MTB: Race Preparation

60 oder 90 g Kohlenhydrate pro Stunde? Der Fueling-Plan für den Renntag: die 2:1-Mischung, Gut-Training in 28 Tagen und deine Hitze-Strategie.

Sportart: MTB · Level: Profi

## Einleitung „Wie viele Kohlenhydrate pro Stunde brauche ich im Rennen?" Die ehrliche Antwort ist eine Faustformel nach Renndauer: Unter einer Stunde reichen kleine Mengen oder sogar nur eine Kohlenhydrat-Mundspülung, bei 2–3 Stunden sind es rund 60 g pro Stunde aus einer Einzelquelle, und ab etwa 2,5 Stunden gehen bis zu 90 g pro Stunde — aber nur über die Kombination Glukose:Fruktose im Verhältnis 2:1.

60 g, das sind grob zwei Gels; 90 g eher drei plus eine Iso-Flasche. Ein typisches XCO-Rennen dauert 96 ± 7 Minuten, ein Marathon deutlich länger — dein Fueling-Plan entscheidet also mit über deine Platzierung.

Und er ist trainierbar: Der Darm passt sich in rund 28 Tagen an höhere Zufuhr an. Genau deshalb beginnt Race Preparation nicht am Rennmorgen am Nutella-Glas, sondern vier Wochen vorher. Train Smart. Play Hard.

## Was du brauchst - Deine realistische Renndauer (aus Vorjahresergebnissen oder Streckendaten) - Gels, Riegel oder Getränkpulver mit deklariertem Glukose:Fruktose-Verhältnis - Eine Küchenwaage und fünf Minuten Rechenarbeit pro Rennszenario - Trinkflaschen bzw. Trinkblase plus Plan für die Tech-/Feedzone - 4 Wochen Vorlauf für das Gut-Training - Wetterbericht und Plan B für Hitze

## Schritt für Schritt ### 1. Wie viele Kohlenhydrate pro Stunde brauche ich? Rechne von der Renndauer rückwärts: Unter 1 Stunde bringt viel Essen nichts — kleine Mengen oder eine Mundspülung mit Kohlenhydrat-Getränk liefern bereits den belegten Leistungsvorteil.

Bei 2–3 Stunden liegt das Ziel bei etwa 60 g pro Stunde, denn mehr kann der Körper aus einer einzelnen Quelle nicht oxidieren — das Limit von rund 1 g pro Minute macht in der Stunde genau diese 60 g. Erst ab etwa 2,5 Stunden lohnt das Maximum: bis 90 g pro Stunde, dann aber zwingend als Mehrfach-Transporter-Strategie.

Schreib dir dein Ziel als Gramm-Zahl pro Runde auf, nicht als vages „regelmäßig essen".

### 2. Die 2:1-Mischung verstehen Warum Glukose plus Fruktose? Weil beide unterschiedliche Transporter im Darm nutzen: Die Kombination im Verhältnis 2:1 hebt die Oxidationsrate auf bis zu 1,26 g pro Minute — rund 75 Prozent mehr, als eine Einzelquelle schafft.

In einer MTB-Feldstudie über ein rund 141-minütiges Rennen senkte eine Maltodextrin:Fruktose-Zufuhr von etwa 95 g pro Stunde die Rennzeit um 1,8 Prozent und reduzierte Bauchkrämpfe — als ergänzender Praxisbefund zu werten. Lies die Zutatenliste deiner Gels: Steht dort nur Maltodextrin, ist bei 60 g pro Stunde Schluss.

### 3. Gut-Training: 28 Tage für den Darm Die Aufnahmekapazität deines Darms ist kein Schicksal: Rund 28 Tage erhöhte Kohlenhydrat-Zufuhr steigern die exogene Oxidation über eine Hochregulation der Transporter.

Praktisch heißt das: Ab vier Wochen vor dem Ziel-Rennen übst du deine Renn-Zufuhr in jeder harten Einheit — gleiche Produkte, gleiche Menge, gleiche Frequenz wie am Renntag. Das ist auch deine Versicherung gegen das häufigste Renntag-Drama: 5–47 Prozent der Fahrer berichten Magen-Darm-Symptome nach Events.

Am Renntag wird nichts Neues getestet. Nichts.

### 4. Den Renntag-Plan schreiben Ein Plan, den du unter Puls 180 nicht abrufen kannst, ist keiner. Takte dein Fueling pro Runde: Im XCO wird rund 27 Prozent der Zeit nicht getreten — diese Abfahrts- und Rollpassagen sind deine Ess- und Trinkfenster, nicht der Anstieg und nicht die technische Sektion.

Kleb dir die Gel-Zeitpunkte als Streifen aufs Oberrohr, verteile Flaschen in der Feedzone und iss vom Start weg, nicht erst bei Kilometer 30: Der Magen nimmt unter Belastung besser auf, wenn er kontinuierlich statt in Paniknachschüben gefüttert wird — geübt hast du das im Gut-Training.

### 5. Hitze ernst nehmen Umgebungstemperaturen über 20 °C sind im MTB-Rennsport signifikant mit mehr Verletzungen assoziiert — Hitze macht nicht nur langsam, sie macht fehleranfällig.

