Speedklettern: Der Tomoa Skip und die Technikrevolution

Der Tomoa Skip hat seit 2018 die Weltrekorde um über eine Sekunde gedrückt. Wie die Technik funktioniert, was sie bringt und warum du sie nicht sofort lernen solltest.

Sportart: Klettern · Level: Fortgeschritten

Einleitung

Die ehrliche Antwort vorweg: Eine einzige Bewegungsidee hat die Weltrekorde im Speedklettern binnen weniger Jahre um mehr als eine Sekunde gedrückt – der Tomoa Skip. 2018 brachte der japanische Boulder-Spezialist Tomoa Narasaki eine Bewegung aus dem Bouldern mit an die Speed-Wand, die den Start komplett neu dachte [1].

Die Idee: Statt vom ersten Griff seitlich zu Griff 2 auszuweichen, springt der Tomoa Skip per Step-up-Dyno direkt von Griff 1 zu Griff 3 – Griff 2 wird komplett übersprungen [1]. Klingt nach einer kleinen Abkürzung, bringt aber laut Analyse rund 14,5 % weniger Zeit [2]. Zum Greifen: Bei einer Bestzeit von 7,0 Sekunden ohne die Technik landest du mit ihr bei etwa 5,98 Sekunden [2] – fast eine ganze Sekunde, nur weil du einen einzigen Griff nicht mehr anfasst.

Der Effekt auf die Weltrekorde ist messbar: Zwischen 2012 und 2017 fiel der Männer-Rekord sechsmal, zwischen 2018 und 2023 – seit der Verbreitung des Tomoa Skip – gleich neunmal [3]. Bei den Frauen stehen 7 Rekorde vor 2018 gegen 12 danach [3]. 2018 war zudem das erste Jahr, in dem Männer überhaupt unter fünf Sekunden kletterten [3]. Bis 2022 hatte sich die Technik so durchgesetzt, dass kaum noch ein Profi ohne sie startete [2].

Was die Technik wirklich schnell macht, zeigt die Biomechanik dahinter: Bei Analysen des Starts korreliert der Beinwinkel stärker mit der Startleistung als der Armwinkel [4], und kürzere Bodenkontaktzeiten hängen direkt mit besseren Zeiten zusammen [4] – wer die Füße schneller wieder von der Wand löst, verliert weniger Energie an den Boden. Bei erfahrenen Athleten sind zudem die Kraftrichtungen von Händen und Füßen enger aufeinander ausgerichtet, was die Gesamtkraft und damit die Beschleunigung erhöht [5].

Train Smart. Play Hard. – gerade hier heißt das: Erst die Grundtechnik aus dem letzten Guide bombenfest, dann erst an der Innovation feilen.

Was du brauchst

Schritt für Schritt

1. Verstehe die klassische Startbewegung zuerst

Vor 2018 kletterten fast alle Athleten seitlich von Griff 1 zu Griff 2, dann weiter nach oben – eine Ausweichbewegung, die Zeit kostet, aber sicherer wirkt. Diese Version lohnt sich, bevor du an Abkürzungen denkst.

2. Lern die Idee hinter dem Tomoa Skip

Statt der seitlichen Ausweichbewegung springst du per Step-up-Dyno direkt von Griff 1 zu Griff 3 [1]. Der Trick: Ein Fuß steigt auf denselben Griff wie die Hände, der andere sucht kurz Reibung an der Wand, dann folgt der dynamische Sprung nach oben.

3. Ordne den Zeitgewinn realistisch ein

Die rund 14,5 % Zeitersparnis [2] gelten für den Start, nicht für die ganze Route – auf 15 Metern ist das trotzdem der Unterschied zwischen Podium und Mittelfeld. Erwarte diesen Sprung aber nicht sofort: Profis haben Jahre gebraucht, bis die Bewegung so saß wie beim alten Start.

4. Arbeite gezielt an Beinwinkel und Bodenkontaktzeit

Weil der Beinwinkel stärker mit der Leistung korreliert als die Armarbeit [4], lohnt sich isoliertes Training der Fußposition und -ablösung. Übe, den Fuß so kurz wie möglich auf der Wand zu lassen – jede Millisekunde weniger Kontakt bedeutet mehr Energie, die nach oben statt in den Boden geht.

5. Lern die Technik nur mit Anleitung

Der Tomoa Skip ist eine Sprungtechnik mit hoher Belastung auf Knie und Sprunggelenk bei der Landung. Übe sie erst tief über einer Matte, ohne Zeitdruck, und erst mit einem Trainer, der deine Landetechnik korrigiert.

Häufige Fehler

Sicherheitshinweise

Die dynamische Sprungbewegung des Tomoa Skip belastet Knie und Sprunggelenk deutlich stärker als der klassische Start. Übe neue Beta-Varianten deshalb zuerst langsam, kontrolliert und mit weicher Landung, bevor Tempo dazukommt. Ein unkontrollierter Dyno mit falscher Fußlandung ist eine der häufigsten Ursachen für akute Verletzungen im Speedklettern – lieber eine Einheit mehr in Ruhe üben als eine Woche wegen einer Zerrung pausieren.

Pro-Tipp

Leg dein eigenes Zeitlupenvideo vom Start direkt neben ein Weltcup-Video derselben Sektion. Du siehst in Sekunden, ob dein Fuß zu lange auf der Wand bleibt oder deine Hüfte zu spät nachzieht – Details, die sich in normalem Tempo komplett verstecken.

FAQ

Was ist der Tomoa Skip genau?

Eine Startvariante, bei der du per Step-up-Dyno direkt von Griff 1 zu Griff 3 springst und Griff 2 komplett auslässt [1]. 2018 von Tomoa Narasaki eingeführt, ist sie heute die Standard-Beta fast aller Profis [2].

Wie viel schneller macht der Tomoa Skip wirklich?

Rund 14,5 % im Start-Segment [2] – bei einer Bestzeit von 7,0 Sekunden ohne Technik macht das rechnerisch etwa 5,98 Sekunden mit ihr [2]. Der Effekt zeigt sich auch in der Rekordstatistik: mehr als doppelt so viele Weltrekorde seit 2018 wie in den sechs Jahren davor [3].

Muss ich als Einsteiger den Tomoa Skip können?

Nein. Lern zuerst die klassische, seitliche Startbewegung sicher und konstant. Der Tomoa Skip ist eine fortgeschrittene Technik mit hoher Sprungbelastung – sie lohnt sich erst, wenn die Grundlagen automatisiert sind.

Wird es weitere Technikrevolutionen wie den Tomoa Skip geben?

Wahrscheinlich. Seit 2018 haben Athleten begonnen, auch andere Wandabschnitte auf ähnliche Abkürzungen zu untersuchen. Weil die Route weltweit fix ist, verbreitet sich jede neue, funktionierende Idee extrem schnell über die gesamte Szene.

Schritt für Schritt

  1. Klassischen Start beherrschen: Erst die seitliche Ausweichbewegung von Griff 1 zu Griff 2 sicher und konstant klettern.
  2. Tomoa Skip verstehen: Step-up-Dyno direkt von Griff 1 zu Griff 3, Griff 2 wird komplett übersprungen.
  3. Beinwinkel und Bodenkontakt trainieren: Beide korrelieren stärker mit der Startleistung als die Armarbeit — isoliert üben.
  4. Nur mit Anleitung lernen: Hohe Kniebelastung bei der Landung — erst über Matte, dann mit Trainer an der Wand.

Key Takeaways

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