Blocken im Boxen: Schläge mit Handschuh, Ellbogen und Schulter abfangen

Doppeldeckung, Handschuh-Fang, Ellbogen- und Schulterblock: wie du Schläge abfängst, welche Fehler Treffer kosten und was Blocken über Kopftreffer nicht sagt.

Sportart: Boxen · Level: Anfänger

Einleitung

Blocken heißt, einen Schlag mit Handschuh, Unterarm, Ellbogen oder Schulter abzufangen, statt ihm auszuweichen. Das Handbuch des Weltverbands lehrt dafür fünf Grundformen: die Doppeldeckung, den Handschuh-Fang, den Block mit dem hinteren Unterarm, den Ellbogenblock gegen Körperschläge und den Schulterblock [1]. Die Schweizer Trainerunterlage setzt noch einen drauf: Von allen Verteidigungen müssen Einsteiger vorrangig die Kopfdeckung mit der Schlaghand und den Ellbogenblock sicher beherrschen [2].

Der Grund, warum Blocken am Anfang steht: Ausweichen verlangt Timing auf den Zentimeter, Blocken verzeiht mehr. Das ist Praxiserfahrung, keine Messung. Und es hat eine Stilfrage dahinter: Wer lieber ausweicht, hält die Fäuste tiefer, wer lieber blockt, hält sie höher – an Beugewinkel und Fausthöhe erkennt man die Boxschule [2].

Die ehrliche Antwort zur größten Frage vorweg: Wie viel Wucht ein Block tatsächlich schluckt, haben die Studien, die wir gelesen haben, nicht gemessen. Blocken verringert Treffer auf Kopf und Körper, aber es macht dich nicht unverwundbar. Dazu mehr im Abschnitt Sicherheit.

Was du brauchst

Schritt für Schritt

1. Doppeldeckung

Ellbogen und Fäuste zusammenführen, sodass sie sich fast berühren, Kinn runter, Arme fest [1]. Das ist die Antwort auf gerade Schläge zu Kopf und Körper, mit beiden Händen. Meilenstein: Du hältst die Doppeldeckung, während dein Partner zehn lockere Geraden an die Handschuhe tippt, ohne dass sich die Arme öffnen.

2. Handschuh-Fang gegen die Führhand

Öffne kurz vor dem Treffer die Handfläche der Schlaghand und halte sie vor Kinnhöhe in den Schlag. Der Arm bleibt dabei fest, sonst drückt dir die Wucht den eigenen Handschuh ins Gesicht [1][2]. Meilenstein: Du fängst zehn langsame Jabs, ohne dass dein Handschuh deine Nase berührt.

3. Unterarmblock gegen den Führhandhaken

Dreh den Körper leicht zur Seite der Führhand, hebe den hinteren Unterarm fest an, die Führhand bleibt oben, die Augen am Gegner [1]. Meilenstein: Du blockst fünf langsame Haken auf jeder Seite mit offenen Augen.

4. Ellbogenblock gegen Körperschläge

Dreh den Oberkörper um die Längsachse und bring den Ellbogen an den Körper, sodass der gewinkelte Arm den Rumpf deckt. Du bleibst aufrecht, die Fäuste bleiben auf Kopfhöhe [1][2]. Meilenstein: Du deckst fünf Körperschläge pro Seite, ohne dass die Fäuste sinken.

5. Schulterblock gegen die hintere Gerade

Dreh dich zur hinteren Seite, verlagere das Gewicht aufs hintere Bein, versteck das Kinn hinter der Schulter und blocke mit der vorderen Schulter. Der Oberkörper lehnt sich nicht nach vorn [1]. Meilenstein: Du nimmst fünf langsame Cross-Schläge mit der Schulter auf und stehst danach in Stellung.

6. Block plus Antwort

Die Schweizer Unterlage verlangt, Verteidigungen möglichst bald mit Konterstößen zu koppeln – passive Verteidigung soll vermieden werden [2]. Blocke, dann antworte mit einem Schlag. Meilenstein: Block und Antwort laufen in einem Atemzug.

Häufige Fehler

Das IBA-Handbuch listet typische Fehler der Verteidigung [1]:

Sicherheitshinweise

Hier ein ehrlicher Absatz, weil das Thema dazugehört. Boxen ist ein Sport mit Kopftreffern. In einer Meta-Analyse über 35 Studien war das Gehirnerschütterungs-Risiko im Boxen deutlich höher als in anderen Kampfsportarten (Risikoverhältnis 0,253 gegenüber 0,065) [3]. Gemessen im Sparring: Bei Collegeboxern zählten Kopfschutz-Sensoren in nur zwei Runden à zwei Minuten im Mittel 27,6 Treffer über der Messschwelle, also etwa einen alle 9 Sekunden [4]. Bei Anfängern in einem Einführungskurs waren es 3,9 Kopftreffer pro Kampf mit durchschnittlich 16,5 g [5].

