Remise im Fechten: Der sofortige Nachstoß nach einer parierten Aktion

Die Remise im Fechten lernen: Nachstoß ohne Armrückzug, Unterschied zu Redoublement und Reprise, Vorrecht nach FIE-Regeln, typische Fehler und Meilenstein.

Sportart: Fechten · Level: Fortgeschritten

Einleitung

Was mache ich, wenn mein Angriff pariert wird, mein Gegner aber nicht antwortet? Die ehrliche Antwort: Du stößt sofort nach, ohne den Arm zurückzuziehen. Genau das ist die Remise. Nach den FIE-Regeln ist sie eine einfache, unmittelbare Offensivaktion, die dem ursprünglichen Angriff folgt, ohne den Arm zurückzunehmen, nachdem der Gegner pariert oder ausgewichen ist [1]. Der FIE-Glossar beschreibt sie als das Zurückführen der Spitze in dieselbe Linie, ohne den Arm zurückzuziehen oder die gegnerische Klinge zu bearbeiten [2].

Die Remise ist keine Zauberformel. Sie gelingt nur, wenn dein Gegner Zeit gibt: wenn er nach der Parade nicht sofort riposiert oder mit einer Riposte kommt, die verzögert, indirekt oder zusammengesetzt ist [1]. Wer das erkennt, verwandelt einen verlorenen Angriff in einen Treffer.

Realistisch: Die Bewegung ist einfach, das Erkennen des Moments nicht. Das lernst du über viele Gefechte, nicht über Wochen – das ist Erfahrungswert, kein Studienergebnis.

Was du brauchst

Schritt für Schritt

1. Der erste Angriff mit gestrecktem Arm

Die Remise setzt einen sauberen ersten Angriff voraus: Streck den Arm so, dass die Spitze die Trefffläche bedroht, bevor der Ausfall beginnt [1]. Nur dann hast du überhaupt etwas zum Nachsetzen.

2. Den Arm nicht zurücknehmen

Das ist der Kern: Die Remise folgt unmittelbar, ohne dass du den Arm zurückziehst [1]. Du bringst die Spitze wieder in dieselbe Linie [2]. Heißt für dich: nicht ausholen, nicht „neu laden“. Die Klinge bleibt in der Linie, und der Arm drückt nur nach (Praxis-Standard).

3. Den richtigen Moment erkennen

Die Regeln nennen mehrere Fälle: Der Gegner hat den Klingenkontakt verlassen, ohne zu riposten, oder er riposiert verzögert, indirekt oder zusammengesetzt [1]. Gegen eine indirekte oder zusammengesetzte Riposte wird die Remise nach dem Glossar zur Gegenoffensive, behält aber das Vorrecht [2]. Im Zweifel: nicht stoßen.

4. Den falschen Moment erkennen

Riposiert dein Gegner sofort, einfach und innerhalb einer Fechtzeit, ohne den Arm zurückzunehmen, und du stößt trotzdem per Remise, Redoublement oder Reprise, wirst nur du als getroffen gezählt [1]. Auch der Hessische Fechterverband hält fest: Bei Florett und Säbel hat die Rimesse nur Vorrecht, wenn der Gegner sein Recht auf Riposte nicht genutzt hat [3].

5. Danach zurück

Nach dem Nachstoß kehrst du in die Fechtstellung zurück (siehe Guide zur Rückkehr). Die Remise nimmt übrigens den Namen der Aktion an, auf die sie folgt [2].

Meilenstein: Wenn du in einem Partnerdrill, in dem dein Partner zufällig sofort, verzögert oder gar nicht riposiert, zehnmal hintereinander richtig entscheidest (Remise nur bei verzögerter oder fehlender Riposte), gehst du zum Sperrstoß weiter. Das ist ein Praxis-Standard, kein Studienwert.

Häufige Fehler

Sicherheitshinweise

Die Remise ist ein kurzer, schneller Stoß auf kurze Distanz. Trag immer Maske, Jacke und Handschuh. Der zweite Stoß kommt oft, wenn beide Fechter nah beieinander stehen; kontrolliere deshalb Tempo und Kraft. In einer 5-Jahres-Auswertung internationaler FIE-Turniere lag die Rate verletzungsbedingter Ausfälle bei 0,28 pro 1000 Wettkampf-Teilnahmen, 72,4 % betrafen die unteren Gliedmaßen [5]. Die Gefahr liegt weniger in der Hand als im Fuß: Wärm dich auf. Dieser Guide erklärt und motiviert – er ersetzt kein betreutes Training.

Pro-Tipp

Entscheide vor dem Angriff, nicht währenddessen. In einer Studie mit 18 Fechtern stiegen Reaktions- und Bewegungszeit, wenn Zweifel bestanden, ob der geplante Treffer gelingt; Vorwissen über die mögliche Aktion des Gegners senkte die Unsicherheit und beschleunigte die Ausführung [4]. Das war ein Ausfall-Experiment, keine Remise-Studie. Aber die Lehre passt: Leg dir vor dem Angriff fest, was du tust, wenn der Gegner pariert und nicht antwortet. Dann musst du nicht mehr überlegen, wenn es soweit ist.

FAQ

Was ist die Remise im Fechten?

Die Remise ist eine einfache, unmittelbare Offensivaktion, die dem ursprünglichen Angriff folgt, ohne dass der Arm zurückgezogen wird, nachdem der Gegner pariert oder ausgewichen ist [1]. Du ersetzt die Spitze in derselben Linie [2].

Was ist der Unterschied zwischen Remise, Redoublement und Reprise?

Die Remise folgt ohne Armrückzug. Das Redoublement ist eine neue Aktion gegen einen Gegner, der pariert hat, ohne zu riposten, oder nur ausgewichen ist. Die Reprise ist ein neuer Angriff direkt nach der Rückkehr in die Fechtstellung [1].

Hat die Remise Vorrecht?

Bei Florett und Säbel nur, wenn der Gegner sein Recht auf Riposte nicht genutzt hat [3]. Riposiert er sofort und einfach, wird der Nachstoßende als getroffen gezählt [1].

Gilt die Remise im Degen genauso?

Im Degen gibt es kein Treffervorrecht [3]; die Frage ist dort, wer zuerst trifft. Die Remise bleibt aber auch dort ein sofortiger Nachstoß ohne Armrückzug [2].

Schritt für Schritt

  1. Erster Angriff: Arm strecken, Spitze bedroht die Trefffläche, dann erst der Ausfall.
  2. Arm nicht zurücknehmen: Spitze ohne Rückzug des Arms wieder in dieselbe Linie bringen.
  3. Richtigen Moment erkennen: Nur wenn der Gegner nicht riposiert oder verzögert, indirekt, zusammengesetzt.
  4. Falschen Moment erkennen: Bei sofortiger einfacher Riposte nicht nachstoßen.
  5. Zurückkehren: Nach dem Nachstoß in die Fechtstellung zurück.

Key Takeaways

Nächster Guide

Sperrstoß (Stop Hit) im Fechten: Der Gegenangriff in die Zeit — [object Object]

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