Weich sichern mildert den Anprall, ohne den Boden zu riskieren. Körper- und Sensorhanddynamik erklärt, und wann welche Methode in den Kurs gehört.
Dynamisch sichern heißt: Du hältst einen Vorstiegssturz nicht nur, sondern fängst ihn weich ab, damit die Kletternde nicht hart an die Wand knallt. Die ehrliche Antwort auf „Ist weich nicht immer besser?": Nein. Weich geht nur, solange kein Boden und keine Kollision drohen. In Bodennähe sollst du eher „angemessen kurz" als zu dynamisch bremsen [1].
Das Problem, das du lösen willst, steht in der DAV-Statistik. Zu hartes Sichern mit Halbautomat kann zu Anprallverletzungen führen, etwa am empfindlichen Sprunggelenk [1]. Ein Beispiel aus 2018: Sturz beim Einhängen der 6. Expresse, harter Anprall, zu hart gesichert, Schienbein gebrochen [2]. In 2022 prallte eine Kletterin kurz vor dem Umlenker mit den Füßen voraus an die Wand, weil der etwas schwerere Sicherer zunächst nach hinten ging: Unterschenkelbruch [3].
Das Gegenstück: Wer zu weich sichert, riskiert den Boden. In einem 2022er Fall (geplantes Sturztraining) gab ein Sicherer Seil aus, weil er dachte, der Kletterer wolle die 7. Expresse klippen. Der Kletterer sprang ins Seil und fiel zu Boden, Trümmerbrüche in beiden Fersen [3].
Weich sichern ist kein Komfort-Feature, sondern ein Balanceakt zwischen Wandanprall und Bodensturz.
Eingangs-Kriterien (Praxis-Standard und DAV-Hinweis):
Der DAV unterscheidet klar: Solange eine Bodensturz- oder Kollisionsgefahr besteht, in der Halle bis zur 4. bis 6. Expresse, darf kein Schlappseil im Spiel sein, und der Sturz soll eher kurz als dynamisch gebremst werden [1]. Weiche Sicherung ist ein Skill für die Wandmitte und darüber, nicht für die ersten Expressen.
Meilenstein: Du nennst im Kurs, bis zu welcher Expresse du nach DAV-Regel nicht dynamisch sicherst.
Die Ausgangsposition ist dieselbe wie für gutes Sichern: maximal ein Meter außerhalb der Falllinie der ersten Sicherung, reaktionsbereit in leichter Schrittstellung rechtwinklig zur Wand. Das Gerät hängt etwa auf Bauchnabelhöhe, Bremshand am Bremsseil, Führungshand knapp über dem Gerät [1]. Jenseits der Bodensturzgefahr sind 20 bis 50 Zentimeter Schlappseil üblich [4].
Meilenstein: Du stehst im Kurs in der Position und deine Trainerin findet nichts zu korrigieren.
Mit Halbautomaten geht „weich" nicht über das Gerät, sondern über deinen Körper: Aus der Schrittstellung lässt du dich vom Sturzzug nach oben ziehen und unterstützt die Bewegung aktiv [1]. Das funktioniert aber nur, wenn die Partner ähnlich schwer sind. Bei deutlich leichteren Kletternden wird gutes körperdynamisches Sichern extrem lehr- und übungsintensiv, ab etwa 20 Kilo Unterschied kaum noch gut leistbar [1].
Meilenstein: Du hältst im Kurs mehrere Stürze eines gleich schweren Partners und gehst mit dem Zug mit.
Reibung im Seilverlauf macht die Vorsteigenden aus Sicht der Sichernden „leichter". Das kann ein Zick-Zack-Verlauf der Zwischensicherungen sein, eine Dachkante, ein dickes raues Seil oder ein Reibungsgerät [1]. Wird das Seil über zwei Ecken und eine Dachkante gezogen, kommt selbst bei einem 90-Kilo-Vorsteiger nicht mehr genug Zug an, damit Körperdynamik wirkt, und der Sturz wird hart [1].
Meilenstein: Du erklärst, wie du bei zwei verschiedenen Routen einschätzt, wie viel Zug bei dir ankommt.
Der DAV hat die Sensorhanddynamik 2017 als Untersuchungsthema aufgenommen und in der Trainerausbildung erprobt (Stand des Artikels: 2018). Dabei hältst du etwaiges Schlappseil nicht zwischen Führungshand und Kletternder, sondern zwischen Führungshand und Gerät: Es ist eine „erste Bremsstufe", danach folgt die Körperdynamik. Die Methode ist nur sinnvoll, wenn du die vorsteigende Person allein mit der Sensorhand halten kannst, und die wirksame Obergrenze liegt bei geringer Reibung bei etwa 60 kg Vorsteigergewicht [1]. Sie ist erst erlaubt, wenn ein Bodensturz oder Aufprall ausgeschlossen ist [1].
Meilenstein: Du erklärst, warum die Sensorschlaufe nie länger als dein Arm sein darf: Sonst drohen Verbrennungen oder Schulterverletzungen [1].
Das Wichtigste vorweg: Das sichere Halten steht immer über der Weichheit. Halbautomaten haben bei korrekter Bedienung eine höhere Sicherheitsreserve, deshalb empfiehlt sie der DAV seit 2015 als primäres Sicherungsgerät fürs Sportklettern [1]. Wenn du dich zwischen weichem und sicherem Halten entscheiden musst, wählst du das sichere Halten.
Stell dir vor jedem Vorstieg zwei Fragen: „Wie viel Reibung hat dieses Seil?" und „Wie weit ist der Weg bis zur letzten Zwischensicherung?" Wer beides vorab schätzt, entscheidet nicht erst im Sturz, ob er mitgeht oder zurückhält. Das ist Kurspraxis und folgt der Logik des DAV, dass Reibung und Sturzenergie fortlaufend erkannt werden müssen [1].
Du fängst einen Vorstiegssturz so ab, dass die Kraft verzögert und verringert auf Gurt und Kletternde wirkt. So wird der Anprall an der Wand milder [1].
Mit Körperdynamik: Aus der Schrittstellung lässt du dich vom Sturzzug nach oben ziehen und unterstützt die Bewegung aktiv. Das funktioniert gut bei ähnlichem Gewicht [1]. Üben gehört in den Kurs.
Nicht in Bodennähe, in der Halle nach DAV bis zur 4. bis 6. Expresse nicht mit Schlappseil [1]. Und erst, wenn du Stürze sicher hältst: Die Sensorhanddynamik ist nach DAV frühestens für Stufe Advanced gedacht [1].
Eine Methode des DAV, bei der das Schlappseil zwischen Führungshand und Sicherungsgerät gehalten wird. Sie dient als erste Bremsstufe, danach folgt die Körperdynamik [1].
Weil du Seil ins System gibst, das dem Kletternden fehlt, wenn der Boden nah ist. Ein dokumentierter Fall endete mit Trümmerbrüchen beider Fersen [3].
Klettern: Das Klettern-ABC – alle Fachbegriffe erklärt — [object Object]