Weitsprung: Der Anlauf richtig aufbauen

Dein Anlauf entscheidet über die Hälfte deines Sprungs. Wie viele Schritte du brauchst und was der vorletzte Schritt bewirkt.

Sportart: Leichtathletik · Level: Anfänger

Einleitung

Die ehrliche Antwort vorweg: Dein Anlauf entscheidet mehr über die Weite als der Absprung selbst. Ein perfekter Absprung aus einem chaotischen Anlauf bringt dir wenig — die Geschwindigkeit, die du zum Balken mitbringst, ist der Rohstoff für alles Weitere.

Wie viele Schritte du dafür brauchst, hängt vom Level ab: Einsteiger kommen mit 10 bis 14 Schritten aus, fortgeschrittene Athleten nutzen 14 bis 18, und Elite-Springer laufen 18 bis 22 Schritte an [1]. Mehr ist dabei nicht automatisch besser — wenn du deine Höchstgeschwindigkeit schon nach 10 Schritten erreichst, bringen dir zwei zusätzliche Schritte nichts außer Abbremsen [1]. Der Anlauf ist kein Sprint über die volle Distanz, sondern eine kontrollierte, gleichmäßige Beschleunigung bis zu dem Punkt, an dem du den Balken erreichst — noch beschleunigend, aber beherrschbar [1].

Der entscheidende Moment liegt in den letzten Schritten. Der vorletzte Schritt (Penultimate Step) ist etwas länger als die anderen und wird flach mit dem ganzen Fuß aufgesetzt [2] — dadurch senkst du deinen Körperschwerpunkt minimal ab und bereitest den eigentlichen Absprungschritt vor, der dann wieder kürzer und aktiver ausfällt [2]. Diese zwei letzten Schritte sind wie das Anziehen der Handbremse kurz vor der Kurve — nicht bremsen, aber die Balance neu ausrichten.

Was du brauchst

Schritt für Schritt

1. Deine Schrittzahl finden

Starte mit einer für deinen Level passenden Anzahl: als Einsteiger reichen 10 bis 14 Schritte [1]. Lauf mehrmals mit gleichbleibendem Starttempo an und markier, wo dein Absprungfuß jedes Mal landet. Nach 6–8 Wiederholungen zeichnet sich deine natürliche Marke ab.

2. Gleichmäßig statt sprinten

Die ersten Schritte des Anlaufs sind eine graduelle, kontrollierte Beschleunigung [1] — nicht der explosive Start wie bei einem 100-m-Sprint. Du willst am Balken deine höchste kontrollierbare Geschwindigkeit haben, nicht deine absolute Höchstgeschwindigkeit mit wackeliger Technik.

3. Die letzten vier Schritte bewusst setzen

In den letzten vier Schritten bereitest du den Absprung vor. Der vorletzte Schritt ist etwas länger und wird flach aufgesetzt, um deinen Schwerpunkt leicht abzusenken [2] — danach folgt ein kürzerer, aktiver letzter Schritt auf den Balken.

4. Die Startmarke exakt fixieren

Miss deine Anlaufmarke immer vom selben Startpunkt aus, mit den gleichen Aufwärm-Bedingungen. Kleine Abweichungen im Starttempo verschieben deine Absprungmarke um viele Zentimeter — Konsistenz beginnt beim ersten Schritt, nicht erst am Balken.

5. Mit Kontrollmarke arbeiten

Setz dir eine Zwischenmarke etwa 6 Schritte vor dem Balken. Kommst du dort zuverlässig an derselben Stelle an, ist dein Rhythmus stabil — und die letzten Schritte laufen fast automatisch auf den Balken zu.

Häufige Fehler

Sicherheitshinweise

Ein Anlauf, der ständig in letzter Sekunde korrigiert wird, reißt dich aus deinem natürlichen Laufrhythmus — genau das erhöht das Risiko für Zerrungen im Oberschenkel, eine der häufigsten Weitsprung-Verletzungen. Bau deine Marke lieber langsam über Training auf, statt sie im Wettkampf zu erzwingen.

Wärm dich vor schnellen Anläufen gründlich auf, inklusive dynamischer Dehnung für die Oberschenkelrückseite — der Anlauf fordert die Hamstrings stärker als die meisten anderen Laufübungen.

Pro-Tipp

Zähl deine Schritte laut mit, während du anläufst — vor allem in den ersten Trainingswochen. Das klingt banal, hilft aber enorm, ein Gefühl für Rhythmus und Konsistenz zu entwickeln, bevor du dich rein auf das Tempo konzentrierst.

FAQ

Wie viele Schritte sollte mein Anlauf haben?

Als Einsteiger sind 10 bis 14 Schritte ein guter Start, fortgeschrittene Athleten nutzen 14 bis 18, Elite-Springer 18 bis 22 [1]. Wichtiger als die genaue Zahl ist, dass du sie konstant wiederholen kannst.

Muss ich beim Anlauf mein absolutes Höchsttempo laufen?

Nein. Du willst deine höchste kontrollierbare Geschwindigkeit am Balken haben — nicht dein absolutes Maximum mit instabiler Technik [1]. Kontrolle schlägt am Balken immer reines Tempo.

Was macht der vorletzte Schritt beim Anlauf?

Er ist etwas länger als die anderen und wird flach mit dem ganzen Fuß aufgesetzt [2]. Das senkt deinen Körperschwerpunkt leicht ab und bereitet den eigentlichen, kürzeren Absprungschritt vor.

Warum verschiebt sich meine Absprungmarke ständig?

Meistens, weil sich dein Starttempo oder deine Startposition leicht ändert. Miss deine Marke immer vom selben Startpunkt unter gleichen Bedingungen — kleine Abweichungen am Anfang wachsen sich über 10+ Schritte zu vielen Zentimetern am Balken aus.

Schritt für Schritt

  1. Schrittzahl finden: 10 bis 14 Schritte reichen für Einsteiger. Mehrere Wiederholungen mit gleichem Starttempo zeigen deine natürliche Marke.
  2. Gleichmäßig beschleunigen: Kein explosiver Sprintstart, sondern kontrollierte Beschleunigung bis zum Balken — kontrollierbares Tempo schlägt Maximaltempo.
  3. Letzte Schritte setzen: Der vorletzte Schritt ist länger und flach, senkt den Schwerpunkt und bereitet den kürzeren, aktiven Absprungschritt vor.
  4. Kontrollmarke nutzen: Eine Zwischenmarke 6 Schritte vor dem Balken zeigt, ob der Rhythmus stabil ist — die letzten Schritte laufen dann fast automatisch.

Key Takeaways

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