Sprünge im Rallyeauto: Warum „flach und kurz" gelehrt wird, was belegt ist und was nicht, und wie du dich mit Aufschrieb und Instruktor behutsam herantastest.
Die ehrliche Antwort: Bei einem Sprung verlässt das Auto den Boden, meist an einer Kuppe. Trainer lehren, dass flach und kurz zu springen schneller ist und das Auto sowie den Körper schont: vor dem Absprung kurz vom Gas gehen und sofort wieder aufs Gas. Das ist Schulwissen. Belegen können wir es nicht. Wir haben weder eine Studie zum Nutzen von „flach und kurz" gefunden noch eine, die zeigt, dass es den Rücken schont.
Was belegt ist, ist die Belastung. In einer Befragung von 13 Profi- und 105 Amateurrallye-Teilnehmern waren Beschwerden der Lendenwirbelsäule (70 Prozent), der Halswirbelsäule (54 Prozent) und der Schultern (47 Prozent) am häufigsten. Beifahrer klagten häufiger über den Nacken als Fahrer, Fahrer häufiger über Hände und Handgelenke [1]. Die Autoren führen das auf Vibrationen und Stöße im Rallyeauto zurück [1]. Ein Sprung treibt solche Stöße auf die Spitze, das ist Praxiswissen.
Deshalb beschreiben wir hier bewusst keine Anleitung zum Nachmachen. Das Thema ist sicherheitskritisch, die Technik gehört in die Hände eines Instruktors, und auf öffentlichen Straßen ist sie verboten.
Realistisch: Das ist ein Pro-Skill. Die meisten Hobbyfahrer brauchen ihn nie.
Kuppen müssen sicher sitzen, und dein Aufschrieb muss zu jeder Stelle sagen, was dahinter kommt. Frage dich ehrlich: Sind Kuppe, Aufschrieb und Co-Pilot ohne Überraschung im Training gelaufen?
Meilenstein: Alle Kuppen einer Strecke laufen ohne Überraschung, mehrere Durchgänge lang.
Sieh dir den Sprung vorher zu Fuß an: Absprung, Weite, Landung, Untergrund. Schreib auf, woran du die Stelle erkennst. Die Landung musst du kennen, bevor du springst.
Meilenstein: Du beschreibst die Landezone und woran du sie erkennst.
Besprich mit dem Instruktor das Konzept „flach und kurz", also warum er kurz vom Gas geht und wieder aufs Gas, bevor das Auto abhebt. Diese Technik wird gelehrt, ist aber nicht durch Studien belegt. Der Instruktor entscheidet, wann du sie fahren darfst.
Meilenstein: Du kannst das Konzept in eigenen Worten wiedergeben, ohne es allein zu probieren.
Der erste Sprung ist der kleinste, den eure Strecke hergibt, mit dem niedrigsten Tempo, das der Instruktor freigibt. Die Landung zählt mehr als die Weite.
Meilenstein: Eine ruhige Landung, keine Beschädigung am Auto, keine Schmerzen bei euch.
Prüfe nach jedem Sprung das Auto (Fahrwerk, Reifen, Unterboden) und frage Fahrer wie Beifahrer, wie sich der Aufprall angefühlt hat. Dann besprecht, ob ihr den nächsten Schritt geht oder zurück.
Meilenstein: Ihr entscheidet gemeinsam und begründet, ob es weitergeht.
Frage vor dem Sprung nicht „Schaffe ich ihn?", sondern „Was ist mein Plan, wenn die Landung schiefgeht?". Wer darauf keine Antwort hat, springt nicht. Das ist Trainerpraxis. Dass der Körper dabei viel aushalten muss, zeigt die Befragung von 118 Teilnehmern [1]. Schreibe die Antwort in den Aufschrieb, damit auch dein Co-Pilot sie kennt.
Trainer lehren, dass es schneller ist und das Auto schont. Das ist Schulwissen. Eine Studie, die den Nutzen belegt, haben wir nicht gefunden.
Das lässt sich nicht belegen. Belegt ist nur, dass Rückenbeschwerden bei Rallyeteilnehmern sehr häufig sind: Bei 70 Prozent der Befragten betrafen sie die Lendenwirbelsäule [1].
Nein. Auf öffentlichen Straßen sind Rennen und grob rücksichtslose Fahrten nach § 315d StGB strafbar [2]. Übe nur auf abgesperrten, genehmigten Strecken mit Instruktor.
Dazu gibt es keine verlässlichen Daten. Wenn Kuppen, Aufschrieb und Co-Pilot ohne Überraschung funktionieren und ein Instruktor zustimmt, ist der nächste Schritt denkbar.
In der Regel nein. Als Hobbyfahrer gewinnst du mehr mit sicheren Kuppen und gutem Aufschrieb.
Rallye für Einsteiger: Fahrer oder Co-Pilot, welches Auto — und was es wirklich kostet — [object Object]