Ablassen: kontrolliert runter, ohne Bodensturz

Ablassen ist beim Klettern der Moment mit den meisten Bodenstürzen. Kommandos, Tempo, Seilende und die Fehler, die laut DAV-Statistik passieren.

Sportart: Klettern · Level: Anfänger

Einleitung

Ablassen heißt: Dein Partner hängt im Seil, du lässt ihn langsam und gleichmäßig zum Boden, mit der Bremshand am Seil und nach klaren Kommandos. Es klingt nach dem Auslaufen der Route. Statistisch ist es der gefährlichste Teil des Toprope-Tages.

Die ehrliche Antwort darauf: Von 36 Bodenstürzen in deutschen und österreichischen Kletterhallen im Jahr 2025 passierten 15 beim Ablassen [1]. Das sind 42 Prozent und mehr als in jeder anderen Situation, die der DAV auswertet. In 12 dieser 15 Fälle lief das Seil unkontrolliert durch das Sicherungsgerät [1].

Die mittlere Höhe in 11 dieser Fälle lag bei 5 Metern [1], das ist fast ein zweites Stockwerk. Nur ein einziger passierte nahe am Umlenker. Gefährlich ist also nicht die Höhe, sondern die Phase, in der alle schon „fertig" denken.

Ablassen ist kein Auslaufen, es ist der letzte Teil der Sicherung. Du lernst es im Kurs mit Trainer, weil die Bedienung von Gerät zu Gerät anders ist. Dieser Guide erklärt, worauf es ankommt.

Was du brauchst

Eingangs-Kriterien (Praxis-Standard, bevor du allein ablässt):

Schritt für Schritt

1. Vor dem Klettern: Seilende und Länge

Der vierte Punkt des Partnerchecks ist das Seilende: abgeknotet oder am Seilsack fixiert. Die Frage dazu lautet: Reicht das Seil zum Ablassen bis zum Boden? [2] In der Statistik 2025 steht ein Bodensturz, bei dem ein zu kurzes Seil und ein fehlender Knoten im Seilende zusammenkamen [1].

Meilenstein: Du prüfst Seilende und Länge, bevor dein Partner antritt, nicht erst oben.

2. Das Kommando „ZU", dann „AB"

Am Umlenkpunkt ruft der Kletterer „ZU". Zieht der Sichernde das Seil straff ein, folgt das Kommando „AB" zum Ablassen. Blickkontakt, im Zweifel mit Namen. Der Sichernde lässt erst ab, wenn das Kommando erfolgt ist und der Kletterer „auf Zug" ist [2].

Meilenstein: Du lässt nie ab, ohne dass beides erfüllt ist: Kommando und Gewicht im Seil.

3. Das Gewicht übernehmen

Bevor der Kletterer sich ins Seil setzt, sollte der Knoten frei hängen und nicht oben am Umlenker verklemmt sein (Praxis). Die DAV-Statistik kennt Fälle, in denen sich der Knoten genau in diesem Moment löste: 2018 stürzte ein Kletterer aus 14 Metern, der einfache Achterknoten hing oben im Umlenker verklemmt [3]. 2022 wurde ein ähnlicher Fall aus dem Toprope-Bereich gemeldet, Sturz etwa 10 Meter [4].

Meilenstein: Du schaust vor jedem Ablassen auf das Seil unter dem Umlenker.

4. Langsam und gleichmäßig ablassen

Du kennst deine Bremsmechanik und handhabst sie korrekt [2]. Der DAV-Rat aus der Statistik 2025: konsequent kontrolliert ablassen, nicht zu schnell, Seil dosiert mit der Bremshand nachschieben oder durchlaufen lassen, dazu Standposition und Gewichtsunterschiede beachten [1]. Bei 9 der 12 Unfälle mit unkontrolliertem Seildurchlauf handelte es sich um Halbautomaten, die von Karabiner und Bremshandposition abhängig sind [1].

Meilenstein: Dein Trainer sieht dich mehrere Partner unterschiedlichen Gewichts ruhig und gleichmäßig ablassen.

5. Sanft aufsetzen

Achte auf andere Personen am Boden und auf einen freien Landeplatz. Den Partner setzt du sanft ab [2].

Meilenstein: Dein Partner steht am Ende wie im Aufzug und nicht wie nach einem Sprung.

Häufige Fehler

Sicherheitshinweise

Die Zahlen zeigen: Ablassen ist keine Nebensache. Von den 15 Bodenstürzen beim Ablassen endeten 8 mit mittelschweren und 3 mit schweren Verletzungen [1]. In einem Fall mit einer Kinder-Seilschaft endete ein Sturz aus 3 bis 4 Metern am Boden, obwohl eine Hintersicherung vorhanden war [1]. Das Zusatzsystem ist also kein Freifahrtschein.

