Umgehung im Fechten lernen: Spitze unter der gegnerischen Klinge hindurch in die andere Linie. Technik, Übungen, Fehler und Regeln für alle drei Waffen.
Was mache ich, wenn der Gegner meine Klinge immer wieder abfängt? Die ehrliche Antwort: Du gehst drumherum. Die Umgehung (Fachbegriff Kavation, im Italienischen Cavation [1]) ist ein indirekter Angriff: Die Spitze führt dieselbe Vorwärtsbewegung aus wie beim geraden Stoß, macht dabei aber eine schraubenähnliche Bewegung um die Glocke der gegnerischen Waffe [1] und trifft in der anderen Linie. Die FIE nennt jeden Angriff, der in einer anderen Linie endet, indirekt [2].
Die Umgehung gilt für Florett, Degen und Säbel. Beim Säbel darf der Angriff laut Regelwerk direkt, per Umgehung oder per Coupé (Überschneiden) abgeschlossen werden, wenn die gegnerische Klinge nicht in Linie ist [2]. Und: Sie ist die Brücke zur Finte – sie ist dein Weg an der Parade vorbei.
Realistisch: Die Handbewegung lernst du in ein, zwei Einheiten. Sie unter Druck zuverlässig zu treffen, dauert Monate – Erfahrungswert.
Du stehst in der Fechtstellung, die Spitze auf der Seite, in die dein Partner pariert (zum Beispiel in der Innenlinie). Dein Partner hält die Klinge ruhig.
Du führst die Spitze unter seiner Klinge hindurch in die gegenüberliegende Linie. Die Bewegung kommt aus den Fingern und dem Handgelenk, nicht aus dem ganzen Arm. Der Kreis ist klein: Die Klinge soll die gegnerische kaum berühren.
Während die Spitze die Linie wechselt, streckst du den Arm in Richtung Trefffläche [1]. Danach folgt der Ausfall; die Armstreckung muss vor dem Ausfall beginnen [1].
Pariert dein Partner einfach (zum Beispiel Quart), geht die Umgehung durch. Pariert er mit Kreisparade, fängt er dich in der Regel ab (Praxis). Übe, wann welche Antwort kommt.
Nach einer gelungenen Parade kannst du auch indirekt riposten: Riposte mit Umgehung ist ein Treffer in der Gegenlinie, bei dem die Klinge unter der gegnerischen hindurchgeht, wenn die Parade in der hohen Linie erfolgte [2].
Meilenstein: Wenn du zehn langsame Umgehungen gegen einen ruhigen Partner ins Ziel bringst, ohne dass Ellbogen oder Schulter ausweichen, und dann gegen eine einfache Parade triffst, gehst du zu Finte und Battuta weiter.
Übungsform (Praxis): Zu zweit in drei Stufen. Erst hält dein Partner die Klinge ruhig in der Innenlinie, du umgehst in die Außenlinie und triffst. Dann pariert er einfach, du umgehst genau im Moment seiner Bewegung. Zuletzt wechselt er zwischen einfacher Parade und Kreisparade; so lernst du, wann sich die Umgehung lohnt. Jede Stufe, bis zehn Treffer in Folge sitzen. Wenn die Spitze beim Umgehen sichtbar ausschlägt, geh einen Schritt in der Stufenfolge zurück.
Wie bei allen Partnerübungen gilt: Maske, Handschuh, Jacke für beide; Übungsstöße kontrolliert, nie mit der Spitze auf die Maskengitter. Das Verletzungsrisiko im Fechten ist gering: 0,28 Verletzungen mit Ausfallzeit pro 1000 Starts bei internationalen Wettkämpfen, knapp drei auf 10.000 Starts; die meisten sind Verstauchungen und Zerrungen im Bein [4]. Wärm das Handgelenk vor vielen Wiederholungen auf. Dieser Guide erklärt und motiviert – er ersetzt kein betreutes Training.
Eine Umgehung ist umso besser, je kleiner sie ist. Üb sie erst mit Spiegel und dem Anspruch, dass deine Klinge die des Gegners kaum berührt. Wenn der Gegner mit gestrecktem Arm auf dich zeigt ("Klinge in Linie"), musst du seine Klinge nach den FIE-Regeln zuerst beiseite nehmen, bevor du angreifst – bloße Berührung reicht nicht [2]. Hier hilft die Battuta (nächster Guide), die Umgehung selbst ist dann der Abschluss.
Ein indirekter Angriff: Die Klinge führt dieselbe Vorwärtsbewegung wie beim geraden Stoß aus, macht aber eine schraubenähnliche Bewegung um die Glocke der gegnerischen Waffe herum und trifft in der anderen Linie [1]. Fachbegriff: Kavation (Cavation).
Bei der Umgehung geht deine Klinge unter der gegnerischen hindurch (bei der Riposte nach hoher Parade); beim Coupé geht sie über die gegnerische Spitze hinweg [1][2]. Die Spitze bewegt sich dabei zuerst nach hinten und dann sofort wieder nach vorn [1].
Ja. In den FIE-Regeln steht für den Säbel ausdrücklich, dass der Angriff direkt, per Umgehung oder per Coupé abgeschlossen werden darf, wenn die gegnerische Klinge nicht in Linie ist [2]. Beim Degen gibt es kein Vorrecht, die Aktion bleibt dieselbe [1].
Vor dem Spiegel: Die Spitze zeigt auf einen Fixpunkt, du führst die Klinge in kleinem Bogen unter eine gedachte Klinge und zurück. Zähle mit Metronom langsam, achte auf Ellbogen und Schulter. Das Timing mit Partner kann man so nicht ersetzen.
Battuta im Fechten: der Klingenschlag, der den Angriff öffnet — [object Object]