Die Anschieber im Viererbob drücken an einklappbaren Seitenbügeln. Was die Regeln vorgeben, was Studien zeigen und warum die Technik nur mit Trainer entsteht.
Im Viererbob schieben die beiden mittleren Anschieber nicht von hinten, sondern seitlich an einklappbaren Schiebebügeln. Die ehrliche Antwort auf „Ist das nicht einfach Sprinten?": Nein. Es ist Sprinten mit einer Last, die zehntel Sekunden entscheidet, auf Eis, in Spikes und mit Hände am Bügel. Zusammen bringt die Crew einen Schlitten von mindestens 210 kg ins Rollen [1]. Das gesamte Gespann mit Crew darf bis zu 630 kg wiegen [1].
Das Regelwerk der IBSF legt die Geometrie fest: Die Seitenbügel müssen einklappbar sein, und sie müssen eine Höhe von 670 bis 870 Millimeter über der Standfläche der Kufenträger haben, das ist etwa Hüfthöhe eines Erwachsenen. Die Gesamtbreite der Seitenbügel der zweiten und dritten Person darf 750 mm nicht überschreiten [1].
Der Anschub selbst ist hüftdominant. Eine Studie mit 15 Elite-Athleten (Männer), die Bodenreaktionskräfte und 3D-Bewegung erfasste, kam zu dem Ergebnis, dass die Beschleunigung am Start vor allem aus der Hüftstreckung kommt und dass Bob-Athleten im Vergleich zum freien Sprint stärker auf Hüft- statt Sprunggelenksarbeit setzen [3].
Der Anschub ist keine Rennstrecke, sondern ein Teamprojekt in 50 Metern.
Eingangs-Kriterien (Praxis-Standard):
Das Ziel der Anschieber: den Schlitten in der Startphase so schnell wie möglich zu beschleunigen, damit der Bob mit hoher Geschwindigkeit in die Bahn geht. Die Fachliteratur nennt als gemeinsames Ziel der Start-Techniken, den Schlitten präzise und schnell zu beschleunigen, um die Geschwindigkeit nach dem Einsteigen zu optimieren [2].
Meilenstein: Du erklärst dem Trainer, was ein guter Start bewirken soll.
Nach den IBSF-Regeln darf der Startblock während des Startvorgangs betreten werden, aber die hintere Kante darf nicht überschritten werden [1]. Das ist eine Regel, die im Training oft vergessen wird, weil dort niemand die Zeit stoppt. Üb sie trotzdem mit. Die ganze Mannschaft muss nach dem Aufruf zum Start anwesend sein, und die Zeitmessung muss innerhalb von 60 Sekunden ausgelöst werden [1]. Das Anschieben durch Dritte ist verboten [1].
Meilenstein: Du kennst die Startregeln und hältst sie im Training ein.
In der Startbeschleunigung wirkt die Hüftstreckung dominant, mit zunehmender Geschwindigkeit wächst der Beitrag des Sprunggelenks und der des Knies sinkt [3]. Dein Training setzt deshalb auf kräftige Hüftstrecker, nicht nur auf Lauftempo. Das heißt für dich: Kreuzheben- und Sprung-Varianten gehören dazu. Das ist eine Folgerung aus der Studie, kein Rezept; dein Trainer plant.
Meilenstein: Du hast einen Trainingsplan mit Hüft- und Rumpfkraft.
Die Hände greifen den Seitenbügel, der Körper steht in einer gestaffelten Position hinter dem Bügel [2]. Wie genau du deine Hände, Füße und Schritte setzt, ist Technik, die du mit einem Trainer an der Anschubbahn lernst. Eine Studie am Zweierbob fand, dass Piloten am Seitenbügel in einer halben Hocke mit marschierenden Schritten schieben [4]. Das gilt für den Zweier, die Vierer-Mitte ist nicht untersucht, und wir verallgemeinern es nicht.
Meilenstein: Du schiebst an der Anschubbahn mit Trainer die Standardtechnik, und er korrigiert dich nicht mehr.
Wenn die Geschwindigkeit hoch ist und du im Rumpf gestreckt arbeitest, steigt die Belastung der Oberschenkelrückseite und der hinteren Kette, was akute Muskelverletzungen begünstigt [2]. Deshalb: Aufwärmen, Steigerung, kein Maximalsprint kalt. Hamstring-Verletzungen heilen langsam, und im Bob kommt der Rückweg über die Anschubbahn, nicht über die Eisbahn: Plane Wochen statt Tage für die Rückkehr. (Praxis)
Meilenstein: Du bist 10 Wochen am Stück ohne Hamstring-Beschwerden durchtrainiert. (Richtwert aus der Praxis)
Trainiere die Hüfte ohne Lauf: Schwere Hüftstreckungen und Sprünge, schnell und kontrolliert, im Kraftraum mit Trainer. So entsteht der Antrieb, ohne dass die Hamstrings im Sprint überlastet werden. Das ist eine Folgerung aus der Hüftdominanz-Studie [3], keine fertige Trainingsmethode; dein Athletiktrainer plant das.
Der Schlitten mit Kufen muss mindestens 210 kg wiegen, der Bob mit Crew und Ausrüstung höchstens 630 kg [1].
670 bis 870 Millimeter über der Standfläche der Kufenträger [1].
Vor allem aus der Hüftstreckung. Studien am Start zeigen Hüftdominanz [3].
Die Fachliteratur beschreibt einen Sprintstart über etwa 50 Meter, bevor die Crew einsteigt [2]. In einer Studie am Zweierbob lief der Pilot 20 bis 30 m, der Bremser rund 50 m [4]. Ein Anschubtraining auf der Anschubbahn bereitet das vor.
Nein. Bobanschub lernst du an einer Anschubbahn oder auf der Bobbahn unter Anleitung.
Bremser-Anschub am Heck: Die längste Strecke und die meiste Arbeit — [object Object]