Zwei weitere Fälle der Statistik 2025 sind besonders bitter: Bei einem Kind löste sich der Einbindeknoten beim Ablassen, das Kind stürzte aus etwa 12 bis 13 Metern, die Mutter konnte es noch fangen. Bei einem anderen Kletterer hatte der Partnercheck übersehen, dass der Knoten nicht fertig war. Er wollte sich beim Ablassen mit dem um die Hand gewickelten Seil halten, die Kraft reichte nur bis zur Wandmitte [1]. Der DAV schreibt dazu, solche Unfälle wären durch gründlichen Partnercheck vermeidbar gewesen [1].

Dieser Guide erklärt und motiviert, er ersetzt kein betreutes Training. Ablassen lernst du im Kurs mit Trainer und Partnercheck, nicht aus einem Text.

Pro-Tipp

Mach das Tempo zu deinem Maß, nicht zu dem deines Partners. Wer lachend nach unten ruft „Schneller!", ist keine Ansage. Die Auswertung zeigt, dass 11 von 12 unkontrollierten Seildurchläufen bei etwa 5 Metern Höhe passierten, nur einer nahe am Umlenker [1]. Das Muster: Am Anfang konzentriert, auf halbem Weg nachlässig.

Praktisch: Merke dir eine Position, ab der du bewusst langsamer wirst, zum Beispiel die Hälfte der Route. Das letzte Drittel bekommt die meiste Aufmerksamkeit, nicht die wenigste.

FAQ

Wie schnell darf ich ablassen?

Langsam und gleichmäßig. Der DAV rät, konsequent kontrolliert abzulassen, nicht zu schnell zu werden und das Seil dosiert mit der Bremshand nachzuschieben [1]. Eine feste Geschwindigkeit nennt er nicht, entscheidend ist, dass du jederzeit stoppen könntest.

Welche Kommandos gibt es beim Ablassen?

Am Umlenkpunkt „ZU", wenn das Seil straff eingezogen ist, dann „AB" zum Ablassen. Der Sichernde wartet mit dem Ablassen, bis das Kommando erfolgt ist und der Kletterer „auf Zug" ist [2]. Blickkontakt gehört dazu.

Wie lang muss das Seil zum Ablassen sein?

Es muss bis zum Boden reichen. Der Partnercheck fragt deshalb ausdrücklich, ob das Seil zum Ablassen lang genug ist, und das Seilende wird abgeknotet oder am Seilsack fixiert [2]. In der DAV-Statistik 2025 gab es einen Bodensturz mit zu kurzem Seil und fehlendem Knoten [1].

Was passiert, wenn der Knoten am Umlenker hängt?

Dafür gibt es keine einfache Regel im Text. Die DAV-Statistik berichtet von Fällen, in denen sich der Anseilknoten beim Hineinsetzen löste, ein Achterknoten hing verklemmt im Umlenker [3] und ein Sturz endete aus etwa 10 Metern am Boden [4]. Wenn du das siehst, sprich den Kletterer an und lass nicht ab. Holt euch einen Trainer.

Dürfen Kinder ablassen?

Der DAV nennt den Kletterschein Toprope als geeignet für Kinder ab circa 10 Jahren. Die Aufsichtspflicht bleibt bei Eltern oder Trainer mindestens bis zum 14. Geburtstag, und das Gewichtsverhältnis muss stimmen [2].

Schritt für Schritt

  1. Seilende und Länge prüfen: Vor dem Start abknoten oder am Seilsack fixieren und klären, ob das Seil bis zum Boden reicht.
  2. Kommandos ZU und AB abwarten: Am Umlenker ZU, straff einziehen, dann AB. Erst ablassen, wenn Kommando da ist und der Kletterer auf Zug ist.
  3. Knoten und Seil kontrollieren: Vor dem Hineinsetzen auf das Seil unter dem Umlenker schauen und sicherstellen, dass nichts verklemmt hängt.
  4. Langsam und gleichmäßig ablassen: Mit der Bremshand dosiert Seil durchlaufen lassen, Standposition und Gewichtsunterschied beachten, nie schneller werden.
  5. Sanft aufsetzen: Auf andere Personen und freien Landeplatz achten und den Partner behutsam am Boden absetzen.

Key Takeaways

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Umbauen am Umlenker (Fädeln): sicher im Klettergarten — [object Object]

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