Reiten: Krafttraining und Athletik

Besser reiten durch Off-Horse-Training: Balance, Core und Hüfte gezielt stärken, Rückenschmerz vermeiden – mit den Übungen, die Elite-Reiter ausmachen.

Sportart: Reiten · Level: Fortgeschritten

## Einleitung Ein ruhiger, unabhängiger Sitz entsteht nicht nur im Sattel – er wird zu einem großen Teil neben dem Pferd trainiert. Die entscheidenden Fähigkeiten sind Balance und Rumpfkraft: Elite-Reiter halten den Einbeinstand mit geschlossenen Augen rund 58 Sekunden, Amateure nur etwa 28 – und ihre Rückenkraft liegt gut 21 % höher. Wer glaubt, man müsse sich nur "festhalten" oder kräftiger zupacken, trainiert am Ziel vorbei. Reiten stellt echte athletische Anforderungen: Im Trab und Galopp arbeitest du bei rund 60 % deiner maximalen Sauerstoffaufnahme, und deine Körpermitte hält dich Schritt für Schritt aufrecht und ruhig.

Das lohnt sich doppelt. Ein stabiler Rumpf verbessert nicht nur deine Einwirkung, er schützt auch deinen Rücken – bis zu 68 % der Reiter berichten chronische Rückenschmerzen, die mit zu schwacher Körpermitte zusammenhängen. Der Unterschied zwischen "irgendwie oben bleiben" und wirklich einwirken liegt genau hier: in einer Körpermitte, die auch dann stabil bleibt, wenn das Pferd unter dir arbeitet. Dieser Guide zeigt dir, worauf es beim Off-Horse-Training wirklich ankommt und wie du es planst.

## Was du brauchst - Eine Matte und etwas Platz – die meisten Übungen brauchen kein Studio - Ein Balance-Tool (Wackelkissen, Balance-Pad oder Gymnastikball) - Optional Kurzhanteln oder eine Kettlebell für die Kraft-Progression - 2–3 feste Termine pro Woche, je 20–40 Minuten - Eine ehrliche Selbsteinschätzung deiner Schwachstelle (Balance? Core? Beweglichkeit?)

Schritt für Schritt

### 1. Welche Muskeln brauchst du zum Reiten? Reiten ist Haltearbeit. Im Zentrum steht die Rumpfmuskulatur – Bauch, Rücken und die seitlichen Bauchmuskeln –, die dich stabil hält, während sich das Pferd unter dir bewegt. Dazu kommen Hüftmuskeln und Adduktoren für den ruhigen Beinschluss sowie die Halte- und Balancemuskeln der Beine. Fortgeschrittene Reiter aktivieren ihre Körpermitte messbar stärker und koordinierter als Anfänger – und genau das ist trainierbar.

### 2. Zuerst Balance, dann Kraft Balance ist der größte Hebel, weil sie Kraft im Sattel überhaupt erst nutzbar macht. Trainiere Einbeinstände (erst mit offenen, dann mit geschlossenen Augen), Übungen auf dem Wackelkissen und langsame Gewichtsverlagerungen. Ziel ist es, den Einbeinstand mit geschlossenen Augen deutlich zu verlängern – der Marker, der Könnensstufen trennt.

### 3. Die Körpermitte gezielt stärken Setze auf Anti-Bewegungs-Übungen statt Sit-ups: Planke und Seitplanke, Bird-Dog, Pallof-Press (Anti-Rotation) und Dead-Bug. Sie trainieren genau das, was der Sitz verlangt – Stabilität gegen Bewegung. Baue pro Übung 2–3 Sätze mit 30–45 Sekunden Haltezeit oder 8–12 sauberen Wiederholungen auf und steigere zuerst die Dauer, nicht das Tempo. Wichtiger als die Auswahl ist die Ausführung: Halte Becken und Rippen neutral, statt ins Hohlkreuz zu kippen – sonst trainierst du genau die Kompensation, die im Sattel stört. Ein strukturiertes 8-Wochen-Programm verbesserte nachweislich die Haltungsstabilität und senkte das Anstrengungsempfinden im Sattel.

### 4. Hüfte und Beweglichkeit öffnen Ein tiefer, langer Schenkel braucht bewegliche Hüften. Integriere Hüftöffner wie tiefe Ausfallschritte und 90/90-Rotationen sowie Mobilität für Fußgelenk und Waden, damit der Absatz locker tief federn kann.

### 5. Ausdauer als Basis nicht vergessen Weil Reiten moderat-anstrengend ist, hilft eine solide aerobe Grundlage. Zwei lockere Einheiten pro Woche – Rad, Laufen oder zügiges Gehen – reichen, damit lange Reit- oder Turniertage nicht in Ermüdung enden. Auch das Timing zählt: Lege intensive Kraft- und lange Reiteinheiten nicht auf denselben Tag, damit deine Körpermitte erholt in den Sattel geht.

