Oberlenker, Bremsgriffe oder Unterlenker? So wechselst du die Griffposition je nach Gelände, schonst deine Hände und behältst die Bremse in Reichweite.
Welche Griffposition ist am Gravelbike die richtige? Die ehrliche Antwort: keine einzige. Du wechselst. Oberlenker zum Bergauffahren und Ausruhen, Bremsgriffe für die meiste Zeit, Unterlenker für Abfahrten und Gegenwind. Wer 3 Stunden in derselben Haltung fährt, bekommt früher oder später taube Finger.
Dahinter steckt Messbares. In einer Studie mit 36 erfahrenen Radfahrern drückte der Handballen ohne Handschuhe mit Spitzenwerten von 134–165 kPa auf den Lenker [1]. Das sind rund 1,3–1,7 bar, also etwa der Luftdruck eines weich gefahrenen Gravelreifens, nur eben konzentriert auf eine Fläche so groß wie dein Handballen. Am höchsten war der Druck im Unterlenker, dort stand das Handgelenk auch am stärksten überstreckt [1]. Das Ziel ist also nicht „die beste" Position, sondern regelmäßiger Wechsel.
Das Lernen selbst ist keine Hexerei. Mit ein paar Ausfahrten bewusstem Wechseln sitzt es. Der eigentliche Gewinn kommt später: Wer jede Position sicher greift und bremst, fährt entspannter und ist bei Abfahrten schneller ein.
Du greifst den flachen Teil neben dem Vorbau. Hier sitzt du aufrecht, atmest frei und siehst weit. Perfekt für Anstiege, Fotopausen und Gelände, das du erst abschätzen musst. Der Nachteil: Die Bremshebel sind weit weg. Lege die Finger nie so, dass du nicht in 1 Sekunde an die Bremse kommst, sobald es bergab geht.
Meilenstein: Du wechselst aus dem Stand vom Oberlenker zu den Bremsgriffen, ohne den Blick vom Weg zu nehmen.
Die Hände liegen auf den Hoods, die Finger greifen locker um den Griffkörper, ein bis zwei Finger bleiben an den Hebeln. Ellbogen leicht gebeugt, Schultern entspannt. Auf losem Untergrund sind das deine „Reisehände": Du erreichst die Bremsen sofort und kannst gleichzeitig leicht steuern.
Meilenstein: Du fährst 5 Minuten auf Schotter in dieser Haltung, ohne die Hände zu verkrampfen.
Du rutschst mit den Händen in die „Drops", der Oberkörper wird flacher. Das senkt die Stirnfläche gegen den Wind, was laut einer Studie die Aerodynamik wahrscheinlich verbessert [2]. Für Abfahrten ist der Unterlenker aus anderem Grund wichtig: Dein Schwerpunkt sinkt, und du kannst die Bremsen kraftvoller ziehen (Praxiserfahrung). Der Preis: mehr Druck am Handballen und ein überstrecktes Handgelenk [1].
Meilenstein: Du fährst im Unterlenker über einen Feldweg und erreichst jederzeit beide Bremshebel.
Wechsle nicht erst, wenn die Finger kribbeln. Ein bewährter Takt (Praxis): alle 10 Minuten oder bei jedem Terrainwechsel die Position ändern. Immer eine Hand nach der anderen wechseln, die zweite hält den Lenker. Vor Schlaglöchern oder Querrillen bist du auf den Hoods oder im Unterlenker besser aufgehoben als auf dem Oberlenker.
Lege dir einen Auslöser fest: Immer wenn du ein Wegkreuz, einen Schluck Wasser oder einen Anstieg erreichst, wechselst du die Position. So wird das Wechseln zur Gewohnheit, bevor die Hände schmerzen. Ein weiterer Kniff: Nimm im Unterlenker die Daumen unter den Lenker, so kannst du die Bremsen mit der ganzen Hand ziehen (Praxiserfahrung).
Meist drückt der Lenker dauerhaft auf den Nerv im Handballen. Gemessen wurden dort Spitzen von 134–165 kPa [1]. Wechsle regelmäßig die Griffposition, nimm gepolsterte Handschuhe (10–28 % weniger Druck [1]) und halte das Handgelenk gerade. Hält das Taubheitsgefühl an, geh zum Arzt.
Der Unterlenker macht dich flacher und damit aerodynamischer [2]. Auf die Gelenkleistung der Beine hatte die Position in einer Studie mit 18 Radfahrern keinen nennenswerten Einfluss [2]. Schneller wirst du also vor allem im Wind. Auf losem Boden zählt Kontrolle mehr als Aerodynamik.
Bei Abfahrten, Gegenwind und rauen Passagen, wenn du die Bremsen sicher erreichen und den Schwerpunkt tiefer halten willst. Für lange Anstiege und Pausen sind Oberlenker und Bremsgriffe besser. Wechsle immer in ruhigen Abschnitten, nicht mitten in Kurven.
Helm, Handschuhe, angepasstes Tempo und rechtzeitiges Bremsen vor rauen Stellen. Studien zeigen, dass Arme und Hände bei Radstürzen am häufigsten verletzt werden [4]. Zu Gravel selbst gibt es bisher keine Verletzungsstudie [4].
Waschbrettpiste fahren: So gleitest du über Querrillen — [object Object]