Abstoß lernen: Regeln nach IFAB, kurz flach oder lang hoch, Entscheidung und Kopfball-Exposition – mit Zahlen aus Trainerkongress und Studien und Meilensteinen.
Die ehrliche Antwort vorweg: Beim Abstoß liegt der Ball ruhend im Torraum und ist im Spiel, sobald er getreten wird und sich klar bewegt – er muss den Strafraum nicht verlassen [1]. Die Gegner müssen bis dahin außerhalb des Strafraums stehen [1]. Das sind die Kernpunkte der Regel. Wie du ihn spielst, ist deine Entscheidung: kurz und flach oder lang und hoch.
Und die ist wichtiger, als sie aussieht. Bei der EM 2008 konnten Abstöße nach einer Auswertung der Uni Bochum keine befriedigende Quote aufweisen, kurze flache Pässe lagen dagegen bei 97 % [5]. Gleichzeitig führt die lange hohe Variante zu Kopfballduellen: In einer Studie bei Frauen im College-Fußball brachten Köpfe nach Abstoß höhere Beschleunigungen als Köpfe nach normalen Schüssen [3]. Der Abstoß ist also Technik, Taktik und Gesundheitsthema in einem.
Der Ball liegt still irgendwo im Torraum [1]. Er ist im Spiel, wenn du ihn trittst und er sich klar bewegt [1]. Gegner dürfen erst nach diesem Moment in den Strafraum, kommen sie früher hinein und berühren oder bestreiten den Ball, wird der Abstoß wiederholt [1]. Und: Du darfst ihn nicht zweimal hintereinander berühren, bevor ihn ein anderer Spieler berührt hat [1].
Meilenstein: Du kannst fünf Regelfragen aus diesem Abschnitt ohne Nachlesen beantworten.
Für den kurzen Abstoß nimmst du die Innenseite: Ball anlaufen, Standbein neben den Ball, Fußgelenk fixieren, nach außen drehen und leicht anheben, den Ball mittig treffen und das Bein durchschwingen [6]. Ziel ist ein Mitspieler im Fuß, etwa 10 m entfernt.
Meilenstein: 8 von 10 Abstößen landen im 2-m-Zielquadrat deines Partners.
Für den langen Abstoß brauchst du den Vollspann: Ball anlaufen, Standbein daneben, weit nach hinten ausholen, Fußspitze durchdrücken, mit dem Vollspann mittig treffen und durchschwingen [6]. Ein Stück Praxiswissen: Je mehr Weite du willst, desto mehr kostet es meist an Genauigkeit. In einer Studie mit schwedischen Erstliga-Frauen war ein Innenseitenpass mit spielnaher Geschwindigkeit genauer als einer mit Maximaltempo [7] – eine Übertragung auf den Abstoß, kein direkter Beleg.
Meilenstein: 5 von 10 Bällen landen in einer 10-m-Zielzone auf der Gegenhälfte.
Frag dich vor jedem Abstoß: Ist der Gegner organisiert, ist ein kurzes Anspiel oft die bessere Wahl, um den Spielaufbau ruhig zu beginnen; ist der Gegner unorganisiert, kann eine schnelle Eröffnung Chancen bringen [5]. Das ist die Logik hinter der BDFL-Überlegung.
Meilenstein: Fünf Szenen am Video oder im Trainingsspiel: Du nennst vor dem Abstoß, warum du kurz oder lang wählst.
Verabredet Zeichen für kurz oder lang und wer sich anbietet. Nur so kommt der Ball an.
Meilenstein: 6 von 10 Abstößen kommen im Zusammenspiel mit dem Mitspieler sauber an.
Der lange Abstoß ist der Anfang von Kopfballduellen. Bei Frauen im College-Fußball lag die Beschleunigung nach Köpfen vom Abstoß bei 38,8 g gegenüber 30,0 g nach normalen Schüssen, also knapp ein Drittel höher [3]. Die Autoren schlussfolgern, Kopfbälle nach Abstoß und Abschlag könnten bei jüngeren, noch lernenden Spielern begrenzt werden [3]. Der DFB geht im Kinderfußball genau so vor: Abstoß und Einwurf werden durch Eindribbeln ersetzt, der Abschlag findet kaum statt [2]. Wärm dich dazu auf, etwa mit FIFA 11+ (39 % weniger Verletzungen in einer Meta-Analyse) [8]. Dieser Guide erklärt und motiviert, er ersetzt kein betreutes Training.
Mach den kurzen Abstoß zur Waffe. In einer Auswertung von 687 Profi-Spielen war der häufigste Vorläufer eines Kopfballs ein langer Pass [4]. Wer kurz eröffnet, nimmt dem Gegner diese Luftduelle. Das heißt nicht, dass lang falsch ist, aber dass du die Wahl hast.
Nein. Der Ball ist im Spiel, wenn er getreten wird und sich klar bewegt [1]. Er muss nicht aus dem Strafraum rollen.
Ja, aber nur gegen den Gegner. Rollt der Ball direkt ins eigene Tor, gibt es Eckstoß für den Gegner [1].
Nicht, wenn ihn ein Mitspieler bewusst mit dem Fuß zum Torwart gespielt hat; das wäre ein indirekter Freistoß [9]. Wurde der Ball nicht absichtlich mit dem Fuß zum Torwart gespielt, darf er ihn aufnehmen.
In den neuen kleinen Spielformen ersetzt der DFB Einwurf und Abstoß durch Eindribbeln; ein Abschlag durch den Torwart findet kaum statt [2]. Nebeneffekt: Kopfbälle werden nahezu ausgeschlossen [2].
Der Schiedsrichter kann nach unfairem Zeitspiel einen Fünf-Sekunden-Countdown starten, danach gibt es Eckstoß für den Gegner [1].
Ballannahme mit der Brust: Hohe Bälle öffnen, kontrollieren und weiterleiten — [object Object]