner Hand plötzlich viel größer wirkt als vorher.

### 2. Die Zugphase (Pull) Jetzt ziehst du diese Wand kraftvoll nach hinten, der Ellbogen beugt sich dabei zunehmend. Auf Schulterhöhe sollte der Winkel zwischen Ober- und Unterarm ungefähr 90 Grad betragen – stell dir eine Türangel vor, die sich gerade zur Hälfte öffnet. Das ist der Hebel-Sweet-Spot: mehr Kraft für weniger Aufwand. Damit du in dieser Position stark bleibst, brauchst du Body Roll – die Rotation deines Oberkörpers um die Längsachse.

### 3. Die Druckphase (Push) Ab Schulterhöhe geht der Zug nahtlos in den Druck über: Du streckst den Ellbogen wieder, presst das Wasser Richtung Füße weg, der Trizeps macht die Arbeit. Genau hier sitzt die höchste Beschleunigung im ganzen Zug. Fertig ist er erst, wenn deine Hand fast gestreckt neben dem Oberschenkel aus dem Wasser schnellt.

## Häufige Fehler - Dropped Elbow (sinkender Ellbogen): Ellbogen sackt beim Fassen ab, der Unterarm rutscht ohne Widerstand durchs Wasser – du verschenkst fast deine ganze Antriebsfläche. - Windmühlen-Zug: gestreckter Arm drückt Wasser nach unten statt nach hinten – das hebt höchstens deinen Körper, bringt dich aber nicht vorwärts, und überlastet die Schulter. - Zu früher Aushub: Hand verlässt das Wasser schon auf Bauchnabelhöhe – genau da, wo der Zug am meisten Vortrieb bringen würde.

## Sicherheitshinweise Der High Elbow Catch fordert Latissimus und Rotatorenmanschette (die kleinen Muskeln, die deine Schulter stabilisieren) ordentlich. Schwimmst du mit unsauberer Technik hart, reizt das die Schulter schnell – Stichwort Schwimmerschulter. Verzichte im Techniktraining auf große Power-Paddles, solange die Technik noch wackelt, die multiplizieren die Hebelkraft auf die Schulter. Und: immer ein Theraband-Warm-up an Land (Außen-/Innenrotation) vor dem Wasser. Baue neue Reize außerdem langsam auf – wer von einem Tag auf den anderen volle Zugstrecken mit maximalem Tempo schwimmt, überfordert die noch ungewohnte Muskulatur eher, als dass er sie kräftigt.

## Pro-Tipp Für den kompletten Weg nach hinten: Abschlagschwimmen hinten. Der passive Arm bleibt lang am Oberschenkel liegen, der andere zieht komplett durch – gewechselt wird erst, wenn die aktive Hand den Oberschenkel spürbar berührt hat. Ergänze kurze Strecken Faustschwimmen (geschlossene Fäuste), das zwingt dich, wirklich mit dem Unterarm zu fassen statt mit der Hand zu "fischen".

FAQ

### Was ist der High Elbow Catch genau? Der High Elbow Catch ist die Art, wie du beim Kraulen Wasser fasst: Der Ellbogen bleibt oben, Unterarm und Hand klappen wie eine Wand nach unten. So nutzt du den ganzen Unterarm als Antriebsfläche statt nur die Hand – das bringt spürbar mehr Vortrieb pro Zug.

### Wie merke ich, ob mein Ellbogen beim Zug sinkt? Am einfachsten mit Finger-Paddles oder wenn ein Trainer von der Seite filmt. Fühlt sich der Zug "rutschig" an, ohne echten Widerstand, ist das fast immer ein sinkender Ellbogen. Auch ein brennendes Schultergefühl statt Rückenmuskulatur ist ein Warnsignal.

### Warum genau 90 Grad im Ellbogen? Bei rund 90 Grad zwischen Ober- und Unterarm hast du die stärksten Hebelverhältnisse – ähnlich wie beim Bizepscurl in der Mitte der Bewegung. Zu gestreckt verlierst du Kraft, zu stark gebeugt verlierst du Fläche im Wasser.

### Brauche ich Paddles, um den Catch zu lernen? Kleine Finger-Paddles helfen, weil sie das Wassergefühl schärfen. Große Power-Paddles sind bei noch unsauberer Technik eher riskant für die Schulter – die heben dir die Hebelkräfte an, bevor dein Körper sie sauber abfangen kann.

### Wie lange dauert es, bis sich der High Elbow Catch automatisch anfühlt? Rechne mit mehreren Wochen regelmäßigem Techniktraining, oft 4-8 Wochen bei 2-3 Einheiten pro Woche. Übungen wie Abschlag- und Faustschwimmen beschleunigen das deutlich, weil sie dich zwingen, die Bewegung isoliert zu spüren.

### Muss ich den Body Roll extra üben oder kommt der automatisch? Der Body Roll entsteht nicht von selbst, nur weil du den Ellbogen hochhältst – du musst die Rotation um die Längsachse bewusst trainieren. Übungen wie einarmiges Kraulen mit betontem Hüft- und Schultereinsatz helfen, das Gefühl für die Rotation gezielt aufzubauen.

Schritt für Schritt

  1. Schritt 1: Das Wasserfassen (Catch): Abklappen des Handgelenks und des Unterarms bei stabil stehendem, hohem Ellbogen knapp unter der Wasseroberfläche.
  2. Schritt 2: Die Zugphase: Ziehen des Wassers nach hinten unter zunehmender Beugung des Ellbogengelenks auf etwa 90 Grad auf Schulterhöhe.
  3. Schritt 3: Die Druckphase: Kräftiges Wegdrücken des Wassers in Richtung der Füße mit anschließender Streckung des Arms bis zum Oberschenkel.

Key Takeaways

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