Reiten: Erste Schritte und Übungen

Was in der ersten Reitstunde passiert und mit welchen Übungen an Boden und Longe du ein sicheres Gefühl für die Bewegung des Pferdes entwickelst.

Sportart: Reiten · Level: Anfänger

## Einleitung Die ehrliche Antwort auf die Frage „Was passiert in meiner ersten Reitstunde?": Du wirst wahrscheinlich weniger reiten und mehr fühlen, als du denkst – und genau so soll es sein. Eine gute erste Stunde beginnt am Boden mit Führen, Putzen und Satteln, geht dann an die Longe, wo der Ausbilder das Pferd kontrolliert und du dich nur auf deine Balance konzentrierst. Rechne mit 5–10 Longenstunden, bevor du selbstständig reitest. Das ist kein Rückschritt, sondern der schnellste Weg zu einem sicheren Sitz.

Warum so vorsichtig? Weil Novizen ein deutlich höheres Verletzungsrisiko haben als Erfahrene – und weil der Grundstein für alles Spätere das Gefühl für die Bewegung ist, nicht das Kommando. Dieser Guide nimmt dir die Unsicherheit vor der ersten Stunde und gibt dir konkrete Übungen für den Boden und die Longe an die Hand, mit denen du Schritt für Schritt Balance und Vertrauen aufbaust.

## Was du brauchst - Helm und Schuhe mit Absatz – ab dem ersten Kontakt Pflicht - Eine Reitschule mit ruhigen Schulpferden und Longenunterricht - Bequeme, dehnbare Kleidung, in der du dich frei bewegst - Realistische Erwartung: die ersten Stunden gehen um Balance und Umgang, nicht um Traben - Optional zum Üben ohne Pferd: ein Reitsimulator oder Holzpferd

Schritt für Schritt

### 1. Was passiert in der ersten Reitstunde? Meistens verbringst du sie mehr am Boden als im Sattel. Du lernst, das Pferd zu führen, zu putzen und zu satteln – dieser Umgang baut Vertrauen auf und ist Teil der Sicherheit. Dann geht es an die Longe: kurze Zeit im Sattel, im Schritt, während der Ausbilder das Pferd am langen Seil im Kreis führt. Dein einziger Job ist, ruhig zu sitzen und die Bewegung zu spüren.

### 2. Sicher ans Pferd herangehen Nähere dich dem Pferd ruhig von vorne-seitlich, sprich es an und vermeide den toten Winkel direkt hinter ihm. Berühre es zuerst an Hals oder Schulter. Ruhige, klare Bewegungen sind wichtiger als Zärtlichkeit – ein Pferd liest deine Körpersprache. Führen, Anbinden und Putzen sind die ersten echten Übungen, noch bevor du aufsteigst.

### 3. Die ersten Balance-Übungen an der Longe An der Longe kannst du gefahrlos an deiner Balance arbeiten, weil du das Pferd nicht selbst steuern musst. Bewährte Übungen im Schritt: die Arme seitlich ausstrecken, die Schultern kreisen, bewusst tief in den Bauch atmen und den Blick heben. Jede dieser Übungen zwingt dich, aus der Balance statt aus dem Festhalten zu sitzen.

### 4. Der Bewegung folgen lernen Das eigentliche Ziel der ersten Stunden ist, der Pferdebewegung zu folgen, statt gegen sie zu arbeiten. Anfänger lernen das zuerst passiv, indem Becken und Rumpf die Bewegung mitmachen. Spür im Schritt, wie sich dein Becken sanft mit jedem Tritt bewegt. Dieses „Fühlen" ist die Grundlage, auf der später jede Hilfe aufbaut – und die Basis der Ausbildungsskala, die mit Takt und Losgelassenheit beginnt.

### 5. Angst rausnehmen – zur Not ohne Pferd Wenn du unsicher bist, ist das völlig normal. Ein Reitsimulator oder ein Holzpferd ist ein angstfreier Ort, um Aufsteigen, Sitz und Bewegungsgefühl zu üben – Simulatoren lösen sogar eine geringere Stressreaktion aus als das lebende Pferd. So kannst du in Ruhe wiederholen, was am Pferd unter Anspannung schwerfällt.

