Armabwehr im Handball-Tor: Hohe Bälle einhändig abwehren

Armabwehr im Handball-Tor lernen: So wehrst du hohe Bälle einhändig ab, stehst richtig im Tor und liest Absprung und Block des Werfers sicher.

Sportart: Handball · Level: Fortgeschritten

Einleitung

Bei der Armabwehr wehrst du hohe Bälle einhändig ab. Die Reichweite ist größer als beidhändig, dafür ist die Kontrolle kleiner. Das Regelwerk erlaubt dir im Torraum, den Ball mit jedem Körperteil zu berühren, solange du abwehrst [1]. Sie gehört zu den wichtigsten Werkzeugen eines Torwarts im Spiel gegen Würfe aus dem Rückraum.

Die ehrliche Antwort auf „Soll ich mit einer oder zwei Händen abwehren?": Als Anfänger mit zwei. Das Lehrblatt des Schweizer Bundesamts für Sport empfiehlt Einsteigern die beidhändige Abwehr, weil so eine größere Fläche entsteht und der Ball besser kontrolliert werden kann [2]. Die einhändige Armabwehr kommt, wenn der Ball außerhalb deiner Zwei-Hand-Reichweite fliegt. Wie lange du bis zu einer sicheren Armabwehr brauchst, hängt von deinem Ausgangsniveau ab. Eine belastbare Studienzahl dazu gibt es nicht, das ist Trainererfahrung.

Ein Blick auf die Daten: Bei der WM 2015 wehrten Torhüter durchschnittlich 30 % der Würfe aufs Tor ab. Die obere linke Ecke war mit 17 % Paraden die am schwersten zu haltende, und alle Torhüter des Turniers waren Rechtshänder [4]. Die oberen Ecken sind also genau der Bereich, in dem die Armabwehr gebraucht wird.

Die Armabwehr ist keine Heldentat, sondern der verlängerte Arm deiner Grundstellung.

Was du brauchst

Schritt für Schritt

1. Grundstellung

Steh etwa einen halben Meter vor dem Tor (je kleiner, desto weiter vorn), Beine hüftbreit, Gewicht gleichmäßig verteilt, Arme in Brust- und Schulterhöhe leicht nach vorn gebeugt [2]. Bei Würfen aus 9 Metern stehen Spitzentorhüter im Schnitt 1,10 m vor der Torlinie, mit Beinen etwa 2,5-mal schulterbreit und Händen auf Hüfthöhe, also anders als im Lehrbuch (0,75 m). Eine Auswertung kommt auf rund 1,44 m als optimalen Abstand gegen 9-m-Sprungwürfe, also etwa einen halben Schritt weiter vorn als das Lehrbuch [3]. Das ist ein Hinweis aus 78 Videosequenzen, kein Gesetz. Meilenstein: Du kannst deine Grundstellung mit Maßband und Foto kontrollieren.

2. Beidhändig hoch

Wehr zuerst hohe Bälle mit beiden Händen ab, wie es das Lehrblatt für Einsteiger empfiehlt [2]. Meilenstein: 8 von 10 sanften Bällen auf Kopfhöhe landen sicher bei dir.

3. Der Arm schiebt nach

Steht der Ball über der Zwei-Hand-Reichweite, schiebt der Arm auf der Ballseite nach oben und etwas zur Seite. Das Bein dieser Seite macht einen kleinen Schritt, der Oberkörper folgt. Finger spreizen, Handfläche zum Ball (Praxis-Standard). Meilenstein: 6 von 10 Bällen in die obere Ecke berühren deine Hand.

4. Absprung und Block lesen

Lies den Werfer: Torhüter nutzen laut einer Interviewstudie Hinweise wie den Absprung des Werfers und die Position des Blocks [6]. Auch das Timing zählt: Experten starteten ihre Bewegung im Mittel 193 ± 67 ms vor der Ballabgabe, mit einer Fangquote von 67 % gegen 24 % bei Unerfahrenen [5]. Meilenstein: Du sagst vor dem Wurf, wohin der Ball kommt, und liegst in 6 von 10 Fällen richtig.

5. Abwehr gegen Rückraumwürfe aus 9 Metern

Lass echte Würfe zu, anfangs mit weichem Ball, dann mit normalem. Achte darauf, dass du nicht ins Hohlkreuz fällst. Meilenstein: 5 von 10 Würfen in den oberen Bereich berührst du mit der Hand.

Häufige Fehler

Sicherheitshinweise

Die Hand ist beim Abwehren am ersten Kontakt dran. In einer Befragung unter 296 jugendlichen Kaderspielern meldeten 42 % mindestens eine Hand- oder Handgelenkverletzung pro Saison, am häufigsten an den mittleren Fingergelenken (47 %) und am Daumen (29 %) [7]. Mit Schwellung oder Fehlstellung gehst du zur ärztlichen Abklärung. Die Schulter wird bei Überkopfbewegungen belastet. In einer Meta-Analyse reduzierten Präventionsprogramme im Handball Schulterverletzungen (Odds Ratio 0,60) [8]. Warm dich deshalb Schulter und Handgelenke vor jedem Training auf.

Übe harte Würfe erst, wenn die Technik bei weichen Bällen sitzt (Praxis-Standard). Dieser Guide erklärt und motiviert, er ersetzt kein betreutes Training und keinen Trainer, insbesondere keinen Torwarttrainer.

Pro-Tipp

Bewege dich mit dem Ball, nicht mit der Hand. Wenn der Werfer auf deine Armseite schaut, setz zuerst die Füße, dann den Arm. Wer nur mit dem Arm reagiert, ist zu langsam. Das ist Praxiserfahrung. Eine Studie, die genau das misst, haben wir nicht gelesen.

FAQ

Wie wehre ich einen Wurf in die obere Ecke ab?

Mit dem Arm der Ballseite, den du nach oben und leicht seitlich schiebst, einem kleinen Schritt mit dem Bein derselben Seite und gespreizten Fingern. Als Anfänger übst du zuerst die beidhändige Abwehr [2].

Wie weit stehe ich vor der Torlinie?

Lehrmaterial nennt etwa einen halben Meter [2]. Eine Videoanalyse bei 9-m-Sprungwürfen fand, dass Spitzentorhüter im Schnitt 1,10 m vor der Linie standen und rund 1,44 m optimal gewesen wären [3].

Welche Torecke ist am schwersten zu halten?

Bei der WM 2015 war es die obere linke Ecke mit 17 % Paraden. Alle Torhüter des Turniers waren Rechtshänder [4].

Wie lange brauche ich für eine sichere Armabwehr?

Das hängt vom Ausgangsniveau ab. Eine belastbare Zahl gibt es nicht.

Schritt für Schritt

  1. Grundstellung: Etwa einen halben Meter vor dem Tor, Beine hüftbreit, Arme in Brust- und Schulterhöhe.
  2. Beidhändig hoch: Zuerst hohe Bälle mit beiden Händen abwehren, 8 von 10 sanfte Bälle sicher.
  3. Der Arm schiebt nach: Bei Bällen über der Reichweite: Arm der Ballseite hoch, kleiner Schritt zur Seite.
  4. Absprung und Block lesen: Auf den Absprung und die Blockposition achten, vor dem Wurf die Ecke ansagen.
  5. Abwehr gegen Rückraumwürfe: Echte Würfe aus 9 Metern zulassen, erst weich, dann normal.

Key Takeaways

Nächster Guide

Hampelmann im Handball-Tor: Die Abwehr mit Armen und Beinen gegen Nahwürfe — [object Object]

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