Aufsitzen lernen: Schritt für Schritt vom Aufsteigplatz in den Sattel – mit Sicherheitscheck, Aufsteighilfe und Tipps für den Rücken deines Pferdes.
Ist Aufsitzen wirklich ein eigener Skill? Die ehrliche Antwort: Ja. Du lernst es nicht nebenbei, sondern bewusst – denn wer sauber und ruhig aufsitzt, startet jede Reitstunde sicher und schont den Pferderücken. Gute Nachricht: Es ist einer der wenigen Reit-Skills, die du in ein oder zwei Einheiten mit Reitlehrer ordentlich hinbekommst.
Die Zahlen erinnern dich daran, warum Basics zählen: In einer französischen Auswertung von 669 Notaufnahme-Besuchen nach Reitstürzen waren Wirbelsäule (43 %), Kopf (39 %) und Arm oder Hand (33 %) am häufigsten betroffen [1]. Die Studie sagt nichts über das Aufsitzen im Speziellen. Aber beim Aufsitzen bist du kurz einbeinig und das Pferd bewegt sich noch frei – ein ruhiger, immer gleicher Ablauf nimmt viel Hektik raus.
Und noch ein Pferdewohl-Punkt: Wer immer von links aufsteigt und dabei im Bügel hängt, zieht Sattel und Gurt einseitig. Eine aktuelle Übersichtsarbeit weist darauf hin, dass sich Leder und Steigbügelriemen durch die Gewohnheit „immer von links aufsitzen" ungleichmäßig dehnen können [2]. Die Studienlage zum Aufsitzen selbst ist dünn – vieles hier ist deshalb bewährte Reitschul-Praxis, nicht Laborwissen. Wo es echte Belege gibt, stehen sie im Text.
Stell das Pferd auf ebenen, festen Untergrund (keine Pfütze, kein Gefälle), am besten an der Bande oder neben dem Block. Gurt kurz nachziehen – nicht ruppig, in zwei Etappen. Zügel über den Hals nehmen und mit einer Hand halten. Meilenstein: Das Pferd steht entspannt, ohne Scharren, 10 Sekunden am Block.
Gewohnheit ist links – das ist Tradition. Wechsle gelegentlich die Seite (mit Reitlehrer), das hilft Sattel und Pferd symmetrisch zu bleiben [2]. Stell dich so auf den Block, dass dein linker Fuß in Höhe des Steigbügels ist. Mit Block statt Boden: Zug am Sattel und am Pferderücken fällt deutlich kleiner aus – Praxiserfahrung aller Reitschulen.
Linken Fuß mit dem Fußballen in den Bügel, Zehen leicht nach außen gedreht, damit du das Pferd nicht mit der Spitze am Bauch piekst. Linke Hand mit Zügel und Mähnenkamm vor dem Widerrist, rechte Hand hält Sattelvorderzacken oder Pausche. Nicht die Sattelkante hinten greifen – das zieht den Sattel schief.
Mit dem rechten Bein abdrücken, dein Körper kommt senkrecht nach oben. Du „drückst" über das linke Bein hoch, du ziehst dich nicht an der Pausche rauf. Meilenstein: Du stehst kurz im Bügel, Oberkörper aufrecht, ohne dass der Sattel verrutscht.
Rechtes Bein gestreckt und hoch über die Kruppe schwingen, ohne das Pferd zu berühren. Deine Füße verlassen den Boden kontrolliert.
Setz dich langsam und weich ab – das ist der Moment, in dem das Pferd dich als Gewicht spürt. Rechten Fuß in den Bügel schieben, Zügel aufnehmen, Sitz und Bügellänge prüfen. Meilenstein: Das Pferd steht noch an der gleichen Stelle, du sitzt lotrecht über den Sitzbeinhöckern.
Aufsitzen ersetzt kein betreutes Training – als Anfänger sitzt du nie ohne Aufsicht auf. Lass das Pferd von einer erfahrenen Person halten und lass Steigbügel sowie Gurt vom Reitlehrer kontrollieren. Der Helm sitzt vor dem Aufsitzen, nicht danach. Stürze sind häufiger als man denkt: In einer US-Datenbank mit rund 54.830 geschätzten Reit-Wirbelsäulenverletzungen (2000–2023) war in 53,6 % der Fälle ein einfacher Sturz die Ursache [4]. Eine Sicherheitsweste schützt vor allem den Brustkorb, nicht zuverlässig die Wirbelsäule [3] – verlass dich nicht darauf, dass sie Fehler ausgleicht.
Ein Pferd, das beim Aufsitzen zappelt, ist kein Fall für „Durchhalten". Das ist Verhalten, das die Reitlehrerin lesen muss; Geduld und klare, gleichbleibende Signale sind sicherer als Druck [5].
Mach aus dem Aufsitzen ein kurzes Ritual: Block, Pferd stellen, Gurt, Zügel – und warte bewusst drei Atemzüge, bevor du den Fuß in den Bügel setzt. Pferde lernen Muster; ein immer gleicher Ablauf macht das Stehenbleiben zum Selbstläufer. Ein ruhiger Reiter beim Aufsitzen heißt: ein ruhiges Pferd beim Losreiten.
Die meisten Reitschüler bekommen den Ablauf in wenigen betreuten Einheiten sauber hin. Ein Zeitfenster hängt aber von Körpergröße, Beweglichkeit und Pferd ab – nimm den Block und übe mit Reitlehrer, bis du das Pferd auch dann nicht mehr verrückst, wenn du müde bist.
Das ist reine Reittradition – ein biologischer Grund ist nicht belegt. Wichtig ist nur, dass du die Seite gelegentlich wechselst, damit Sattel und Riemen nicht einseitig ausleiern [2].
Ja, wenn immer möglich. Vom Block aus belastest du Sattel und Pferderücken weniger als beim Aufsteigen vom Boden. Das ist Reitschul-Standard und für Anfänger auch körperlich einfacher.
Sofort absteigen oder abbrechen, Pferd wieder aufstellen lassen und mit Helfer neu beginnen. Ein Pferd, das wegtritt, braucht Klarheit und Wiederholung – nicht Ärger. Sag deiner Reitlehrerin Bescheid, dann klärt ihr Ursachen wie Schmerz, Sattelzwang oder Unruhe.
Ja. Auch am Boden gibt es Tritte und Stürze. Der Helm sitzt, sobald du den Stall verlässt – das ist der Standard in jeder Reitschule [3].
Ganze Parade: Sicher anhalten ohne am Zügel zu ziehen — [object Object]