Der HMS sichert mit einem Schraubkarabiner und Reibung. Wo er sinnvoll ist, wo nicht und warum du ihn nur im Kurs mit einem Trainer lernen solltest.
Der Halbmastwurf, kurz HMS, ist die einfachste Art, ein Seil als Bremse zu benutzen: Das Seil läuft in Windungen um einen Schraubkarabiner, und die Reibung ersetzt das Sicherungsgerät. Die ehrliche Antwort auf „Brauche ich den überhaupt noch?": In der Halle nein, am Berg manchmal ja, und im Notfall ist er der Knoten, der mit einem einzigen Karabiner funktioniert.
Der Vorteil ist radikal einfach: Es wird nur ein Schraubkarabiner gebraucht [1]. Heute nutzt man den HMS vor allem im alpinen Bereich bei leichten Mehrseillängenrouten, besonders vom Standplatz aus. Dort sichert man Vor- und Nachsteiger, ohne direkt Teil der Sicherungskette zu sein, und wird bei einem Sturz nicht unkontrolliert zur Wand gezogen [1].
Der Preis: Der HMS verzeiht keine Sicherungsfehler und verdrallt das Seil [1]. Der Deutsche Alpenverein empfiehlt für Kletterhallen und Klettergärten deshalb unterstützte Tuber oder Halbautomaten, weil sie bei Verlust des Bremsseils die Chance auf einen Bodensturz massiv senken [1].
Der HMS ist der Reservefallschirm unter den Sicherungstechniken: Du willst ihn kennen, aber nicht jeden Tag benutzen.
Eingangs-Kriterien (Praxis-Standard):
Gerät und Knoten bremsen nach demselben Prinzip: Reibung. Wie beim Fahrradfahren: ohne Bremsbelag müsstest du die Füße auf den Boden setzen, mit Bremse reicht ein leichter Druck am Hebel [1]. Beim HMS entsteht die Reibung im Karabiner, und deine Bremshand bleibt der letzte Teil der Kette.
Meilenstein: Du erklärst deinem Trainer in eigenen Worten, wo beim HMS die Reibung entsteht und warum die Bremshand nie loslassen darf.
Das Einlegen übst du im Kurs ohne Last und mit Trainer. Der DAV beschreibt für das Umbauen am Stand: das Vorstiegsseil „in Linie", also so, wie es nach oben laufen soll, im HMS-Karabiner einlegen, sodass es störungsfrei und über den „gesunden Schenkel" des Karabiners läuft [2].
Meilenstein: Du legst den HMS dreimal hintereinander richtig ein, ohne dass dein Trainer korrigiert.
Beim Einholen des Seils verfallen manchmal auch routinierte Sichernde in den gefährlichen „Pinzettengriff", bei dem das Bremsseil nur noch mit zwei Fingern gehalten wird [2]. Genau dagegen übst du die Position der Bremshand, bis sie automatisch sitzt.
Meilenstein: Dein Trainer sieht dich zehn Meter Seil einholen, ohne dass die Bremshand je das Seil verlässt.
Einen Sturz hältst du im Kurs zuerst mit Gewicht an einer Hintersicherung durch Trainer oder dritten Partner. So spürst du, wie sich der Zug über die Bremshand anfühlt, ohne dass etwas passieren kann.
Meilenstein: Du hast mehrere Stürze im Kurs gehalten und danach das Seil sauber umgebaut.
Einer der wichtigsten Skills ist die Entscheidung gegen den HMS. Bei zwei Nachsteigenden lässt er sich nicht vernünftig sichern, hier ist die Platte Standard [2]. Und beim Halbseil-Einsatz mit nur einem belasteten Strang kann der unbelastete zweite Strang durch den Seildurchlauf erheblich Schaden nehmen, bis zur Durchtrennung [3].
Meilenstein: Du nennst drei Situationen, in denen du den HMS nicht wählst.
Sichern ist die Rolle, in der Fehler am teuersten sind. In einer österreichischen Auswertung von Kletter-Rettungseinsätzen waren 138 Stürze von einem Sicherungsfehler begleitet. Die Autoren raten zu hoher Aufmerksamkeit beim Sichern [5]. Der HMS ist fehlerempfindlicher als moderne Geräte: Lässt du das Bremsseil los, hält nichts mehr. Das ist der Grund, warum der DAV Halbautomaten als primäres Sicherungsgerät fürs Sportklettern empfiehlt [6].
Übe den HMS einmal bewusst auf dem Boden mit einem Gewicht, zum Beispiel einem vollen Rucksack an einer Hintersicherung. Du lernst in Ruhe, wie das Seil läuft und wie viel Kraft die Bremshand braucht. Das ist Kurspraxis, keine Studienaussage, aber so verstehst du den Knoten, bevor er es im Ernstfall verlangt.
Vor allem im alpinen Gelände bei leichten Mehrseillängen, besonders vom Standplatz aus, und als Lösung, wenn nur ein Schraubkarabiner zur Verfügung steht [1]. In Halle und Klettergarten ist er nicht das empfohlene Standardgerät.
Nicht automatisch. Bei richtigem Handling ist die Bremswirkung hoch, ein DAV-Fachartikel nennt den HMS bei Doppel- oder Zwillingsseil beim Bremswert sogar besser als jedes Tube [3]. Gleichzeitig verzeiht er keine Sicherungsfehler und verdrallt das Seil [1].
Der HMS legt das Seil in Windungen um den Karabiner und erzeugt dabei Seilkrangel [1]. Das gehört zur Technik. Legst du das Seil „in Linie" ein, bleibt es besser handhabbar [2].
Nein. Das Einlegen sieht einfach aus, aber ein Fehler bleibt unbemerkt, bis der erste Sturz kommt. Lern den HMS im Kurs mit Trainer und Hintersicherung.
Bei zwei Nachsteigenden gleichzeitig, wenn die Platte besser passt [2], und beim Halbseil mit nur einem belasteten Strang [3]. Im Zweifel wählst du das Gerät, das du im Kurs kennengelernt hast.
Mastwurf: der Allzweckknoten zur Selbstsicherung am Stand — [object Object]