Ein Fingerklemmer hält durch Verdrehen im Riss. So lernst du ihn im Toprope, dosierst die Belastung und siehst, warum Vorstieg im Riss ein eigener Kurs ist.
Ein Fingerklemmer ist ein Griff, den es nur im Riss gibt: Du steckst die Finger in einen schmalen Spalt und verdrehst sie, bis sie klemmen. Die ehrliche Antwort auf „Tut das nicht höllisch weh?": Anfangs ja, weil die Haut an der Rissöffnung reibt. Mit der Zeit gewöhnst du dich daran. Was du nicht wegtrainieren sollst, ist der Respekt vor deinen Fingern.
Finger sind beim Klettern die häufigste Schwachstelle. Eine systematische Übersicht kam zu dem Schluss, dass Überlastungsverletzungen, vor allem an Fingern und Schultern, bei erwachsenen Kletternden häufiger sind als akute Verletzungen [1]. Eine Bewegungsanalyse nennt den Riss eines Ringbandes (Pulley) als eine der häufigsten Kletterverletzungen [2].
Zur Wahrheit gehört auch: Ob Fingerklemmer im Riss die Ringbänder ähnlich belasten wie ein Crimp, habe ich in keiner geprüften Studie gefunden. Deshalb dosierst du vorsichtig und lernst die Technik, wo du abgesichert bist.
Im Riss klettert nicht der stärkste Finger, sondern der, der am längsten gesund bleibt.
Eingangs-Kriterien (Praxis-Standard):
Ein Fingerklemmer braucht einen Riss, in den nur die Fingerspitzen bis zum ersten oder zweiten Glied passen. Such dir für den Start einen Boden-Riss oder eine Rissmaschine und teste, ob die Finger mit leichter Verdrehung halten. Der Fels sollte sauber und nicht scharfkantig sein.
Meilenstein: Du hängst 10 Sekunden mit einer Hand im Fingerklemmer, Füße am Boden, ohne zu rutschen. (Richtwert aus Kurspraxis.)
Bei einem Fingerklemmer steckst du die Finger in den Riss, und der Daumen zeigt meist nach unten. Du verdrehst die Hand um die Armachse, sodass die Finger im Riss kippen und sich verkeilen. Die Kraft kommt aus der Verdrehung, nicht aus dem Zug.
Meilenstein: Du setzt den Klemmer mit beiden Händen dreimal sauber und löst ihn ebenso.
Im Klemmer hängst du am Skelett, nicht am Bizeps. Halte den Arm lang und lass die Füße arbeiten, so wie in der Rissklettertechnik allgemein. Zug erzeugt Zug an den Fingern.
Meilenstein: Du stehst zwei Züge lang im Riss so, dass du die Arme einmal ausschütteln kannst.
Fingerklemmer sind Zwischenhalte, keine Rastplätze. Plane Wechsel, sodass jeder Finger-Griff nur wenige Sekunden trägt, und gönne dir Pausen. Fingerkraft schützt: Verringerte Griff- und Fingerkraft ist mit mehr Überlastungsverletzungen verbunden [3].
Meilenstein: Du kletterst eine leichte Risslänge im Toprope und wechselst Hand und Griff vorausschauend.
Wer im Riss vorsteigen will, braucht mobile Sicherungsmittel. Der DAV schreibt dazu: Ihre sichere Verwendung setzt Erfahrung voraus und wird am besten in weiterführenden Kursen erlernt [4]. Bis dahin bleibst du im Toprope.
Meilenstein: Du kannst begründen, warum du den Riss noch nicht vorsteigst.
Zwei Risiken laufen im Riss parallel: das akute und das schleichende.
Akut ist es der Sturz an Felsen. In einer Auswertung österreichischer Kletter-Rettungen stiegen die Risiken für schwere oder tödliche Verletzungen, wenn ohne Helm oder ohne Seil geklettert wurde [5]. Der DAV empfiehlt Helm am Fels generell, weil Steinschlag und Anprall nicht auszuschließen sind [4].
Schleichend ist es die Überlastung. In einer Übersicht über 34 Studien waren stärkere Belastung, Bouldern, geringe Griffkraft, Crimp-Griff und frühere Verletzungen mit mehr Überlastungsverletzungen verbunden. Krafttraining beugte Schulter- und Ellbogenverletzungen vor [3]. Tape, Dehnen oder Aufwärmen zeigten keinen solchen Zusammenhang [3].
Probiere denselben Fingerklemmer in zwei Richtungen aus, mit Daumen unten und mit Daumen oben. Je nach Rissbreite und -richtung hält eine der beiden Positionen besser, und du lernst, schon vor dem Hineingehen zu spüren, welche. Das ist Praxis aus dem Rissklettern, keine Studienaussage.
Er ist unangenehm, vor allem an der Haut. Mit Gewöhnung wird das besser. Aber Schmerzen im Finger selbst, besonders an der Fingerbeuge, sind ein Warnsignal, dann pausierst du.
Es schützt die Haut vor Abschürfungen. Als Schutz vor Überlastung ist es nicht belegt: Taping war in einer systematischen Übersicht nicht mit weniger Überlastungsverletzungen verbunden [3].
Dazu habe ich keine belastbare Studie gefunden. Praxis: Plane Pausen und steigere langsam, besonders wenn du vorher Fingerbeschwerden hattest.
Einen direkten Vergleich habe ich nicht gefunden. Am Fels hängt das Risiko von Gelände, Helm und Absicherung ab [5]. Im Riss kommt mobile Sicherung dazu, die du im Kurs lernst [4].
Nur an einer echten Rissmaschine oder einem Bodenriss. Ohne Riss gibt es keinen Klemmer.
Fußklemmer: Stehen im Riss, ohne dass es den Fuß kostet — [object Object]