Was heißt das für dich? Blocken schützt vor vielen Treffern, nicht vor allen, und ob und wie stark ein Block die Wucht senkt, ist in diesen Studien nicht untersucht. Verlass dich also nicht auf „Ich blocke ja alles“.

Praktisch: Sparring nur mit Aufsicht, passendem Partner, Kopfschutz und 16-oz-Handschuhen [1]. Bei Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit oder Schwindel nach einem Treffer sofort abbrechen und ärztliche Hilfe holen [1]. Nach einem Niederschlag im Training verlangt das IBA-Handbuch, die Gehirnerschütterung im Trainerbuch zu vermerken und den Boxer ärztlich untersuchen zu lassen [1].

Dieser Guide erklärt und motiviert, er ersetzt kein betreutes Training.

Pro-Tipp

Übe Blocken im Zeitlupen-Sparring: Dein Partner schlägt mit etwa einem Viertel Tempo, du blockst mit offenen Augen. Das ist kein Dogma, sondern Praxis-Erfahrung – aber es bringt dir zwei Dinge: Du siehst, wie früh der Schlag auf dich zukommt, und du gewöhnst dir ab, beim Blocken die Augen zuzukneifen. Wer den Treffer sieht, kann kontern.

FAQ

Was ist besser: Blocken oder Ausweichen?

Beides hat seinen Platz. Der Verband trennt es nicht in „besser“ und „schlechter“, sondern in Stile: Wer Ausweichbewegungen bevorzugt, hält die Fäuste tiefer, wer Deckungen bevorzugt, höher [2]. Für Einsteiger gilt: erst Blocken, weil es weniger Timing verlangt, dann Ausweichen dazu lernen.

Wie blocke ich einen Haken?

Gegen den Führhandhaken dreht sich der Körper leicht zur Führseite, der hintere Unterarm geht fest nach oben, die Führhand bleibt oben, die Augen bleiben am Gegner [1]. Wichtig: Der Ellbogen bleibt vor dem Körper, nicht seitlich weggeklappt.

Schützt Blocken vor einer Gehirnerschütterung?

Das lässt sich nach den gelesenen Studien nicht sagen. Sie messen, wie oft und wie hart Treffer im Sparring ankommen [4][5], nicht, wie viel ein Block davon abfängt. Blocken senkt die Zahl der Treffer, garantiert aber keine Sicherheit. Bei Warnzeichen wie Übelkeit oder Verwirrtheit sofort Hilfe holen [1].

Welche Handschuhe brauche ich zum Blocken üben?

Das IBA-Handbuch nennt 12 bis 16 Unzen als Trainingsausrüstung, für Sparring ausdrücklich größere (16 oz) mit Kopfschutz [1]. Für Partnerübungen ohne Sparring reichen Handschuhe in dieser Größe plus Bandagen und Mundschutz.

Wie lange dauert es, bis Blocken sitzt?

Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Erfahrungsgemäß sitzen die Grundformen nach einigen Wochen mit zwei bis drei Einheiten pro Woche, wenn du sie mit Partner übst. Wichtig ist nicht Tempo, sondern dass du bei jedem Block noch siehst, was auf dich zukommt.

Schritt für Schritt

  1. Doppeldeckung: Ellbogen und Fäuste zusammenführen, Kinn runter, Arme fest. Meilenstein: zehn lockere Geraden an die Handschuhe, ohne dass sich die Arme öffnen.
  2. Handschuh-Fang: Handfläche der Schlaghand kurz vor dem Treffer öffnen und fest vor Kinnhöhe halten. Meilenstein: zehn langsame Jabs, ohne dass der Handschuh die Nase berührt.
  3. Unterarmblock gegen den Haken: Körper leicht zur Führseite drehen, hinteren Unterarm fest anheben, Augen am Gegner. Meilenstein: fünf langsame Haken je Seite.
  4. Ellbogenblock zum Körper: Oberkörper drehen, Ellbogen an den Körper führen, Fäuste auf Kopfhöhe lassen. Meilenstein: fünf Körperschläge je Seite gedeckt.
  5. Schulterblock und Antwort: Gewicht nach hinten, Kinn hinter die Schulter, nicht nach vorn lehnen – dann mit einem Schlag antworten.

Key Takeaways

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Der Slip im Boxen: Dem Schlag seitlich ausweichen und kontern — [object Object]

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