Lead, Second, Vice, Skip: welche Position im Curling-Team wirklich zu dir passt

Vier Positionen, vier völlig verschiedene Jobs: Was Lead, Second, Vice und Skip konkret tun, wer am meisten wischt und wo du als Neuling am besten anfängst.

Sportart: Curling · Level: Anfänger

Einleitung

Ein Curling-Team hat vier Positionen — Lead, Second, Third (im Club oft Vice genannt) und Skip. Jede Person spielt zwei der acht Teamsteine pro End [1], und als Neuling startest du fast immer als Lead: die einfachsten Steine, dafür der meiste Besen. Das ist keine Degradierung. Das ist die beste Lehrstelle, die dieser Sport zu vergeben hat.

Dass es überhaupt Positionen gibt, liegt an der Reihenfolge. Zwei Teams à vier Spieler schieben abwechselnd 16 Steine über die rund 45 Meter lange Bahn ins Haus [1]. Wer früh wirft, spielt in ein leeres Haus. Wer spät wirft, muss sich zwischen acht Steinen hindurchfädeln. Dieselbe Bewegung, komplett andere Aufgabe.

Eine Sache überrascht Neulinge fast immer: Die körperlich härteste Position ist nicht die des Skips. Es ist das Front-End. Ein Lead wischt pro Partie in der Größenordnung von 60 Steinen und legt dabei bis zu rund eine Meile — etwa 1,6 Kilometer — wischend zurück, mit Pulswerten, die in Messungen bis in den Bereich von 170 Schlägen pro Minute gehen [2]. Der Skip steht derweil am anderen Ende und denkt.

Die Frage „auf welcher Position willst du spielen?" ist im Club also keine Höflichkeitsfloskel. Sie fragt: Willst du ausführen, was gebraucht wird — oder entscheiden, was gebraucht wird?

Was du brauchst

Schritt für Schritt

1. Lead — die ersten zwei Steine, der meiste Besen

Der Lead eröffnet das End mit den ersten beiden Steinen des Teams [1][3]. Meist sind das Guards (Schutzsteine vor dem Haus) oder Draws (Steine ins Haus): Schüsse ohne Verkehr, dafür ohne Ausrede. Danach wischt der Lead praktisch jeden weiteren Stein mit. Genau deshalb ist es die Anfängerposition — du lernst die Abgabe an den saubersten Steinen und bekommst zugleich die meiste Zeit auf dem Eis [2].

2. Second — der Übergang von Aufbau zu Angriff

Die Steine fünf und sechs gehen an den Second. Jetzt liegt schon etwas auf der Bahn: Der Second räumt gegnerische Steine, zieht sich hinter einen Guard oder friert einen Stein fest. Gewischt wird trotzdem fast genauso viel wie beim Lead [2][4]. Second ist die Position, auf der die meisten Clubspieler landen — sie verlangt beides, Wurf und Arbeit.

3. Third oder Vice — der zweite Kopf im Team

Der Third spielt die Steine sieben und acht und übernimmt danach eine Doppelrolle. Er hält im Haus den Besen als Zielmarke, während der Skip wirft [1][4], und er ist der taktische Gesprächspartner des Skips. Er misst bei engen Ends nach und vertritt den Skip, wenn der unsicher ist. Vice heißt Vize — das ist wörtlich gemeint.

4. Skip — letzte zwei Steine, alle Entscheidungen

Der Skip gibt für jeden Stein des Teams die Zielmarke vor, ruft das Wischen und entscheidet, welcher Schuss überhaupt gespielt wird [1][4]. Dafür wirft er die beiden schwersten Steine des Ends — die, an denen die Punkte hängen. In der Wettkampf-Analytik gilt eine Shot-Percentage von 88 bis 90 Prozent als Elite-Bereich, ein Skip bei 92 Prozent als herausragend [6]. Das sind Größenordnungen aus Wettkampfdaten, keine kontrollierten Studienwerte — aber sie zeigen, wie eng die Luft oben wird.

5. Die Position wählen, die dich gerade weiterbringt

Für dein erstes Jahr gilt eine simple Regel: Spiel Front-End. Mehr Wiederholungen, mehr Eiszeit, weniger Entscheidungsdruck als auf jeder anderen Position. Der Weg nach hinten kommt von allein, sobald die Abgabe sitzt. In Anfängerteams werden die Positionen ohnehin rotiert, damit jeder alles einmal ausprobiert hat [5].

