Selbstsicherung am Stand: Fixpunkt, Zentralpunkt, Zug nach oben

Am Stand bist du ohne Redundanz gesichert. Wie du Fixpunkte beurteilst, den Zug nach oben mitdenkst und warum du den Aufbau erst belastest, dann löst.

Sportart: Klettern · Level: Fortgeschritten

Einleitung

Selbstsicherung am Stand heißt: Du hängst an einem Punkt und hast nichts dahinter. Die ehrliche Antwort auf „Wie sicher ist das?": So sicher wie der Fixpunkt, an dem du hängst, und so sicher wie dein Check. Die DAV-Sicherheitsforschung sagt es nüchtern: Bei allen Aktionen am Stand sind wir stets ohne Redundanz gesichert, und der Standplatz muss deshalb solide sein [1].

Das ist keine Theorie. Zwei DAV-Kursunfälle beim Abseilen wurden von der Sicherheitsforschung analysiert. In beiden hatten die Verunglückten das Abseilen kurz zuvor im Kurs gelernt, in beiden war von einem Blackout auszugehen. Die Selbstsicherung wurde ausgehängt, bevor die Aufhängung unter Last geprüft war [1].

Die Standplatz-Serie des DAV beschreibt drei Kriterien: ausreichend sicher, schnell, übersichtlich [2]. Dieser Guide behandelt das erste. Wie du dich mit dem Mastwurf selbst anbindest, steht im Guide davor. Hier geht es um die Frage, woran du hängst.

Der Knoten ist der kleine Teil. Der Fixpunkt ist der große.

Was du brauchst

Eingangs-Kriterien (Praxis-Standard):

Schritt für Schritt

1. Den Fixpunkt beurteilen

Bevor du dich anbindest, schaust du, was den Stand trägt. Die DAV-Serie zum Stand ohne Bohrhaken nennt Hinweise: Ein Köpfel (kleiner Felsvorsprung) muss gut verwachsen sein; man prüft es mit einer Hand am Fels und einem flachen Schlag der anderen, und eine deutliche Vibration spricht dagegen. Bäume sollten nicht morsch und mindestens oberarmdick sein, Sanduhren mindestens armdick und rissfrei [4]. Bei Bohrhaken beurteilt der DAV im Klettergarten ebenfalls, ob sie zeitgemäß und sicher erscheinen [3].

Meilenstein: Du nennst im Kurs für fünf Fixpunkte, warum du sie nimmst oder verwirfst.

2. Zentralpunkt und Länge

Alles läuft zu einem Zentralpunkt, an dem du dich anbindest. Bei Mehrseillängen bereitet man für Nachsteigende eigene Verschlusskarabiner im Zentralpunkt vor, damit die Länge der Selbstsicherung passt [2]. Dein Trainer zeigt dir, wie lang die Selbstsicherung für deine Situation sein soll.

Meilenstein: Du stehst im Kurs am Stand, ohne im Seil zu hängen, und kommst trotzdem an alles heran.

3. Zug nach oben mitdenken

Ein Stand wirkt nicht nur nach unten. Bei einem Sturz in die Zwischensicherung zieht es das System nach oben, und ohne Abspannen kann der Zentralpunkt hochgerissen werden. Der DAV warnt: Wer dabei an die Wand geschlagen wird, kann die Kontrolle über das Bremsseil verlieren. Abhilfe ist, den Zentralpunkt nach unten abzuspannen, und nahe an der Wand zu stehen [4].

Meilenstein: Du beschreibst im Kurs die drei Richtungen, in die ein Sturzzug wirken kann: nach oben, zur Seite und nach unten [4].

4. Selbstsicherung beim Fädeln am Umlenker

Beim Fädeln und Abbauen im Klettergarten gelten klare Regeln: Das Seil wird im Sicherungsring des Gurts fixiert (Redundanz), und die aus Exen bestehende Selbstsicherung darf währenddessen nicht entlastet werden. Das Kommando „Stand" wird nicht gerufen [3].

Meilenstein: Du fädelst im Kurs ein Seil durch den Umlenker, ohne dass die Selbstsicherung je entlastet wird.

5. Den Aufbau belasten, dann lösen

Der Selbstcheck vor dem Abseilen heißt Belastungstest: Noch selbstgesichert belastest du die Aufhängung, prüfst Seil, Gerät und Hintersicherung, und erst dann hängst du die Selbstsicherung aus [1]. Genau dieser Schritt hätte beide Unfälle verhindert [1].

Meilenstein: Du machst den Test im Kurs jedes Mal, ohne dass dich jemand erinnert.

Häufige Fehler

Sicherheitshinweise

Dieser Guide erklärt und motiviert, er ersetzt kein betreutes Training. Stände baust du im Kurs mit Trainer, der sie bewertet.

Pro-Tipp

Sprich beim Aufbau dreimal laut, was du siehst: „Fixpunkt: Bohrhaken, Zustand gut. Zentralpunkt: verschlossen. Sicherung: belastet getestet." Dreimal laut sprechen schlägt dreimal stumm denken, weil du den Satz nicht abkürzen kannst. Das ist Kurspraxis, keine Studienaussage.

FAQ

Wie sicher ist die Selbstsicherung am Stand?

Sie ist so sicher wie der Fixpunkt und dein Check. Der DAV betont, dass am Stand keine Redundanz vorhanden ist, der Stand muss deshalb solide sein [1].

Brauche ich eine Selbstsicherung auch im Klettergarten?

Beim Fädeln und Abbauen ja: Das Seil wird im Sicherungsring fixiert, und die Selbstsicherung wird währenddessen nicht entlastet [3]. Das lernst du im Outdoor-Kurs.

Was ist ein Zentralpunkt?

Der Punkt, an dem alle Fixpunkte zusammenlaufen und an dem du dich anbindest. Bei Mehrseillängen kommen dort auch eigene Verschlusskarabiner für Nachsteigende hin [2].

Was bedeutet Belastungstest?

Du belastest den Aufbau, solange du noch selbstgesichert bist, und prüfst Seil, Gerät und Hintersicherung. Erst dann löst du die Selbstsicherung. So hätten beide DAV-Kursunfälle vermieden werden können [1].

Wann rufe ich „Stand"?

Nur, wenn der Kletternde aus der Sicherung genommen werden soll. Beim Fädeln im Klettergarten gilt: kein Kommando „Stand" [3].

Schritt für Schritt

  1. Fixpunkt beurteilen: Köpfel, Baum, Sanduhr oder Bohrhaken auf Qualität prüfen; bei Zweifel weitere Punkte einbeziehen.
  2. Zentralpunkt und Länge: Alles läuft zum Zentralpunkt; Länge der Selbstsicherung passend zur Situation einstellen.
  3. Zug nach oben mitdenken: Zentralpunkt nach unten abspannen und nahe der Wand stehen, damit du nicht hochgerissen wirst.
  4. Fädeln am Umlenker: Seil im Sicherungsring fixieren, Selbstsicherung nicht entlasten, kein Kommando „Stand".
  5. Belastungstest: Aufhängung belasten und prüfen, erst danach die Selbstsicherung aushängen.

Key Takeaways

Nächster Guide

Prusikknoten: die Hintersicherung beim Abseilen — [object Object]

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