Passe bei warmen Bedingungen Trinkmenge und Tempo bewusst an, kühle vor dem Start (Schatten, kalte Flasche im Nacken) und plane mehr Flüssigkeit pro Runde ein, als du im Frühjahrs-Training gebraucht hast. Schweißverlust ist individuell hoch variabel — teste deine Trinkmengen in heißen Trainingseinheiten, bevor das Rennen es für dich testet.

## Häufige Fehler - Am Renntag improvisierenKorrektur: GI-Symptome treffen bis zu 47 % der Fahrer; alles wird vorher geübt. - Nur Wasser bei 2+ Stunden RenndauerKorrektur: ab dieser Dauer ist die 60-g-Marke leistungsrelevant. - 90 g/h aus reiner GlukoseKorrektur: über 60 g/h ohne Fruktose-Anteil staut es im Darm; die 2:1-Mischung ist Pflicht. - Fueling in die technischen Passagen legenKorrektur: iss in den Roll- und Abfahrtsfenstern, dort wird ohnehin nicht getreten. - Hitze wie einen normalen Renntag behandelnKorrektur: über 20 °C steigt das Verletzungsrisiko messbar.

## Sicherheitshinweise Magen-Darm-Probleme im Rennen sind mehr als lästig: Krämpfe und Übelkeit kosten Konzentration — und Konzentrationsverlust ist im technischen Gelände ein Sturzrisiko.

Taste dich an hohe Zufuhrmengen schrittweise heran und bleib darunter, wenn dein System rebelliert: 60 g pro Stunde gut vertragen schlagen 90 g pro Stunde mit Würgereiz. Bei Hitze gilt doppelte Vorsicht: mehr trinken, früher kühlen, Tempo kontrollieren. Und kein Experiment — weder neue Gels noch neue Koffein-Dosen — erlebt seine Premiere im Rennen.

## Pro-Tipp Rechne dein Fueling in „Einheiten pro Runde" statt in Gramm pro Stunde um: Bei einem 90-Minuten-Rennen mit sechs Runden und einem 60-g-Ziel sind das zum Beispiel ein Gel à 25 g alle anderthalb Runden plus Iso-Flasche.

Unter Rennstress kannst du „jede zweite Runde am Feedzonen-Ausgang" abrufen — „alle 22 Minuten 25 Gramm" nicht. Der beste Plan ist der, der unter Puls 180 noch funktioniert.

## FAQ ### Wie viele Kohlenhydrate pro Stunde brauche ich im MTB-Marathon? Ab etwa 2,5 Stunden Renndauer: bis zu 90 g pro Stunde (grob drei Gels), zwingend aus Glukose:Fruktose im Verhältnis 2:1 — nur so erreicht die Oxidation bis zu 1,26 g pro Minute. Eine MTB-Feldstudie mit rund 95 g pro Stunde zeigte 1,8 Prozent schnellere Rennzeiten und weniger Bauchkrämpfe. Voraussetzung: vorher im Training geübt.

### Muss ich meinen Magen an die Gel-Menge gewöhnen? Ja — und es funktioniert nachweislich: Rund 28 Tage erhöhte Kohlenhydrat-Zufuhr steigern die Aufnahmefähigkeit über eine Hochregulation der Darm-Transporter. Übe deine Renn-Zufuhr ab vier Wochen vorher in jeder harten Einheit mit exakt den Produkten und Mengen des Renntags. Improvisation rächt sich: Bis zu 47 Prozent der Fahrer berichten Magen-Darm-Symptome nach Events.

### Was esse und trinke ich auf langen MTB-Touren und im Rennen? Nach Dauer gestaffelt: bis 1 Stunde wenig bis nichts, 2–3 Stunden rund 60 g Kohlenhydrate pro Stunde aus Gels, Riegeln oder Getränk, darüber bis 90 g pro Stunde aus der 2:1-Glukose:Fruktose-Mischung. Trinken nach Durst plus Hitze-Aufschlag; bei über 20 °C großzügiger planen. Essen in Roll-Passagen, nicht in technischen Sektionen.

### Brauche ich für eine 1-Stunden-Runde schon Gels? Nein. Unter einer Stunde bringt substanzielles Essen keinen belegten Vorteil — kleine Mengen oder sogar eine reine Kohlenhydrat-Mundspülung reichen für den messbaren Leistungseffekt. Spar dir die Gels für lange Einheiten und nutze kurze Runden lieber, um Trinken aus der Flasche im Gelände zu üben.

Schritt für Schritt

  1. KH-Ziel nach Renndauer festlegen: Unter 1 h: wenig bis Mundspülung. 2–3 h: ~60 g/h. Über ~2,5 h: bis 90 g/h aus der 2:1-Mischung.
  2. Die 2:1-Mischung nutzen: Glukose:Fruktose 2:1 hebt die Oxidation auf bis zu 1,26 g/min — rund 75 % mehr als eine Einzelquelle.
  3. Gut-Training starten: 28 Tage vor dem Rennen den Darm an die Wettkampf-Zufuhr gewöhnen — in jeder harten Einheit üben.
  4. Renntag-Plan schreiben: Wann, was, wo auf der Strecke: Fueling in die ruhigen Passagen legen und pro Runde durchtakten.
  5. Hitze einplanen: Über 20 °C steigt das Risiko messbar — Trinkmenge, Kühlung und Tempo bewusst anpassen.

Key Takeaways

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