Häufige Fehler

Sicherheitshinweise

Deine Position bestimmt deine Belastung. Wer Front-End spielt, wischt in der Größenordnung von 60 Steinen pro Partie [2] — Ausdauerarbeit in vorgebeugter Haltung, und die geht auf Rücken und Schultern, wenn du sie kalt beginnst. Also aufwärmen, bevor der erste Stein läuft, nicht erst im dritten End.

Für alle Positionen gilt: Sobald du gehst statt gleitest, kommt der Aufsteck-Gripper über den Slider. Die meisten Anfängerstürze passieren beim Laufen auf der Teflonsohle, nicht beim Gleiten.

Und ein Wort zur Rollenverteilung im Team: Ein Skip, der einem Anfänger im dritten Training „einfach mal einen Takeout" ansagt, meint es gut und macht es falsch. Sag, was du kannst — das ist keine Schwäche, sondern Information, die dein Team braucht [4]. Ein Guide ersetzt dabei nie den betreuten Kurs; dein Trainer sieht in einer Partie, wohin du gehörst.

Pro-Tipp

Führ eine Saison lang ein Positionstagebuch: drei Zeilen nach jeder Partie. Wie viele deiner Steine lagen ungefähr dort, wo sie sollten? Wie oft musstest du beim Wischen raten statt zu wissen? Und hat dir das Ansagen gefehlt — oder war es dir angenehm, es nicht zu müssen?

Nach zehn Partien hast du keine Meinung mehr über deine Lieblingsposition, sondern Daten. Genau so besetzen gute Clubteams ihre Aufstellung.

FAQ

Was macht der Skip genau?

Der Skip legt fest, welcher Stein gespielt wird, hält im Haus den Besen als Zielmarke und ruft während des Laufs, ob und wie hart gewischt wird [1][4]. Die letzten beiden Steine eines Ends wirft er selbst. Kurz: Spielmacher und Trainer in einer Person — und die einzige Position, die während der eigenen Abgabe niemand wischen sieht.

Wie viele Spieler hat ein Curling-Team und wie lange dauert eine Partie?

Vier pro Team, also acht Personen auf der Bahn [1]. Eine Partie geht über acht Ends im Club oder zehn bei Meisterschaften [3]; pro End spielen beide Teams zusammen 16 Steine [1]. Eine Clubpartie dauert damit meist rund zwei Stunden.

Warum ist der Hammer ein Vorteil?

Der Hammer ist der letzte Stein eines Ends — das letzte Wort. Punkten kann pro End immer nur ein Team, nämlich das mit dem Stein am nächsten zum Zentrum [3]. Wer zuletzt wirft, kann diese Lage noch drehen. Deshalb geht der Hammer im nächsten End immer an das Team, das gerade nicht gepunktet hat [3].

Auf welcher Position fange ich als Erwachsener am besten an?

Als Lead. Du spielst die ersten beiden Steine ohne Verkehr im Haus, lernst die Abgabe an den einfachsten Schüssen und stehst danach fast das ganze End mit dem Besen auf dem Eis [2]. Curling ist in jedem Alter erlernbar, und genau dort setzen Learn-to-Curl-Programme an [5].

Schritt für Schritt

  1. Lead: erste zwei Steine, meiste Eiszeit: Guards und Draws ohne Verkehr im Haus, danach fast jeden weiteren Stein mitwischen — die beste Lernposition des Sports [1][2].
  2. Second: umbauen statt eröffnen: Steine fünf und sechs räumen, hinter Guards ziehen oder festfrieren — bei fast gleicher Wischlast wie der Lead [2][4].
  3. Third/Vice: zweiter Kopf im Team: Steine sieben und acht, danach Besen als Zielmarke für den Skip halten, nachmessen und den Skip taktisch vertreten [1][4].
  4. Skip: entscheiden und zuletzt werfen: Zielmarke setzen, Wischen rufen, Schuss festlegen und die beiden schwersten Steine des Ends selbst spielen [1][4].
  5. Ein Jahr Front-End, dann entscheiden: Mehr Wiederholungen und weniger Druck als hinten; in Anfängerteams werden Positionen ohnehin rotiert [5].

Key Takeaways

Nächster Guide

Warum Curler wischen: Die Physik hinter dem Sweeping — weiter, gerader und wie du es richtig machst — [object Object]

Verwandte Guides

← Mehr Curling-Guides