## Häufige Fehler - Nur "festhalten" statt trainieren: Klammern erzeugt Steifheit, nicht Sicherheit. Trainiere Balance und Core statt Griffkraft. - Sit-ups statt Anti-Rotation: Der Sitz braucht Stabilität gegen Bewegung, nicht Bauchmuskel-Optik. Die Planke schlägt den Crunch. - Beweglichkeit ignorieren: Steife Hüften erzwingen einen hochgezogenen Schenkel und einen unruhigen Sitz. - Kein Plan: Zufälliges Training bringt wenig. Feste 2–3 Einheiten pro Woche schlagen sporadische Marathon-Sessions.

## Sicherheitshinweise Baue Kraft und Balance progressiv auf – zu schnelle Steigerungen bei Gewicht oder Umfang sind die häufigste Ursache für Überlastung, gerade im unteren Rücken. Wärme dich vor intensiven Einheiten auf und stoppe bei stechenden Schmerzen. Wenn du bereits Rückenschmerzen hast, lass sie ärztlich abklären, bevor du belastest; gezieltes Core-Training ist Teil der Lösung, aber kein Ersatz für eine Diagnose. Und denk daran: Auch das beste Athletiktraining ersetzt im Sattel weder Helm noch eine sichere Grundausbildung.

## Pro-Tipp Miss deinen Fortschritt dort, wo er zählt: am Einbeinstand mit geschlossenen Augen. Nimm alle vier Wochen die Zeit. Wenn du dich Richtung der rund 58 Sekunden der Elite-Reiter bewegst, überträgt sich das direkt in einen ruhigeren, unabhängigeren Sitz – oft schneller sichtbar als jede Kraftsteigerung. Balance ist der Marker mit dem besten Reit-Transfer.

FAQ

### Welche Übungen machen mich zum besseren Reiter? Die zwei größten Hebel sind Balance und Rumpfstabilität – konkret: Einbeinstände (gern mit geschlossenen Augen), Planke und Seitplanke, Pallof-Press und Bird-Dog, dazu ein paar Hüftöffner. Die trainieren genau das, was dein Sitz braucht: Stabilität gegen Bewegung. Fortgeschrittene aktivieren ihre Körpermitte messbar stärker als Anfänger – und genau das holst du dir hier.

### Warum tut mir nach dem Reiten oft der Rücken weh? Häufigste Ursache ist eine zu schwache Körpermitte: Bis zu 68 % der Reiter berichten chronische Rückenschmerzen, die damit zusammenhängen. Der Rumpf muss dich stabil halten, während sich das Pferd bewegt. Gezieltes Core-Training verbesserte in Studien die Haltungsstabilität und senkte das Anstrengungsempfinden – kläre anhaltende Schmerzen aber ärztlich ab.

### Macht Krafttraining im Fitnessstudio mich zu einem besseren Reiter? Ja, wenn es reitspezifisch ist. Nicht rohe Maximalkraft entscheidet, sondern Balance, Rumpfstabilität und Hüftbeweglichkeit. Elite-Reiter zeigen rund 21 % mehr Rückenkraft und doppelt so gute Balance wie Amateure. Trainiere Anti-Rotation und einbeinige Stabilität, statt nur Gewichte zu bewegen.

### Wie oft sollte ich neben dem Reiten trainieren? 2–3 gezielte Einheiten pro Woche à 20–40 Minuten reichen, plus 1–2 lockere Ausdauereinheiten. Regelmäßigkeit schlägt Umfang: Ein 8-Wochen-Programm mit festem Rhythmus verbesserte die Haltungsstabilität und senkte das Anstrengungsempfinden. Plane feste Termine statt sporadischer langer Sessions.

Schritt für Schritt

  1. Balance zuerst trainieren: Übe Einbeinstände mit offenen und geschlossenen Augen sowie auf dem Wackelkissen, um deinen Sitz überhaupt nutzbar zu machen.
  2. Die Körpermitte gezielt stärken: Setze auf Anti-Rotations- und Haltearbeit wie Planke, Seitplanke, Pallof-Press und Bird-Dog statt auf Sit-ups.
  3. Hüfte und Beweglichkeit öffnen: Integriere tiefe Ausfallschritte, 90/90-Rotationen und Fußgelenk-Mobilität für einen tiefen, ruhigen Schenkel.
  4. Ausdauer-Basis legen: Ergänze 1–2 lockere aerobe Einheiten pro Woche, damit lange Reit- und Turniertage nicht in Ermüdung enden.

Key Takeaways

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