## Häufige Fehler - Zu schnell zu viel wollen: Wer die Longe überspringt, um „endlich zu reiten", baut auf wackligem Fundament. Novizen tragen das höchste Risiko. - Sich an den Zügeln festhalten: Der Zügel ist keine Haltestange. Balance kommt aus Becken und Beinen. - Verkrampfen: Anspannung überträgt sich aufs Pferd und blockiert dein Becken. Atme bewusst. - Ins Pferd hineinlaufen: Nie im toten Winkel hinter dem Pferd stehen – dort wird ein Huftritt gefährlich.

## Sicherheitshinweise Ab dem ersten Kontakt gilt: Helm auf, Schuhe mit Absatz an. Nähere dich Pferden immer ruhig von der Seite, nie überraschend von hinten. Reite anfangs nur unter Anleitung und an ruhigen Schulpferden – das senkt dein Anfängerrisiko spürbar. Übernimm dich nicht: Lieber eine Stunde länger an der Longe als ein früher Sturz, der Vertrauen kostet. Und sag im Zweifel deinem Ausbilder, wenn du dich unsicher fühlst – gute Reitlehrer bauen das Tempo an dir aus, nicht an einem Plan.

## Pro-Tipp Nutze die Longe bewusst als „Fühl-Labor", nicht als Warteschleife bis zum echten Reiten. Schließ für einige Schritte im Schritt die Augen (nur an der Longe, mit sicherem Ausbilder) und spür, wie sich dein Becken mit jedem Tritt bewegt. Ohne die Ablenkung durch die Augen lernst du das Bewegungsgefühl oft schneller – genau die passive Mitbewegung von Becken und Rumpf, die Anfänger zuerst entwickeln müssen.

FAQ

### Was passiert in der ersten Reitstunde? Meist mehr Bodenarbeit als Reiten: Du lernst Führen, Putzen und Satteln und sitzt dann kurz im Schritt an der Longe, während der Ausbilder das Pferd steuert. Es geht um Balance und Vertrauen, nicht um Traben oder Kommandos. Erwarte einen ruhigen, geführten Einstieg – genau das ist der sichere Weg.

### Was bringt Longenunterricht für Anfänger? An der Longe steuert der Ausbilder das Pferd, sodass du dich voll auf deinen Sitz und deine Balance konzentrieren kannst. Du hältst dich nicht an den Zügeln fest, sondern lernst, aus der Balance zu sitzen. Als Faustregel gelten 5–10 Longenstunden, bevor du selbstständig reitest – die beste Investition in einen sicheren, unabhängigen Sitz.

### Wie nähere ich mich sicher einem Pferd? Ruhig, von vorne-seitlich, mit Ansprache – und niemals aus dem toten Winkel direkt hinter dem Pferd, wo ein Huftritt gefährlich wird. Berühre es zuerst an Hals oder Schulter und bewege dich klar und langsam. Pferde lesen Körpersprache, deshalb wirken ruhige, eindeutige Bewegungen beruhigender als vorsichtiges Schleichen.

### Wie lange dauert es, reiten zu lernen? Für ein sicheres Gefühl im Schritt und im Leichttraben reichen oft 5–10 Longenstunden, bevor du selbstständig reitest. Ein wirklich unabhängiger, feiner Sitz ist dagegen Arbeit über Monate und Jahre. Reiten ist eine Fühl-Fähigkeit: Regelmäßigkeit bringt dich schneller voran als seltene, lange Einheiten.

Schritt für Schritt

  1. Am Boden beginnen: Lerne Führen, Putzen und Satteln – dieser ruhige Umgang baut Vertrauen auf und ist Teil deiner Sicherheit.
  2. Sicher ans Pferd herangehen: Nähere dich von vorne-seitlich mit Ansprache, berühre zuerst Hals oder Schulter und meide den toten Winkel hinter dem Pferd.
  3. An der Longe die Balance schulen: Übe im Schritt mit ausgestreckten Armen, Schulterkreisen und bewusstem Atmen, aus der Balance statt aus dem Festhalten zu sitzen.
  4. Der Bewegung mit dem Becken folgen: Spür, wie dein Becken der Rückenbewegung folgt – dieses passive Mitgehen ist die Basis für alle späteren Hilfen.

Key Takeaways

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