Absitzen lernen: Schritt für Schritt aus dem Sattel, mit sicherer Landung, ruhigem Pferd und dem Helm auf, auch noch beim Führen und Versorgen danach.
Ist Absitzen wirklich ein eigener Skill? Die ehrliche Antwort: Ja. Du lernst es bewusst, weil ein ruhiges Absteigen die Reitstunde sicher beendet und dein Pferd nicht erschreckt. Es ist einer der Skills, die du in ein bis zwei betreuten Einheiten sauber hinbekommst.
Ein Punkt wird oft unterschätzt: Mit dem Absteigen ist die Gefahr nicht vorbei. In einer prospektiven Studie aus Hamburg wurden 24 Patienten mit Hufschlagverletzungen erfasst, und alle Unfälle passierten beim Führen oder Putzen des Pferdes. Nur 2 von 24 Verletzten (8,3 %) trugen einen Helm, bei zwei Dritteln brachen Augenhöhle, Mittelgesicht oder Unterkiefer [1]. Dein Skill endet also nicht auf dem Boden, er geht ins Führen und Versorgen über.
Zur Physik: Studien zum Absitzen selbst habe ich nicht gefunden. Gemessen wurde das Aufsitzen. Vom Boden aus drückt der Sattel dabei stärker auf den Pferderücken als vom 35 Zentimeter hohen Podest, am meisten, wenn das rechte Bein hochschwingt [2]. Das Absitzen ist die Umkehrung dieser Bewegung. Die Übertragung ist plausibel, aber nicht gemessen, deshalb gilt: weich und kontrolliert statt schwungvoll.
Reite einen ruhigen Halt auf ebenem Boden. Warte, bis das Pferd wirklich steht, nicht schon beim ersten Abbremsen. Meilenstein: Du zählst bewusst drei Atemzüge, bevor du dich bewegst. Das ist Reitschul-Praxis, kein Studienwert.
Nimm beide Zügel in die linke Hand, lege sie kurz vor den Widerrist und lehne dich nicht auf das Pferd. Dann nimmst du beide Füße aus den Bügeln. Wer nur einen Fuß löst, kann beim Absteigen hängen bleiben. Das ist der Grund für diesen Schritt.
Stütze dich mit beiden Händen vorn am Sattel oder am Widerrist ab. Schwinge das rechte Bein gestreckt und hoch über die Kruppe, ohne das Pferd zu berühren. Dabei rutschst du nicht seitlich am Sattel hinunter, du hebst dich kurz leicht an.
Lande mit leicht gebeugten Knien links neben dem Pferd. Lass dich nicht fallen und halte die Zügel dabei locker, damit das Pferd nicht gezogen wird. Meilenstein: Das Pferd steht noch auf derselben Stelle, wenn du landest.
Schiebe die Steigbügel am Riemen hoch, damit sie nicht gegen das Pferd baumeln. Lockere den Gurt in zwei ruhigen Etappen. Nimm die Zügel über den Pferdekopf und führe das Pferd links von dir, mit dem Helm noch auf dem Kopf.
Absitzen ersetzt kein betreutes Training. Als Anfänger sitzt du nie ohne Aufsicht ab und lässt Gurt und Steigbügel vom Reitlehrer prüfen. Wenn das Pferd beim Absteigen tänzelt oder wegtritt, ist das kein Fall für Durchhalten, sondern ein Signal für die Reitlehrerin.
Eine Sicherheitsweste schützt vor allem den Brustkorb, gegen Wirbelsäulenverletzungen war sie in der Übersichtsarbeit nicht belegt wirksam [3]. Und denk dran: In einer US-Datenbank mit rund 54.830 geschätzten Reit-Wirbelsäulenverletzungen war in 53,6 % der Fälle ein einfacher Sturz die Ursache, in 39,7 % wurde der Reiter abgeworfen, getreten oder geschleudert [4]. Aufbau und Aufsicht sind die Antwort, nicht Mut. Ein gefährlicher Notfall-Absprung ist kein Anfängerthema, den übst du nur mit Trainer.
Mach das Absitzen zum Ritual, das du auch in der Hektik nach einem langen Ausritt abspulst: Halt, Zügel in die Hand, Füße raus, Bein hoch, weich landen, Bügel hoch. Pferde lernen Muster. Ein immer gleicher Ablauf macht das Stehenbleiben zum Selbstläufer und nimmt Spannung aus dem Moment.
Üblicherweise links, weil das Pferd so geführt wird. Ein biologischer Grund ist nicht belegt, es ist Reittradition. Wechsle die Seite nur mit Reitlehrer, damit Sattel und Pferd symmetrisch bleiben.
Ja, das ist der sichere Weg: So bleibst du nirgends hängen, wenn das Pferd sich bewegt. Es ist Reitschul-Standard und keine Studienfrage.
Mit leicht gebeugten Knien links neben dem Pferd, Blick nach vorn, Zügel locker. Landen heißt abfedern, nicht aufspringen. Übe es mit Reitlehrer am Block, bis es ruhig und ohne Hüpfen klappt.
Nein, nicht sofort. Alle 24 Hufschlagverletzungen der Hamburger Studie passierten beim Führen oder Putzen, nur 2 Verletzte hatten einen Helm auf [1]. Der Helm bleibt auf, bis das Pferd versorgt ist.
Bleib ruhig, halte die Zügel, bring das Pferd mit der Aufsichtsperson wieder zum Stehen und beginne neu. Bei wiederholtem Wegtreten klärt ihr gemeinsam mögliche Ursachen wie Unruhe oder Schmerz.
Schritt reiten: Mitgehen statt Schieben im Viertakt — [object Object]